Pogesanien

Pogesanien (polnisch Pogezania) ist das Gebiet eines der zwölf prußischen Stämme. Der Name kann als prußisch *pa-gudian gedeutet werden, was wörtlich „hinter dem Strauchwerk“ bedeutet und damit eine mit Buschwald bestandene Region beschreibt. Die bedeutendste Stadt ist Elbląg (Elbing).

Altpreußische Landschaften und Stämme

Der größte Teil Pogesaniens, mit den Städten Młynary (Mühlhausen), Morąg (Mohrungen), Pasłęk (Preußisch Holland) und Miłakowo (Liebstadt) – aber ohne den nördlichsten Teil, der die Städte Elbląg (Elbing) und Tolkmicko (Tolkemit) umfasst, sowie ohne Land Gudikus mit der Städte Braunsberg und Heilsberg, die dem Fürstbistum Ermland angegliedert wurde – wird auch Hockerland (polnisch Hockerlandia) genannt.

Kulturregion und Dialektgebiet Hockerland

Oberländisches Bauernhaus in Kahlau

Der Sage nach war Hoggo der zehnte Sohn des Königs Widowuto und erhielt das Land „zwischen Weseke, Bassaro, Drusino (Drausen)“. Nach ihm oder nach seiner Tochter Poggezana soll es „Hoggerland“ (Hockerland) benannt worden sein. Hoggo baute sich eine Feste Schafsberg. Ein Pruße namens Hoggo ist urkundlich nicht belegt. Der Name erscheint erstmals 1287 in Ordensurkunden als Pogusania, so wie ihn die Ritter wohl von ihren polnischen Verbündeten gehört hatten. Später wird die Region terra Pagudinensis genannt. Pogesanien wurde von Braunsberg aus erobert, 1241 wurde Heilsberg angelegt, aber später wurden diese Städte als Teil der Land Gudikus an das Fürstbistum Ermland angegliedert. Im 15. und 16. Jahrhundert ist der Name Hoggerland oder Hockerland für einen Teil Pogesaniens gebräuchlich. Nach Frischbier (siehe Literatur) bezeichnet er die "Höhe", im Gegensatz zur Niederung (Unteres Weichesltal). Das Gebiet umfasste die Landkreise Preußisch Holland und Mohrungen. Das Hockerland bildete im historischen Preußen eine eigene Kulturlandschaft, die sich durch ihren Dialekt, ihre evangelische Konfession und ihre Geschichte von den Nachbargebieten (Ermland, Masuren und Unteres Weichseltal) unterschied. Ottfried Graf von Finckenstein bezeichnete es als „die blonde Schwester Masurens“. Zu den beiden landschaftlichen Besonderheiten gehörten der hölzerne Kratzenstock (hölzerner Teil eines Spinnrades), Grabpfosten (verzierte Stele) und keramische Paartöpfe mit einem gemeinsamen Tragegriff. Das südlich der Benrather Linie gelegene Hockerland bildete auch ein Dialektgebiet, das im 13. und 14. Jahrhundert von mitteldeutsch sprechenden Siedlern aus Thüringen und Obersachsen besiedelt wurde. Die Ortsnamen Mohrungen, Liebstadt und Mühlhausen erinnern an die Herkunftsgebiete der Siedler (Morungen, Liebstadt, Mühlhausen). Viele Ortsgründungen gingen auf den Komtur von Christburg Sieghard von Schwarzburg zurück, der ebenfalls aus Thüringen stammte. Durch das vom Deutschen Orden weitgehend unabhängig agierende Fürstbistum Ermland und später durch den konfessionellen Gegensatz zum Ermland bildete der Fluss Passarge über 500 Jahre die stabile Grenze zwischen dem Ermland und dem Hockerland, so dass sich zum Beispiel keine grenzüberschreitenden Heiratskreise entwickeln konnten. Somit entwickelte sich der Oberländische Dialekt, der sich vom Dialekt der Ermländer, welcher sich aus dem Schlesischen entwickelte, unterschied. Da sowohl das Oberländische wie das Ermländische (genauer: Breslausche) mitteldeutsche Dialekte sind, werden sie unter dem Begriff Hochpreußisch zusammengefasst. Nach den Vertreibungen 1945 sind der Dialekt und das evangelische Bekenntnis weggefallen, so dass eine Unterscheidung zu den Nachbarlandschaften kaum noch möglich ist.[1]

Literatur

Verweise

Wiktionary: Pogesanien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  1. Kulturzentrum Ostpreußen (Hrsg.): Oberland – eine verschwundene Landschaft. Eigenverlag, Ellingen 2021.
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