Giuliani Hönger

Giuliani Hönger Architekten ist ein Schweizer Architekturbüro, das 1991 von Lorenzo Giuliani und Christian Hönger in Zürich gegründet wurde.

Giuliani Hönger Architekten
Rechtsform
Gründung 1991
Sitz Zürich
Leitung Lorenzo Giuliani, Christian Hönger
Mitarbeiterzahl ca. 30
Branche Architektur
Website www.giulianihoenger.ch

Geschichte

Lorenzo Giuliani (* 1962) und Christian Hönger (* 1959) haben beide an der Architekturabteilung der ETH Zürich diplomiert. Während einer gemeinsamen Assistenz an der ETH Zürich am Lehrstuhl von Professor Ernst Studer[1] haben sie 1991 Giuliani Hönger Architekten GHA gegründet. Nach weiteren Assistenzen an der Architekturabteilung der ETH Zürich waren beide über mehrere Jahre auch als Professoren an den Fachhochschulen ZHAW (Lorenzo Giuliani) und FHNW, HSLU (Christian Hönger) tätig. Von 2013 bis 2015 hatten Lorenzo Giuliani und Christian Hönger gemeinsam eine Gastprofessur an der EPF Lausanne bei der «Orientation: Concrete Architecture»[2] inne. Seit Mitte der 90er Jahre bis heute haben sie vor allem durch öffentliche oder eingeladene Wettbewerbe einen grossen Teil ihrer Aufträge erworben. Ihr Werk umfasst ein breites Spektrum an Aufgaben mit verschiedenen öffentlichen und privaten Nutzungen in sehr unterschiedlichen Massstäben. Sie sind Mitglieder des SIA und seit 2000 des BSA. Seit 2000 ist GHA eine Aktiengesellschaft und seit 2015 wurden fünf weitere Partner ins Büro integriert.

Profil

Die ersten Bauten von GHA wurden 1997 von Christoph Bürkle als «Verfremdete Typologien»[3] bezeichnet. Im Kontext der Ausstellung «giuliani.hönger, dreidimensional»[4] 2006 an der ETH Zürich sprach Jacques Lucan in Bezug auf die besondere Raumkonzeption der Fachhochschule Sihlhof von «textured spatiality».[5] GHA selbst haben in ihrer langjährigen Lehre und Praxis in Anlehnung an die Betrachtungsweise «Topologie, Typologie, Tektonik»[6] von Kenneth Frampton über den einzelnen Entwurf hinweg zwischen obiger Trias die beiden Brückenthemen «Mehrdeutige Typologien» und «Starke Räume»[7] bestimmt und entwickelt. Diese Themen wurden auch unter dem Motto «Architecture comes from the Making of a Room”[8] von Louis I. Kahn über vier Semester an der EPFL in Englisch unterrichtet. Dabei standen mit «Powerful Spaces» der Innenraum und mit «Urban Constellation» alternierend der städtische Raum im Fokus.

Bei beiden steht der Kippeffekt zwischen Masse und Leere und deren Gleichwertigkeit im Vordergrund. Ein prägendes Entwurfsinstrument in ihrem Werk bildet der Schnitt als Darstellungsmittel[9] in allen Phasen und Massstäben, welcher an der Ausstellung «Schnittwerk»[10] 2010 in Berlin im Rahmen der Reihe «Baukunst im Dialog» exemplarisch erlebbar wurde. Der bürointerne Diskurs mit «Brainstormings» und interdisziplinären Kooperationen mit Fachplanern strebt an, die Themen Städtebau, Architektur, Tragwerk, Gebäudetechnik und Nachhaltigkeit von Beginn an in thematischen Entwürfen symphonisch zu vereinen. Da das Tragwerk explizit raumbildend sein kann, wurde mit Massimo Laffranchi[11] auch in der Lehre an der EPFL ein Bauingenieur im Entwurfsunterricht integriert.

