Die Pyramiden
Die Pyramiden,[1] auch Die Geschichte von dem Kalifen al-Ma'mun und den Pyramiden,[2] ist ein orientalisches Märchen aus den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht. Die Kurzgeschichte berichtet vom Besuch des siebten Abbasiden-Kalifen al-Ma'mūn (768–833) bei den Pyramiden von Gizeh.[1][2]

Handlung
Man erzählt sich, dass al-Ma'mun, der Sohn des legendären Kalifen Harun al-Raschid, als er nach Ägypten kam und Kairo besuchte, die Pyramiden zu sehen verlangte, um die darin verborgenen Schätze an sich zu nehmen. Al-Ma'mum will die Pyramiden umstoßen lassen, kann es aber nicht. Nach vielen Anstrengungen und unter außerordentlichen Kosten gelingt es ihm schließlich ein kleines Fenster in einer der Pyramiden auszugraben. Hinter dem Fenster habe er dann genau so viel Geld gefunden, wie seine Kosten betrugen. Al-Mamun nimmt das Geld und gibt weitere Versuche auf.
Es folgen Volkserzählungen über die Pyramiden. Ihre Steine seien mit Eisenstangen und Blei miteinander fixiert worden. In der westlichen Pyramide (vermutlich die Chephren-Pyramide) seien dreißig Schatzkammern voller Edelsteine, Geld, Statuen, Instrumenten und Waffen, bestrichen mit dem Wasser der Weisen, weshalb sie bis zum Tag der Auferstehung vor Rost geschützt seien. Ebenso befinde sich in der Pyramide Glaswerk, dass man biegen könne, ohne dass es zerbricht, sowie allerlei künstliche Arzneien. In der zweiten Pyramide fänden sich die Sagen der Priester auf Tafeln geschrieben, jeder Priester habe eine Tafel in der Hand, auf der seine Wunderwerke beschrieben seien. An den Wänden fänden sich Statuen wie Götzen, die allerlei Handarbeit verrichten und über jede Pyramide sei ein Schatzkämmerer und ein Wächter gesetzt, die sie bis auf ewige Zeiten bewachen.
Es folgen Dichterverse über die Pyramiden:
"Betrachte die Pyramiden und lasse dich von ihnen belehren über die Täuschungen der Zeit. Könnten sie sprechen, sie würden sagen, wie die Zeit mit den Früheren und den Späteren verfahren."[3]
"Kein Gebäude unter dem Himmel gleicht an Festigkeit den Pyramiden Ägyptens, sie flößen der Zeit Ehrfurcht ein, während sonst alles auf der Welt vor der Zeit sich fürchtet."[3]
"O ihr, die ihr das Vergängliche zur Stütze wählet, wo sind die Erbauer der Pyramiden? Noch lebt ihr Werk lebendig fort, während sie schon selbst zu Nichts geworden."[3]
Siehe auch
Einzelnachweise
- Gustav Weil: Tausend und eine Nacht - Arabische Erzählungen, Karl Müller Verlag, Erlangen 1984 (Erstausgabe: 1839), Band 4, S. 70f.
- Enno Littmann: Die Erzählungen aus den tausendundein Nächten, Karl Insel Verlag, Frankfurt 1968, Band 3, S. 518–520.
- Gustav Weil: Tausend und eine Nacht - Arabische Erzählungen, Karl Müller Verlag, Erlangen 1984 (Erstausgabe: 1839), Band 4, S. 71.