Kreisspiegelung
Die Spiegelung am Kreis oder Kreisspiegelung ist eine Abbildung der ebenen Geometrie, die das Innere und das Äußere eines gegebenen Kreises miteinander vertauscht.
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Die Abbildung ist winkeltreu und zählt zu den speziellen konformen Transformationen.
Eine Kreisspiegelung ist der ebene Fall einer geometrischen Inversion. Eine Inversion im Raum ist die Spiegelung an einer Kugel, kurz Kugelspiegelung, mit ähnlichen Eigenschaften wie die der Kreisspiegelung.
Definition

Für die Kreisspiegelung an einem Kreis mit Mittelpunkt und Radius ist der Bildpunkt (siehe Bild) eines Punktes dadurch festgelegt, dass auf einer Strecke bzw. auf einer Halbgeraden liegen und die Bedingung
erfüllen muss.[1] Dabei darf der ursprüngliche Punkt nicht mit dem Mittelpunkt übereinstimmen. Gelegentlich umgeht man dieses Problem, indem man einen neuen Punkt zur Ebene hinzufügt und diesen als Bildpunkt von definiert. Der Bildpunkt dieses neuen Punktes ist der Mittelpunkt des Inversionskreises. Dieser wird auch Inversionszentrum und der Radius Inversionsradius genannt, was auch im Folgenden geschieht.[2]
Analytische Beschreibung
Ist in der xy-Ebene das Inversionszentrum bei , so lautet der Bildpunkt des Punktes mit Koordinaten :
In ebenen Polarkoordinaten besitzt eine Kreisspiegelung eine besonders einfache Darstellung:
- .
Die Spiegelung am Einheitskreis ist dann
und rechtfertigt die Bezeichnung Inversion.
In der Funktionentheorie behandelt man die Inversionen und die von ihnen erzeugten Kreisverwandtschaften am besten in der komplexen („Gaußschen“) Zahlenebene. Eine Inversion am Einheitskreis wird dabei durch die Abbildung beschrieben.[3] Darin bezeichnet eine komplexe Zahl und die zugehörige konjugiert komplexe Zahl.
Eigenschaften
- Die Abbildung vertauscht Inneres und Äußeres des Inversionskreises, die Punkte auf seinem Umfang sind Fixpunkte.
- Wendet man die Inversion zweimal an, so erhält man wieder die Ausgangssituation, die Inversion ist also eine Involution.
- Die Inversion ist eine konforme Abbildung, d. h., sie ist winkeltreu. Insbesondere werden Objekte, die einander berühren, auch wieder auf solche abgebildet.
- Die Inversion kehrt wie die Geradenspiegelung die Orientierung um.
- Im Gegensatz zur Punkt-, Achsen- oder Ebenenspiegelung die ist Inversion keine Kongruenzabbildung.
- Geraden, die nicht durch den Mittelpunkt des Inversionskreises verlaufen, werden auf Kreise abgebildet, die durch den Mittelpunkt gehen.
- Geraden, die durch den Mittelpunkt des Inversionskreises verlaufen, werden auf sich selbst abgebildet.
- Kreise, die durch den Mittelpunkt des Inversionskreises verlaufen, werden auf Geraden abgebildet, die nicht durch den Mittelpunkt gehen.
- Kreise, die nicht durch den Mittelpunkt des Inversionskreises verlaufen, werden wieder auf solche Kreise abgebildet. Allerdings wird der Mittelpunkt des ursprünglichen Kreises durch die Inversion nicht auf den Mittelpunkt des Bildkreises abgebildet.
- Kreise, die den Inversionskreis rechtwinklig schneiden, werden auf sich selbst abgebildet.
- Hat ein Punkt den doppelten (q-fachen) Abstand vom Inversionszentrum wie ein anderer Punkt, dann hat er nach der Spiegelung den halben (1/q-fachen) Abstand vom Inversionszentrum wie der andere Punkt.
