Brenta (Gebirge)

Die Brenta ist eine Gebirgsgruppe der Südlichen Kalkalpen in Italien, östlich der Adamellogruppe, mit dem Hauptgipfel der Cima Tosa 3173 m über dem Meeresspiegel.[1] Zusammen mit Adamello-Presanella ist die Brenta seit 1967 ein Naturpark und ist das größte Naturschutzgebiet im Trentino.[2] Die Brenta beherbergt eine kleine Gruppe von Braunbären, die 1996 wieder angesiedelt wurden.[3]

Brenta
Höchster Gipfel Cima Brenta (3151,7 m s.l.m.)
Lage Italien, Trentino
Einteilung nach AVE: 51
SOIUSA: 28.IV
Partizione delle Alpi: 11m
Koordinaten 46° 9′ N, 10° 52′ O
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Lage und Beschreibung

Für die Gruppe ist auch der Name Brentner Dolomiten (Dolomiti di Brenta) verbreitet, weil sie vornehmlich in der italienischen Literatur zu den Dolomiten gerechnet werden. Die Brenta liegt im Trentino in Norditalien östlich der Adamellogruppe, östlich des Etschtals und nördlich des Gardasees. Der Gebirgsstock der Brenta erstreckt sich über ungefähr 40 km in Nord-Süd-Richtung und 12 km in Ost-West-Richtung. Begrenzt wird es im Norden durch das Val di Sole, im Süden durch die Valli Guidicarie, im Osten durch das Val di Non, den Molveno-See und die Paganella Hochebene und im Westen durch das Val Rendena.[4]

Seit dem Abschmelzen der Eiskuppe der ehemals 3173 m s.l.m. hohen Cima Tosa (heute 3133,5 m s.l.m.) ist der höchste Gipfel die Cima Brenta (3151,7 m s.l.m.).[2] Ein weiterer markanter Felsturm ist der freistehende Campanile Basso (2883 m s.l.m., auch: Guglia di Brenta). Touristisch interessant sind der Talort Madonna di Campiglio, der Lago di Molveno (Malfein-See) und der Tovelsee, der bekannt wurde, weil er in warmen Sommermonaten bis in die 1960er Jahre durch Algen eine intensive dunkle Rotfärbung annahm.

Die Brenta gehört zusammen mit Adamello zum Naturpark Adamello-Brenta und zum UNESCO-Welterbe Dolomiten. Die beiden Teile des Naturparks sind sehr unterschiedlich: während die Brenta aus Sedimentgestein besteht, wurde die Adamellogruppe aus Vulkangestein geformt. Unterschiedlich ist auch der Wasserhaushalt: während es im Adamello viele Seen, Bäche und Wasserfälle gibt, ist die Brenta eher trocken, da im Karst der Brenta das Wasser schnell versickert und erst in den Tälern wieder zum Vorschein kommt.[2]

Die wesentlichen Gipfel der Brenta sind von Norden nach Süden:

Das Gebiet ist mit der typischen Flora der Alpen südlich des Alpenhauptkammes ausgestattet, wie Tannen-, Buchen- und Lärchenwälder. Es gibt weite Almflächen und Wiesen, zudem erstrecken sich Moore, Flussläufe und Seen zwischen der teils wild zerklüfteten Landschaft mit Türmen, Zacken und Gipfeln. Es finden sich auch alle bekannte Alpentiere wie Gämsen, Hirsche, Rehe, Murmeltiere, Dachse und viele mehr. 1996 wurde mit dem Projekt „Life Ursus“ auch wieder Braunbären angesiedelt.[6]

Erschließung und Berghütten

Ausgangspunkt für Touren in der Brenta ist meist Madonna di Campiglio, das auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.[7]

Die Brenta wird durch folgende Schutzhütten erschlossen:[8]

Geologie

Das formgebende Gestein der Brenta ist der äußerst harte Hauptdolomit, der in diesem Gebirge in einer Mächtigkeit bis etwa 1000 Metern ansteht. Bei der Alpidischen Gebirgsbildung wurde dieses Sedimentgestein nicht wie beim Kalkstein oder Schiefer aufgewölbt, sondern gebrochen, was dem Gebiet den schroffen Charakter mit seinen senkrechten Türmen und massiven Felswänden verlieh. Der Hauptdolomit weist etwa 40 bis 50 Meter dicke Lagen aus verschiedenem Dolomitgestein auf, die durch unterschiedliche Verwitterung die waagerechten oder leicht schrägen markanten Bänder bildet. Diese Bänder machten durch ihre Begehbarkeit die touristische Erschließung der Brenta im 19. Jahrhundert erst möglich.

Alpinismus

Wandern

Das Gebiet bietet eine große Anzahl von Wanderwegen, von moderat bis sehr schwierig. Die zahlreichen Hütten können als Stützpunkte dienen. Beliebt sind daher Wanderwege, die von Hütte zu Hütte führen und Rundwege sind, die über mehrere Hänge und Berge führen. Beliebt sind auch Wanderwege durch das Val d'Algone, ein 15 km langes, wildes Tal mit einer großen Vielfalt an Fauna und Flora. Hier finden sich auch etliche Schäferhütten, darunter die Malga Movlina.[8]

Klettersteige

Charakteristisch sind die Felsbänder, auf denen mehrere Klettersteige, z. B. der „Sentiero Bocchette“ (Teilstücke Sentiero Benini, Sentiero Bochette Alte, Sentiero Bochette Centrali), entlangführen.

