Bamberg, Staatsbibliothek, Msc.Lit.7

Die Handschrift Bamberg, Staatsbibliothek, Msc.Lit.7 (auch Gebetbuch Kaiser Heinrichs genannt) ist ein hochmittelalterlicher Kodex, der liturgische Gesänge enthält. Die Handschrift wurde im frühen 11. Jahrhundert im Kloster Seeon geschrieben und von Heinrich II. und Kunigunde nach 1014 dem Bamberger Dom gestiftet. Heute wird sie als Teil der Kaiser-Heinrich-Bibliothek in der Staatsbibliothek Bamberg verwahrt.

Beschreibung

Der Einband zeigt den Apostel Paulus.

Der Kodex misst 26,5 auf 11 cm und umfasst 79 Blatt Pergament in zehn Lagen, die meist mit je 18 Zeilen Text beschrieben sind. Der nur 6,5 Zentimeter breite Schriftspiegel ist der ungewöhnlichen Form der oben halbkreisförmig beschnittenen Blätter angepasst. Die Schrift ist eine Minuskel des frühen 11. Jahrhunderts; Hoffmann datiert sie auf die Zeit 1014 bis 1024 (und die Ergänzungen in das 11. oder 12. Jahrhundert). Als Auszeichnungsschriften dienen Unziale, Capitalis quadrata und Capitalis rustica (teilweise in Gold geschrieben); einzelne mehrfarbige Schmuckbuchstaben sind sehr aufwändig gestaltet.

Der Prachteinband aus Elfenbein ähnelt stark dem Einband von Msc.Lit.8; er soll in Konstantinopel in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts hergestellt worden sein. Die Tafeln dienten ursprünglich als Teil eines Diptychons. Es ist in der Forschung vermutet worden, dass die Elfenbeinschnitzereien direkten Einfluss auf die Buchmalerei im Kloster Seeon hatten.[1]

Der Buchrücken ist mit roter Seide (Italien, 15. oder 16. Jahrhundert) bezogen.

Inhalt

Als Cantatorium enthält die Handschrift verschiedene Gesänge (Text und Neumen), die an hohen Festtagen im Gottesdienst zu singen waren. Sie dienten nicht der privaten Andacht, wie es der Titel „Gebetbuch Kaiser Heinrichs“ suggeriert. Eine Besonderheit sind die Fürbitten für Kaiser Heinrich und Königin (!) Kunigunde in den in Msc.Lit.7 enthaltenen Laudes regiae.

Literatur

  • Hartmut Hoffmann: Bamberger Handschriften des 10. und des 11. Jahrhunderts (= MGH. Schriften Band 39). Hahn, Stuttgart 1995, S. 144–145; Digitalisat.
  • Gude Suckale-Redlefsen: Die Handschriften des 8. bis 11. Jahrhunderts der Staatsbibliothek Bamberg. 1. Teil: Texte (= Katalog der illuminierten Handschriften der Staatsbibliothek Bamberg Band 1,1). Harrassowitz, Wiesbaden 2004, ISBN 3-447-05117-5, hier S. 111–112 und 179–181; Digitalisat.

Einzelnachweise

  1. Ulrike Koenen: Vier byzantinische Elfenbeinreliefs in Bayern zu Beginn des 11. Jahrhunderts. Ihre Adaption und Wirkung als konkreter Beitrag zur „Byzantinischen Frage“. In: Foteini Kolovou (Hrsg.): Byzanzrezeption in Europa. Spurensuche über das Mittelalter und die Renaissance bis in die Gegenwart (= Byzantinisches Archiv Band 24). De Gruyter, Berlin und Boston 2012, ISBN 978-3-11-027225-3, S. 75–86; doi:10.1515/9783110272253.75
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