Spezielle Abbildungen
In diesem Abschnitt werden die Abbildungen von Punkten, Kreisen und Geraden vorgestellt, und das jeweils in analytischer Beschreibung, Konstruktion mit Zirkel und Lineal und Konstruktion mit Zirkel allein. Bei letzteren Konstruktionen gilt nach Mascheroni:[4]
„Das einzige Zeichenhilfsmittel, welches in diesem Abschnitte gebraucht werden darf, ist der Zirkel; nur das Schlagen von Kreisbogen ist erlaubt; es darf in der Konstruktion nicht eine einzige gerade Linie gezeichnet werden.“
Die gelegentlich in den Abbildungen eingezeichneten gestrichelten bzw. gepunkteten Linien haben keine konstruktive Funktion; sie dienen dort lediglich der Verdeutlichung und dem Beweis.
Analytische Beschreibung
Liegt das Inversionszentrum bei und ist der Inversionsradius , dann liegt der Bildpunkt von wie in der #Definition bereits angegeben bei
In der komplexen („Gaußschen“) Zahlenebene hat die Spiegelung am Kreis um das Inversionszentrum mit Inversionsradius die Darstellung:[3]
In ihrer Polarform mit komplexem Argument schreibt sich das ähnlich wie in Polarkoordinaten oben:
Konstruktion mit Zirkel und Lineal

- Liegt P auf dem gegebenen Kreis, so ist P' gleich P.
- Falls der Punkt P außerhalb des Kreises liegt (Bild 1), zeichnet man mithilfe des Thaleskreises die beiden Kreistangenten durch P. Anschließend bringt man die Verbindungsstrecke der beiden Berührpunkte mit der Halbgeraden [MP zum Schnitt. Der Schnittpunkt ist der gesuchte Bildpunkt P′.[2]
- Liegt der Punkt P dagegen im Kreisinneren, so beginnt man mit der zur Halbgeraden [MP senkrechten Kreissehne durch P und konstruiert die beiden Kreistangenten in den Endpunkten dieser Sehne. P' ergibt sich dann als Schnittpunkt dieser Tangenten.
Der Beweis, dass man so den Bildpunkt erhält, folgt direkt aus dem Kathetensatz.
Eine etwas einfachere Konstruktion (grün im Bild) beginnt mit der zur Halbgeraden [MP senkrechten Kreissehne in M mit den Endpunkten C bzw. D, die somit Endpunkte eines Durchmessers des Inversionskreises sind. Die Verbindungsgerade eines dieser Punkte mit dem zu spiegelnden Punkt (hier PD oder P′C) schneidet den Inversionskreis in E und der Schnittpunkt der Verbindungsgerade von E mit dem anderen Endpunkt (EC bzw. ED) mit der Halbgeraden [MP ist der gesuchte Bildpunkt.
Konstruktion mit Zirkel allein

- Liegt der Punkt außerhalb des Inversionskreises (Bild 2), so zeichnet man um einen Kreis durch den Mittelpunkt des Inversionskreises. Dieser schneidet den Inversionskreis in zwei Punkten. Zeichne auch um diese Punkte Kreise durch den Mittelpunkt. Diese beiden Kreise schneiden sich nun im Bildpunkt .[5]
- Liegt auf dem Inversionskreis, so ist keine Konstruktion notwendig, es gilt
- Liegt innerhalb des Inversionskreises, kann z. B. mithilfe einer Einteilung der möglichen Lagen des Punktes in drei Bereiche (Bild 3–5), eine deutliche Vereinfachung des Konstruktionsaufwandes für zwei Bereiche erreicht werden. Hierfür stellt man sich, quasi gedanklich, eine Kreisfläche (hellgrau) vor, deren Radius gleich ist dem halben Radius des Inversionskreises. Für die eigentliche Konstruktion ist die Kreisfläche (hellgrau) nicht erforderlich. Die drei Bereiche der möglichen Lage des Punktes , meist gegeben als Abstand zum Mittelpunkt des Inverskreises, und die dafür möglichen Konstruktionsmethoden sind:
- Der Abstand des Punktes zu (Bild 3) ist größer als der halbe Radius des Inversionskreises, d. h.
