Fritz Klingholz
Friedrich Klingholz, bekannter als Fritz Klingholz (* 21. Oktober 1861 in Barmen (heute Stadtteil von Wuppertal); † 23. Januar 1921 in Berlin[1]), war ein deutscher Architekt, Baubeamter und Hochschullehrer, der sich auf die Errichtung von Bahnhofs-Empfangsgebäuden spezialisierte.

Familie und soziales Umfeld
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Fritz Klingholz entstammte einer Kaufmannsfamilie, die seit dem 16. Jahrhundert in Rittershausen am Klingholzberg ansässig war. Seine Eltern waren der Kaufmann Friedrich August Klingholz und Emilie, geb. Beckhoff.[2]
Fritz Klingholz heiratete im April 1911 Anna Melitta Noak, Tochter eines Berliner Möbelfabrikanten. Der einzige Sohn – er trug ebenfalls den Namen Friedrich – wurde im März 1913 geboren. Die Familie wohnte in einer von ihm entworfenen Villa in Charlottenburg in der Lyckalle 6. Karl Cornelius (1868–1938), Partner von Fritz Klingholz in vielen Projekten, war dort sein Nachbar.[3]
Zu seinem Freundeskreis in Berlin gehörten zahlreiche Künstler, darunter Georg Kolbe, August Gaul, Franz Iffland, Heinrich Zille und die Illustratorin Gertrude Korth. Er war Mitglied in der Akademischen Vereinigung Motiv Berlin.[4]
Werdegang
Ausbildung
Fritz Klingholz besuchte die Oberrealschule in Barmen, nach einem Umzug der Familie nach Bonn dort und legte 1879 das Abitur an der Realschule erster Ordnung in Köln ab.[5] Anschließend absolvierte er als „Baueleve“ ein einjähriges Praktikum, bevor er von 1880 bis 1882 an der Technischen Hochschule Stuttgart und 1882 bis 1884 an der Technischen Hochschule Charlottenburg studierte und das erste Staatsexamen ablegte. Nach dem Militärdienst in einem bayerischen Feldartillerie-Regiment trat er 1886 in den preußischen Staatsdienst und schloss seine Ausbildung 1885/1886 als Regierungsbauführer ab. Anschließend war er zunächst mit der Neugestaltung von Bahnanlagen in Düsseldorf befasst. Im Mai 1889 stürzte er dort von einem Baugerüst und zertrümmerte sich das rechte Ellenbogengelenk, das dauerhaft versteifte. 1891 ging Klingholz nach Berlin zurück und legte im folgenden Jahr das zweite Staatsexamen als Baumeister mit Auszeichnung ab. Anschließend begab er sich auf eine mehrmonatige Studienreise in die Toskana.[6]
Berufliche Tätigkeit





Ab 1893 war er als Regierungsbaumeister (Assessor) im bautechnischen Büro des preußischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten mit Entwürfen für Eisenbahnhochbauten befasst. Von November 1893 bis Juni 1895 war er von dort in den Reichsdienst und als stellvertretender Baudirektor zur Verwaltung von Deutsch-Ostafrika abgeordnet.[7] Zu seinen Aufgaben gehörte die Sanierung der Altstadt von Daressalam durch eine Entwässerung und zahlreiche Kleinfestungen („Stationen“) für die Deutsche Schutztruppe.[8] Die Gelegenheit nutzte er für einen anschließenden halbjährigen Studienaufenthalt Ostindien.[9]
1902 erhielt er den Titel „Königlicher Landbauinspektor“.[10] 1904 wurde er Hochbaudezernent der Eisenbahndirektion Mainz, wo er von Anfang an die Arbeiten für den neuen Wiesbadener Hauptbahnhof betreute. Das setzte er auch fort, als er 1905 als Professor an die Technische Hochschule Aachen wechselte, wo er im Fach „Baukunst“ unterrichtete. 1908 wechselte er an die Technische Hochschule Hannover, wo er mit Skizzieren und Entwerfen, Ornamentik und architektonischen Aufgaben des Städtebaues betraut war. 1911 an die Technische Hochschule Charlottenburg berufen, war er dort für die Formenlehre der Renaissance zuständig.[11] 1914 erhielt er den Titel „Geheimer Regierungsrat“. Trotz seines unbeweglichen Ellbogengelenks meldete er sich freiwillig zum Feldeinsatz. Er leistete ab 1915 im Ersten Weltkrieg Felddienst, wurde dann aber 1917 aus gesundheitlichen Gründen als Oberleutnant vorzeitig entlassen.[12]