Häufig werden Klettersteige mit Felswandern kombiniert, besonders beliebt für solche Kombinationen sind:

Der Sentiero Via delle Bocchette, „Ferrata S.O.S.A.T. basse“ (von der Tuckett-Hütte zur Brentei-Hütte und über die Alimonta-Hütte zur Bocca degli Armi): dieser ist der niedrigste und einfachste Klettersteig der Gegend. Er umrundet die Cima Brenta. Dieser Weg hat lange Gehpassagen auf einem Wanderweg, wechselt sich aber ab mit versichertem Gelände und in der Schlüsselstelle mit einer Leiter ab. Die Gehzeit wird mit rund 5,5 Stunden angegeben, es sind rund 850 Höhenmeter zu überwinden.[7]

Ein anderer beliebter Weg ist eine Wanderung zum Refugio Silvio Agostini, die im Mittelteil den „Sentiero del Cege“ als Klettersteig einschließt. Diese Weg ist schon etwas schwieriger, benötigt rund 4,5 Stunden Gehzeit und überwindet 870 Höhenmeter.[7]

Andere beliebte Klettersteige sind:

  • Sentiero Alfredo Benini (vom Grosté-Pass zum Tuckett-Pass)
  • Sentiero delle Bocchette Alte (von der Bocca di Tuckett zur Bocca degli Armi)
  • Sentiero delle Bocchette Centrale (von der Bocca degli Armi zur Bocca Brenta)
  • Sentiero Orsi (von der Tuckett-Hütte zur Pedrotti-/Tosa-Hütte)
  • Sentiero Ettore Castiglioni (von der Agostini-Hütte zur XII-Apostel-Hütte)

Sportklettern

Die Brenta ist ein bekanntes Klettergebiet, es gibt mehr als 400 Sportklettertouren in elf Klettergärten. Diese bieten meist eher kurze Routen in allen Schwierigkeitsgraden. Da die Felsen nach allen Himmelsrichtungen ausgerichtet sind, gibt es schattige Felsen für heiße Sommertage ebenso wie sonnige Felsen für eher kühle Tage.[9]

Alpines Klettern

Es gibt eine Vielzahl von klassischen und modernen Klettertouren in der Brenta. Diese sind meist hochalpin, moderne Routen sind teilweise gut gesichert.

Der Normalweg auf die Cima Tosa ist die einfachste Klettertour (UIAA 2/3-, 600 m) und führt durch die Südflanke. Der Abstieg erfolgt meist durch Abseilen.[10] Beliebt ist auch die „Via Zanetti“ (UIAA 5, 8 Seillängen), die erst 2021 von den Brüdern Zanetti erstbegangen wurde.[11]

Schifahren

In der Brenta befindet sich das Schigebiet Campiglio Dolomiti die Brenta Val die Sole Val Rendena mit 150 km Pisten, es ist das größte Schigebiet im Trentino.[4]

Sonstige touristische Attraktionen

Im Pian della Nana, einer auf 2000 m liegenden Hochebene, südlich des Monte Peller, gibt es 4 Lehrpfade, die die Pflanzen- und Tierwelt detailreich erklären. Diese sind von der Nana-Hütte aus leicht zu erreichen und gut zu wandern.[12] Außerdem finden auf dieser Hochebene jeden Sommer an einigen Abenden das Musikfestival „Sounds of Dolomits“ statt.[13]

Fotos

Literatur

  • Helmut Pietsch: Brentagruppe, Gebietsführer für Wanderer und Bergsteiger. Bergverlag Rudolf Rother, München, 1. Auflage 1987. ISBN 3-7633-3302-9
  • Luca Visentini; Brenta Gruppe. Wanderungen und Normalwege auf die wichtigsten Gipfel. Bozen, Athesia, 1989. ISBN 88-7014-518-2
  • Verschiedene Karten im Maßstab 1:25.000, wie zum Beispiel die Alpenvereinskarte des Deutschen Alpenvereins, Blatt 51, Brentagruppe. Karten im Maßstab 1:50.000 sind hier aufgrund der Kleinräumigkeit des Gebiets nicht zu empfehlen.
Commons: Brenta group – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Brenta - Enzyklopädie - Brockhaus.de. Abgerufen am 2. März 2024.
  2. Franziska Haack: Wilde Nachbarn: die alpinen Brenta-Dolomiten. In: Bergsteiger. Band 07/2023. Bruckmann Verlag GmbH, München 2024, S. 20 ff.
  3. Naturpark Adamello-Brenta - Trentino, Dolomiten - Italien. Abgerufen am 2. März 2024 (deutsch).
  4. Die Brenta-Dolomiten: was und wo sie sind. Abgerufen am 2. März 2024.
  5. http://lazarus.elte.hu/hun/digkonyv/topo/200e/29-46.jpg
  6. Naturpark Adamello-Brenta - Trentino, Dolomiten - Italien. Abgerufen am 2. März 2024 (deutsch).
  7. Franziska Haack: Wilde Nachbarn: die alpinen Brenta-Dolomiten. In: Bergsteiger. Band 07/2023. Bruckmann Verlag GmbH, München 2024, S. 28.
  8. Bergtouren in den Brenta-Dolomiten. Abgerufen am 2. März 2024.
  9. Klettern in der Brenta | BERGSTEIGER Magazin. Abgerufen am 2. März 2024.
  10. Cima Tosa - Brenta Normalweg. Abgerufen am 2. März 2024.
  11. "Via Zanetti" - Due Laghi. Abgerufen am 2. März 2024.
  12. Pian della Nana - Dolomiti di Brenta UNESCO WORLD HERITAGE. Abgerufen am 2. März 2024.
  13. The Sounds of the Dolomites - Trentino - Italy. Abgerufen am 2. März 2024 (britisches Englisch).
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