- Zuerst wird um den Punkt ein Kreis mit Radius gezogen. Dieser schneidet den Inversionskreis in den Punkten und Die abschließenden Kreise um und mit den Radien bzw. liefern den Bildpunkt
- Der Abstand des Punktes zu (Bild 4) ist gleich dem halben Radius des Inversionskreises, d. h. Hierzu wird der Radius mit multipliziert um den Bildpunkt zu erhalten.[6]
- Zuerst wird um den Punkt ein Kreis mit Radius gezogen und anschließend, mittels dreimaligem Abtragen dieses Radius ab dem Punkt , sein Durchmesser bestimmt. Als Nächstes wird der letzte Kreis mit dem Radius um den Punkt gezogen. Abschließend bedarf es noch eines zweimaligen Abtragens dieses Radius, ab den soeben erzeugten Schnittpunkt um den Bildpunkt zu erhalten.



- Der Abstand des Punktes zu (Bild 5) ist kleiner als die Hälfte, aber größer als ein Achtel des Radius des Inversionskreises, d. h. Hierzu wird der Radius mit multipliziert um den Bildpunkt zu erhalten.[6]
- Im nebenstehenden Bild 5, veranschaulicht die kleine Kreisfläche (rosa) ein Achtel des Radius des Inversionskreises. Für die eigentliche Konstruktion ist die Kreisfläche (rosa) nicht erforderlich. Dies gilt ebenso für die eingezeichneten gepunkteten Linien; sie sollen lediglich einen Vergleich mit der Konstruktion Mit Zirkel und Lineal verdeutlichen.
- Zuerst wird um den Punkt ein Kreis mit Radius gezogen und anschließend, durch ein dreimaliges Abtragen dieses Radius, sein Durchmesser bestimmt. Es folgt ein Kreisbogen um mit Radius auf dem, analog zuvor, der Durchmesser erzeugt wird. Nun wird ein Kreisbogen um mit Radius gezogen, der den Inversionskreis in und schneidet. Je ein Kreisbogen um und mit den Radien bzw. schließen sich an und schneiden sich in Um wird ein Kreisbogen mit Radius gezogen auf dem, analog zuvor, der Durchmesser erzeugt wird. Als Nächstes wird der letzte Kreis mit dem Radius um den Punkt gezogen. Abschließend bedarf es noch eines dreimaligen Abtragens dieses Radius, ab dem Punkt um den Bildpunkt zu erhalten.
- Universelle Methode für Liegt innerhalb des Inversionskreises:
- Zunächst halbiert man den Radius des Inversionskreises so oft, bis man einen neuen Kreis erhält, der den Punkt nicht mehr enthält. (Dies ist mit Zirkel allein möglich.) Anschließend konstruiert man wie oben (Bild 2) den Bildpunkt von , wobei die Inversion am neuen Kreis durchgeführt wird. Zuletzt verdoppelt man den Abstand des Bildpunktes doppelt so oft wie man den Radius halbiert hat. (Auch dies ist mit Zirkel allein möglich.) Dieser Punkt ist der gesuchte Bildpunkt.
- Auf Grund der Komplexität dieses Verfahrens wird man die Konstruktion wohl kaum durchführen, sie bietet aber eine Möglichkeit den Satz von Mohr-Mascheroni zu beweisen, der besagt, dass man mit Zirkel allein alle Konstruktionen durchführen kann, die mit Zirkel und Lineal möglich sind.
Kreisspiegelung einer Geraden
Bei der Kreisspiegelung von Geraden sind zwei Fälle zu unterscheiden:
- Geraden, die durch das Inversionszentrum führen, werden auf sich selbst abgebildet.
- Andere Geraden werden auf Kreise abgebildet, die durch das Inversionszentrum führen und dort eine Tangente besitzen, die parallel zur Geraden ist. Der Mittelpunkt des Kreises liegt auf der Strecke vom Inversionszentrum zu dessen Fußpunkt auf der Geraden.