Bauten (Auswahl)

  • 1993–1996: Wohnhaus Kupper, Erlenbach
  • 1994–1997: Höhere Fachschule für Tourismus Academia Engiadina, Samedan
  • 1999–2000: Ferienhaus Gehring, Quinten
  • 2000–2004: Wohnhäuser Kappenbühl, Zürich
  • 2001–2005: Oberstufenzentrum Blatten, Männedorf
  • 2002–2005: Sporthalle Grafstal, Lindau
  • 2003–2013: Fachhochschulzentrum FHS, St. Gallen
  • 2004–2010: Hörsaalgebäude Weichenbauhalle vonRoll-Areal, Bern
  • 2005–2011: Bürohaus Wüst und Wüst, Küsnacht
  • 2006–2011: Wohnhäuser Zentralstrasse, Dietikon
  • 2008–2014: Innovationszentrum Hilti, Schaan
  • 2009–2018: Bahnhof und Bahnhofplatz, St. Gallen
  • 2010–2018: Tramhaltestelle Eigerplatz, Bern
  • 2012–2017: Wohn- und Gewerbehaus Schlotterbeck, Zürich
  • 2013–2038: Universitätsspital Klinikum 2 Basel
  • 2014–2019: Wohn- und Gewerbehäuser Zwicky-Areal, Wallisellen
  • 2015–2016: Vorplatz und Gartenpavillons Hilti, Schaan
  • 2017–2021: Fa. Hilti, Schaan
  • 2018–2026: Pilatus Arena und Wohntürme Kriens
  • 2019–2021: Wohnhaus Surber Burri, Regensberg
  • 2019–2035: Erweiterung Bahnhof Stadelhofen Zürich
  • 2020–2028: Universitätsspital Intensivpflegestation OP Ost Basel
  • 2021–2025: Fussgänger- und Fahrradbrücke Steigerhubel Bern

Auszeichnungen

  • 1996 Haus Müller Unterägeri: Auszeichnung guter Bauten Kanton Zug
  • Fachhochschule Sihlhof Zürich
    • 2002–2005 Auszeichnung guter Bauten der Stadt Zürich
    • 2006 Auszeichnung guter Bauten im Kanton Zürich, Anerkennung
    • 2007 contractworld award 2007, 3. Preis in sonstige Bauten
  • 2010 Lager- und Bürogebäude Alpha I: Kölner Architekturpreis, Anerkennung
  • Hörsaalgebäude vonRoll-Areal Bern
    • 2011 Prix Acier, Anerkennung
    • 2011 Die Besten 2011, Anerkennung
    • 2011 SIA Umsicht, 1. Preis
    • 2012 Atu-Prix, Auszeichnung
    • 2012 Prix Lignum, 2. Rang Region Mitte
  • Fachhochschulzentrum FHS St. Gallen
    • 2013 Prixforix, 2. Preis
    • 2014 Der deutsche Lichtdesign-Preis, Sieger Kategorie Bildung
  • Innovationszentrum Hilti Schaan
  • 2016 Bürohaus Wüst und Wüst Küsnacht: Award 2016 für Marketing + Architektur, 1. Preis Büro- und Geschäftshäuser
  • Wohn- und Gewerbehaus Schlotterbeck Zürich
    • 2016–2020 Auszeichnung für gute Bauten der Stadt Zürich
    • 2019 Building Award Hochbau
  • 2018 Hilti Hauptverwaltungsgebäude Schaan: Prixforix, 2. Preis
  • Flux Goldener Verkehrsknoten
    • 2018 Prix Acier, Anerkennung Ankunftshalle
    • 2019 Schweizerischer Mobilitätspreis

