Anuschirvan erforscht den Zustand seines Landes
Anuschirvan erforscht den Zustand seines Landes ist ein orientalisches Märchen aus den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht; es zählt nicht zu den in der ältesten erhalten gebliebenen Galland-Handschrift erwähnten Märchen, sondern wurde unabhängig von dieser von Antoine Galland in sein 1704 erschienenes erweitertes Werk eingefügt. Die Kurzgeschichte behandelt eine Erzählung über den persisch-sassanidischen Großkönig Chosrau I. (reg. 531–579), auch genannt Anuschirvan.[1]
Handlung
Man erzählt sich, dass der persische Großkönig Anuschirvan sich krank stellte und seinen Freunden und Vertrauten erklärte, die Ärzte hätten ihm zu einer Arznei alte Ziegelsteine aus einem verwüsteten Dorf verordnet. Daraufhin wurden Boten in das ganze Perserreich geschickt, die aber nirgendwo ein verwüstetes Dorf vorfanden. Anuschirvan freute sich und erklärte, dass er nur habe sehen wollen, ob es in seinem Land noch einen in Trümmern liegenden Ort gebe. Nun sei er überzeugt, dass der Wohlstand in seinem Reich vollkommen sei.
Scheherazade erklärt, dass die alten Könige einst sagten: „Der Glaube muss von der Regierung unterstützt werden, die Regierung durch Truppen, die Truppen durch Geld und das Geld durch die Kultur des Landes, und diese wird durch die Gerechtigkeit gegen die Untertanen gefördert, denn durch Gewalttat und Tyrannei zwingt ein König seine Untertanen, auszuwandern; die Bevölkerung seines Landes nimmt ab, die Schatzkammern werden leer und die Zurückbleibenden verwünschen ihre Tyrannen solange bis sein Untergang sie befreit“.
Siehe auch
- Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten
- Liste von Märchen aus Asien
Einzelnachweise
- Gustav Weil: Tausend und eine Nacht - Arabische Erzählungen, Karl Müller Verlag, Erlangen 1984 (dt. Erstausgabe 1839), Band 4, S. 85.