Analytische Beschreibung
Der Fußpunkt des Inversionszentrums M auf der Geraden wird auf den Endpunkt des Durchmessers des Spiegelbildes abgebildet, der durch M verläuft. Daher stehen Durchmesser d=|MD| des Kreises und Abstand L=|MD′| des Fußpunktes D′ vom Inversionszentrum auf der Geraden im Zusammenhang
und können auseinander abgeleitet werden (grün im Bild 6). Mit dem Durchmesser kann der Kreis und mit dem Fußpunkt die Gerade angegeben werden; sie ist senkrecht auf MC.
Konstruktion mit Zirkel und Lineal

Ist der Kreis gegeben und schneidet den Inversionskreis in zwei Punkten, so wie der grüne Kreis in den Punkten A und B im Bild 6, dann ist sein Spiegelbild die Gerade AB. Berührt der Kreis den Inversionskreis nur, so ist sein Spiegelbild die Tangente an den Inversionskreis in diesem Berührungspunkt (blassgelb). Wenn der Kreis keinen gemeinsamen Punkt mit dem Inversionskreis teilt, wie der blaue Kreis um N im Bild, dann wird, wie in #Kreisspiegelung eines Punktes beschrieben, das Spiegelbild des dem Inversionszentrum gegenüberliedenden Endes des Durchmessers D konstruiert. Im Bildpunkt D′ wird die zu MD senkrechte Gerade errichtet, die das Spiegelbild des Kreises ist.
Ist die Gerade gegeben und schneidet sie den Inversionskreis in zwei Punkten, wie die grüne in den Punkten A und B, dann ist das Spiegelbild der Umkreis des Dreiecks mit Ecken in diesen beiden Punkten und Inversionszentrum M (grüner Kreis um P). Sein Mittelpunkt kann daher mit der Mittelsenkrechten JP der Strecke MB konstruiert werden. Bei Berührung der Gerade mit dem Inversionskreis ist das Spiegelbild der Thaleskreis über der Strecke vom Berührungspunkt zu M (blassgelb.) Hat die Gerade keinen gemeinsamen Punkt mit dem Inversionskreis, wird zunächst der Fußpunkt des Inversionszentrums auf ihr konstruiert (D′ im Bild). Dieser wird am Inversionskreis gespiegelt und liefert mit dem Inversionszentrum zwei Endpunkte des Durchmessers des Spiegelbildes, das sodann konstruiert werden kann. Weil der Mittelpunkt des Bildkreises den halben Abstand zum Inversionszentrum hat, wie der Endpunkt des Durchmessers, kann der Mittelpunkt als Bild des Punktes ermittelt werden, der den doppelten Abstand vom Inversionszentrum hat, wie der Fußpunkt. Im Bild hat N′ den doppelten Abstand von M wie D′ und somit liefert die Kreisspiegelung von N′ direkt den Mittelpunkt N des Bildkreises.
Konstruktion mit Zirkel allein
- Aufgabe
(Siehe hierzu Bild 7) Geraden, die nicht durch den Mittelpunkt des Inversionskreises verlaufen, werden auf Kreise abgebildet, die durch den Mittelpunkt gehen (siehe #Kreisspiegelung einer Geraden).
Die (imaginäre)[7] Gerade (definiert durch die Punkte und ) ist am Inversionskreis zu spiegeln, um den Kreis zu erhalten.[8]

Die gestrichelte Gerade () und die gepunktete Linie haben keine konstruktive Funktion, sie dienen lediglich der Veranschaulichung.
;

Spiegelung einer Geraden in 15 Bildern
- Definieren der Geraden :
- Nach dem Einzeichnen des Inversionskreises um den Mittelpunkt , mit beliebigem Radius, wird der Kreisbogens um ebenfalls mit beliebigem Radius gezogen. Die anschließend auf mit beliebiger Position festgelegten Punkte und definieren die Gerade .