Best Architects Award

  • 2009 Fachhochschule Sihlhof Zürich
  • 2011 Hörsaalgebäude vonRoll-Areal Bern
  • 2014 Gold: Fachhochschulzentrum FHS St. Gallen
  • 2016 Innovationszentrum Hilti Schaan
  • 2016 Gold: Bürohaus Wüst und Wüst Küsnacht
  • 2017 Wohn- und Gewerbehaus Limmatfeld Dietikon
  • 2017 Casa Giuliani St. Moritz
  • 2018 Gartenpavillons Hilti Schaan
  • 2019 Musikhaus vonRoll-Areal Bern
  • 2020 Bahnhof und Bahnhofplatz St. Gallen
  • 2020 Wohn- und Gewerbehäuser Zwicky-Areal Wallisellen
  • 2021 Gold: Bürohaus Office Mitte Hilti Schaan: Best Architects 21 Gold
  • 2023 In Kategorie „residential single-family“: Wohnhaus Surber Burri Regensberg[12]

Publikationen

  • Hilti Innovationszentrum: Pierluigi D'Acunto, Patrick Ole Ohlbrock, Roland Pawlitschko: Conceptual Design of Structures, Connecting Engineering and Architecture, Birkhäuser Verlag, Basel 2024
  • Fachhochschulzentrum Graubünden: Carla Ferrer, Thomas Hildebrand Celina Martinez-Cañavate: Touch Wood, Material Architektur Zukunft, Lars Müller Publishers, Zürich 2022
  • Fachhochschulzentrum St.Gallen: Maria Nänny, Kunst + Bau, Der Neubau der FHS St.Gallen und die Kunst, Zürich: Park Books 2020
  • Bahnhof und Bahnhofplatz Gallen: Roderick Hönig, Urbane Drehscheibe, Zürich: Hochparterre Themenheft August 2019
  • Monographie: Starke Räume und Powerful Spaces EPFL 2013-2015, Studio Bd. 1, Quart Verlag Luzern 2016 Deutsch und Englisch
  • Monographie: Giuliani Hönger, Schnittwerk – Ausstellung von giuliani.hönger Architekten, Zürich: ETH und gta Zürich 2010
  • Monografie: giuliani.hönger, dreidimensional, Zürich: ETH und gta Zürich 2006
  • Fachhochschule Sihlhof: Roderick Hönig, Fachhochschule Sihlhof – Architektur des neuen Selbstbewusstseins, Beilage zu Fachhochschule Sihlhof, Zürich: Hochparterre Nr. 6–7, 2003
  • Fachhochschule Sihlhof: Patric Allemann, Lorenzo Giuliani, Christian Hönger, «Hochschule Sihlhof Zürich Giuliani Hönger», in: Andrea Deplazes (Hg.), Architektur konstruieren – Vom Rohmaterial zum Bauwerk, Ein Handbuch, Basel: Birkhäuser – Verlag für Architektur, 2005, S. 356–366

