Bücherraub
Bücherraub bezeichnet den systematischen Raub wertvoller Bücher aus öffentlichen Bibliotheken, Antiquariaten und privaten Sammlungen während der Zeit des Nationalsozialismus. Bücher aus überwiegend jüdischen Bibliotheken in Paris, Brüssel, Amsterdam, Prag oder Wien wurden von dem Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg für eine Zentralbibliothek der „Hohen Schule“ zusammengestellt, die nach dem Zweiten Weltkrieg das Herzstück einer nationalsozialistischen „Eliteforschungsstätte“ werden sollte.[1]
Ein Beispiel ist auch die sozialwissenschaftliche Studienbibliothek der Arbeiterkammer Wien, die vor dem Zweiten Weltkrieg als eine der bedeutendsten Bibliotheken ihrer Art in Europa galt.
Beträchtliche Teile dieser Raubstücke sind 1945 im österreichischen Kloster Tanzenberg wieder aufgetaucht.[1]
Die Friedrich-Ebert-Stiftung mit Sitz in Bonn hat seit Mitte 2020 ihre historischen Buchbestände systematisch auf ihre Herkunft untersucht. Dabei konnten 17 Bücher, die von den Nazis geraubt wurden, der Arbeiterkammer Wien zugeordnet werden. Einige dieser Bücher stammen aus der persönlichen Bibliothek von Viktor Adler.[2]
Die Rückgabe dieser Bücher an die AK Bibliothek Wien ist ein bedeutender Schritt in der Wiedergutmachung und im Umgang mit der Erinnerungskultur bezüglich des Nazi-Bücherraubs seit 1945.[3]
Bibliotheken aus Deutschland und Österreich arbeiten bei der Provenienzforschung zusammen, um in ihrem Besitz befindliches NS-Raubgut zu ermitteln und an die rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben.[4][5]
Literatur
- Evelyn Adunka: Der Raub der Bücher. Über Verschwinden und Vernichten von Bibliotheken in der NS-Zeit und ihre Restitution nach 1945. Czernin Verlag, Wien 2002. ISBN 9783707601381.[6]
- Walter Mentzel: Wiener NS-Antiquariate und ihre Rolle im Bücherraub. Oder: Wie Antiquariate von der Judenverfolgung profitierten. Ein Forschungsbericht. In: Bruno Bauer, Christina Köstner-Pemsel, Markus Stumpf: NS-Provenienzforschung an österreichischen Bibliothken. Anspruch und Wirklichkeit. Wolfgang Neugebauer Verlag GesmbH Graz–Feldkirch 2011, S. 65–82. PDF.
Einzelnachweise
- Evelyn Adunka: Der Raub der Bücher. Über Verschwinden und Vernichten von Bibliotheken in der NS-Zeit und ihre Restitution nach 1945. Czernin Verlag, Wien 2002.
- Über Bücherraub und Wiedergutmachung. Die Nazis raubten ganze Bücherbestände. Jetzt gibt die Friedrich-Ebert-Stiftung 17 wiedergefundene Bücher aus Bonn an die AK Bibliothek Wien zurück. APA-OTS, 27. November 2023.
- Über Bücherraub und Wiedergutmachung. Abgerufen am 22. Februar 2024.
- JP: APA: Über Bücherraub und Wiedergutmachung. In: Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare. 30. November 2023, abgerufen am 22. Februar 2024 (deutsch).
- NS-Raubgutforschung in Bibliotheken. Württembergische Landesbibliothek, 17. Oktober 2023.
- Rezensionsnotizen. Perlentaucher, abgerufen am 23. Februar 2024.