Bei seinen Eisenbahnbauten arbeitete er in der Regel mit anderen Architekten zusammen. Neben Eisenbahnbauten errichtete er auch Villen für private Auftraggeber. An zahlreichen Wettbewerben nahm er Teil.[13]
Werk (Auswahl)
Empfangsgebäude
- Erweiterung des Stettiner Bahnhofs (1895)[14], 1962 abgerissen
- Bahnhof Ebersstraße der Berliner Ringbahn, heute: S-Bahnhof Schöneberg (1896/97)[15]
- Bahnhof Bad Kreuznach[16] (1902), im Zweiten Weltkrieg überwiegend zerstört
- Wiesbaden Hauptbahnhof (1904–1906)[17]
- Hauptbahnhof Lübeck (Inbetriebnahme 1908) für die Lübeck-Büchener Eisenbahn und deren gegenüberliegendes Verwaltungsgebäude (1907, fertiggestellt 1909)[18]
- Bahnhof Lübeck-Travemünde Strand für die Lübeck-Büchener Eisenbahn (1912)[19]
- Bahnhof Lübeck-Travemünde Stadt (1916, heute: Lübeck-Travemünde Hafen) für die Lübeck-Büchener Eisenbahn[20]
- Fürstenpavillon für den Bahnhof Kadinen[21] an der Bahnstrecke Elbląg–Braniewo, an der eine Sommerresidenz von Kaiser Wilhelm II. lag.
Entwürfe, Vorplanungen und Wettbewerbe
- Völkerschlachtdenkmal, Leipzig (1896)[22]
- Bahnhof Pulitzstraße (1892), heute: S-Bahnhof Westhafen[23]
- Bahnhof Sadowa, heute: Bahnhof Berlin Wuhlheide (1892)[24]
- Bahnhof Grunewald (1892)[25]
- Bahnhof Erkner (1892)[26]
- Worms Hauptbahnhof (1897)[27]
- Bahnhof Danzig (1900, Vorentwurf)[28]
- Essen Hauptbahnhof (1900–1902)[29], im Zweiten Weltkrieg zerstört
- Hamburg Hauptbahnhof (1901 – angekauft)[30]
- Hauptbahnhof Koblenz (1899–1902)[31]
- Bahnhof Metz (1902 – 2. Preis)[32]
- Stralsund Hauptbahnhof (1903)[33]
- Leipzig Hauptbahnhof (1907 – 2. Preis)[34]
- Darmstadt Hauptbahnhof (1907). Klingholz beteiligte sich hier mit zwei Entwürfen.[35] Der mit 5000 Mark dotierte erste Preis wurde nicht vergeben. Stattdessen erhielten je 4000 Mark Klingholz für seinen Entwurf „Utz“ und Friedrich Pützer,[36] der für die Bauausführung mit der Überarbeitung seiner Planung unter Zugrundelegung des Klingholzschen Entwurfs beauftragt wurde.[37]
Villen und weitere Bauten
- Villa Hertwig, Landhaus in Aachen, Preusweg 99 (1907)[38]
- Villa Klingholz, Berlin-Charlottenburg, Lyckalle 6 (1911/12)[39]
- Villa Sirius in Baden-Baden, Kaiser-Wilhelm-Straße 15, für Dr. Frennery[40]
- Villa Schlehdorf am Kochelsee, Raut 30[41]
- Zugeschrieben wird ihm im Nachruf auch das Ministerialgebäude mit Ministerwohnung in Rudolstadt[42] (heute: Landratsamt). Allerdings stammt das wohl von Adolf Hartung.[43]
Ehrungen
1920 wurde er zum Ehrendoktor der RWTH Aachen ernannt. Die Auszeichnung erhielt er in Anerkennung seiner Leistungen beim Eisenbahnhochbau und für sein Wirken in den Hochschulen.[44]
Seit Dezember 2007 trägt die Straße, die an der Westseite des Wiesbadener Hauptbahnhofs entlang führt, die Bezeichnung „Klingholzstraße“.[45]
Literatur
Werke
- Ministerium der öffentlichen Arbeiten (Hg.): Grundsätze und Grundrissmuster für die Aufstellung von Entwürfen zu Stationsgebäuden. Berlin 1901.