Ausstellungen

  • Fachhochschulzentrum Graubünden Chur, TOUCH WOOD, ZAZ Bellerive 2022, 09.06. - 30.10.2022 TOUCH WOOD im Zentrum Architektur Zürich ZAZ Bellerive
  • Polysem: Swiss Art Awards 2022, Polysem Giuliani Hönger Schwartz, 13. – 19.06.2022 Messe Basel Halle 1.1
  • Wohn- und Gewerbehaus Schlotterbeck: Gute Bauten der Stadt Zürich 2016–2020, 21.09. – 30.10.2021 Architekturforum Zürich im Zollhaus
  • Musikhaus Kraftzentrale vonRoll-Areal: Le Concours Suisse 2021, Ausstellung zum Thema Schweizer Architekturwettbewerbe «Musikhaus Kraftzentrale vonRoll-Areal», 14. – 28. April 2021 Pavillon Sicli Genf, 17.07. – 15.10.2021 UIA 2021 RIO | 27º Congresso Mundial de Arquitetos
  • Wohn- und Gewerbehaus Limmatfeld Dietikon: Venedig Architektur Biennale 2018, pro helvetia und Alessandro Bosshard, Li Tavor, Matthew van der Ploeg, Ani Vihervaara (Veranstalter), Svizzera 240: House Tour, Schweizer Pavillon Venedig, 26.05. – 25.11.2018
  • Giuliani Hönger: ETH Zürich und Baukunst im Dialog 2010, Schnittwerk – Ausstellung von giuliani.hönger Architekten. Die schweizerische-deutsche Veranstaltungsreihe, Philippe Carrard (Veranstalter), Architekturforum Aedes am Pfefferberg Berlin, 22.01. – 04.03.2010
  • Giuliani Hönger: ETH und Institut gta Zürich 2006: giuliani.hönger, dreidimensional, Philippe Carrard, Marie-Anne Lerjen, (Veranstalter), ARchEna, HIL ETH Zürich Hönggerberg, 08.06. – 27.07.2006
  • Tourismusfachschule Samedan: Centre Culturel Suisse 2001, Giuliani & Hönger, College de Tourism Samedan 1994–1997
  • Fachhochschule Sihlhof: Pro Helvetia, ITHA (Institut de Théorie et D’Historie de L’architecture ITHA EPFL, Jacques Lucan, Bruno Marchand (Veranstalter), in: Matière d’Art – Architecture contemporaine en Suisse Paris, 05.05. – 01.07.2001
  • Haus Müller: Deutsches Architektur-Museum Frankfurt 1998, Anna Meseure, Martin Tschanz, Wilfried Wang (Veranstalter), in: Architektur im 20. Jahrhundert, 26.09. – 29.11.1998

Einzelnachweise

  1. Die Kollegiumskirche St. Martin in Sarnen ist wohl das bedeutendste Werk des Büros Studer Studer Naef und kann als «Starker Raum» bezeichnet werden. Siehe dazu:
    * Lukas Zurfluh: Raum, Körper und Licht. Die Kirche St.Martin des Benediktinerkollegiums Sarnen, Cronos Verlag Zürich 2016.
    * Natalie Rast: Kollegiumskirche St. Martin. In: architekturbibliothek.ch. 2017, abgerufen am 7. März 2024.
    * Von der Form zur Funktion gekommen. In: nzz.ch. 12. März 2001, abgerufen am 7. März 2024.
  2. Heute mit anderem Namen: Concrete Behaviour and Structural Design Laboratory. In: epfl.ch. Abgerufen am 7. März 2024 (englisch).
  3. Christoph J. Bürkle, «Verfremdete Typologien – Zur Architektur von Lorenzo Giuliani und Christian Hönger», in: NZZ 07.02.1997, Planen, Bauen, Wohnen, S. 68
  4. Ausstellung giuliani.hönger. dreidimensional. In: gta.arch.ethz.ch. 2006, abgerufen am 7. März 2024.
  5. Jacques Lucan, «Hypothèse pour une spatialité texturée», in: matières numéro 9 – l’espace architectural, hg. von Faculté Environnement naturel, architectural et construit ENAC, Institute d’architecture et de la ville IA und Laboratoire de théorie et d’histoire LTH 2008, S. 6–17
  6. Kenneth Frampton, Grundlagen der Architektur, Studien zur Kultur des Tektonischen
  7. Siehe dazu: Profil. In: giulianihoenger.ch. Abgerufen am 7. März 2024.
  8. Louis I. Kahn: Architecture Comes from the Making of a Room. (Zeichnung) In: arthistory.upenn.edu. 2017, abgerufen am 7. März 2024 (englisch).
  9. La sezione come strumento di progettazione, in: archi 02 (2017), Progettare in sezione, Im Schnitt planen, S. 33–37
  10. Schnittwerk. Guiliani Hönger Architekten, Zürich. In: aedes-arc.de. 2010, abgerufen am 7. März 2024.
  11. Website. Fürst Laffranchi Bauingenieure GmbH, abgerufen am 7. März 2024.
  12. winners «best architects 23» award (PDF, 58,6 KB)
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