- Hochbau-Entwürfe von Studierenden der Königlichen Technischen Hochschule zu Aachen angefertigt unter der Leitung von Professor Fritz Klingholz. Wasmuth, Berlin 1908.
Sekundärliteratur
- Friedrich Klingholz [Enkel]: Fritz Klingholz – ein deutscher Bahnhofsarchitekt an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. In: Jahrbuch für Eisenbahngeschichte 43 (2011/2012), S. 99–108.
- Robert Malcher: Die Bahnhofsbauten von Fritz Klingholz. Diplomarbeit im Fach Architektur an der Technischen Universität Berlin. Berlin 2006.
- Bruno Schulz: Fritz Klingholz †. In: Deutsche Bauzeitung (1921), S. 290–291.
- Paul Trommsdorff: Der Lehrkörper der Technischen Hochschule Hannover 1831–1931. Hannover 1931, S. 98.
Weblinks
- Fritz Klingholz auf structurae; abgerufen am 29. Februar 2024.
- Prof. Dr. h.c. Fritz Klingholz. Architekt auf: archINFORM; abgerufen am 29. Februar 2024.
- Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen; abgerufen am 29. Februar 2024.
- Zeichnungen und Entwürfe von Fritz Klingholz im Architekturmuseum der TU Berlin; abgerufen am 29. Februar 2024.
Anmerkungen
Einzelnachweise
- Schulz, S. 290.
- Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks).
- Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks).
- Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks).
- Malcher, S. 7.
- Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks); Malcher, S. 7; Schulze, S. 290.
- Schulz, S. 290.
- Schulz, S. 291.
- Schulz, S. 290.
- Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks).
- Malcher, S. 8; Klingholz, Friedrich, in: Catalogus Professorum TU Berlin. TU Berlin, abgerufen am 31. Dezember 2022.
- Schulz, S. 291.
- Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks).
- Malcher, S. 9, 27–35; Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks).
- Malcher, S. 12, 60–62.
- Malcher, S. 9, 12, 99–106; Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks).
- Malcher, S. 9, 74–98.
- Malcher, S. 9, 13, 107–133 – Fritz Klingholz. In: Hansestadt Lübeck (Hg.): Bau- und Architekturgeschichte, Stadtentwicklung in Lübeck; abgerufen am 29. Februar 2024.
- Malcher, S. 10, 13, 134–147; Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks) – Fritz Klingholz. In: Hansestadt Lübeck (Hg.): Bau- und Architekturgeschichte, Stadtentwicklung in Lübeck; abgerufen am 29. Februar 2024.
- Malcher, S. 10.
- Malcher, S. 10.
- Malcher, S. 10; Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks).
- Malcher, S. 11, 63–65.
- Malcher, S. 11, 70–72.
- Malcher, S. 11, 66f.
- Malcher, S. 11, 67–69.
- Malcher, S. 12, 36–40.
- Malcher, S. 10.
- Malcher, S. 10, 16–22; in Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks) wird ihm der Bahnhof zugeschrieben.
- Malcher, S. 9, 12, 41–45; Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks).
- Malcher, S. 12, 23–26.
- Malcher, S. 9, 12, 46–50; Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks).
- Malcher, S. 10.
- Malcher, S. 9, 13, 51–55; Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks).
- Malcher, S. 13, 56–59.
- Zentralblatt der Bauverwaltung, 12. Februar 1908, S. 86.
- Zentralblatt der Bauverwaltung, 7. Februar 1914, S. 88.
- Malcher, S. 13.
- Malcher, S. 13.
- Malcher, S. 10.
- Malcher, S. 9f., 12.
- Schulz, S. 291.
- NN: Adolf Hartung †. In: Zentralblatt der Bauverwaltung Nr. 28 vom 6. April 1910, S. 196; Landkreis Saalfeld-Rudolstadt: Das Schwarzburgische Ministerialgebäude zu Rudolstadt = Sonderausgabe der Rudolstädter Heimathefte anlässlich des 95. Jubiläums des Baubeginns. Rudolstadt 1995. Ohne ISBN.
- Malcher, S. 8.
- Prof. Dr. Friedrich (Fritz) Klingholz auf Wuppertal Barmen (Weblinks).