- Bestimmen des Punktes (Mitte der Strecke ):
- Die Punkte und werden bestimmt mittels Radius um und , dies ermöglicht eine Gerade durch und , sie steht senkrecht auf die Gerade ; Punkt entsteht mittels Radius um und Radius um ; die Punkte und werden bestimmt mittels Radius um und Radius um ; nach einem Kreisbogen mit Radius um und einem Kreisbogen mit gleicher Zirkelöffnung um ergibt sich der gesuchten Punkt .
- Der Mittelpunkt des Inversionskreises an der Geraden gespiegelt ergibt einen Punkt :
- Die Punkte und werden auf dem Inversionskreis mittels Radius um bestimmt; Punkt erhält man mittels Radius um und ; Punkt ergibt sich mittels Radius um und ; je ein Kreisbogen mit Radius um und liefert den gesuchten Punkt .
- Der Punkt am Inversionskreis gespiegelt ergibt einen Punkt (Kreisspiegelung eines Punktes):
- Die beiden Kreisbögen mit Radius um und liefern den gesuchten Punkt .
- Dieser Punkt am Inversionskreis gespiegelt ergibt den Mittelpunkt des Kreises als Spiegelbild der Geraden :
- Der gezogene Kreisbogens um mit Radius liefert die Punkte und auf dem Inversionskreis . Nun bedarf es nur noch zweier Kreisbögen mit Radius um Punkt und Punkt , somit ist der gesuchte Mittelpunkt gefunden und der Kreis kann abschließend mit dem Radius oder gezogen werden.
In einer korrekten Konstruktion ergibt sich die Beziehung[8]
Kreisspiegelung eines Kreises
Ein Kreis, der er durch das Inversionszentrum geht, wird auf eine Gerade abgebildet, siehe #Kreisspiegelung einer Geraden. An dieser Stelle werden Kreise betrachtet, die nicht durch das Inversionszentrum gehen. Deren Spiegelbilder sind Kreise. Allerdings sind die Mittelpunkte der Kreise nicht das Spiegelbild voneinander.
Analytische Beschreibung
Nach der Spiegelung eines Kreises mit Mittelpunkt und Radius hat dieser den Mittelpunkt und Radius:[2]
- mit
Bei Kreisspiegelung in der komplexen Zahlenebene um das Inversionszentrum c liegt der Mittelpunkt des gespiegelten Kreises bei , wobei ist. Der Radius ist bereits oben angegeben.
Wenn der Kreis den Inversionskreis berührt, ist die Kreisspiegelung eine zentrische Streckung um den Berührpunkt (Z in Bild 8) mit Streckfaktor |s|.
Konstruktion mit Zirkel und Lineal
Bei der Konstruktion des gespiegelten Kreises können vier Fälle unterschieden werden, jenachdem der zu spiegelnde Kreis
- den Inversionskreis in einem Punkt berührt oder
- den Inversionskreis schneidet (Bild 8),
- das Inversionszentrum umschließt (Bild 9) oder
- das Inversionszentrum nicht umschließt. (Bild 10)
Die ersten beiden Fälle sind Spezialfälle der folgenden zwei und erlauben, im Vergleich zu letzteren, einfachere Konstruktionen.
Bild 8
Bild 9
Bild 10
Im ersten Fall der Berührung des Inversionskreises wird der Kreis (gelb in Bild 8) um den Berührpunkt Z zentrisch gestreckt. Der Streckfaktor ergibt sich aus den Bildern der Endpunkte der Durchmesser auf der Geraden vom Inversionszentrum M nach Z.
Wenn der zu spiegelnde Kreis den Inversionskreis schneidet, kann ausgenutzt werden, dass die Kreisspiegelung eine konforme Abbildung ist. Denn der Bildkreis führt auch durch den Schnittpunkt S, der als Punkt auf dem Inversionskreis Fixpunkt der Abbildung ist, siehe #Eigenschaften. Wegen der Konformität der Kreisspiegelung schließt die Tangente des Kreises und die seines Spiegelbildes in S mit der Geraden SM denselben Winkel α ein. Somit kann der Mittelpunkt P des Bildkreises konstruiert werden, indem die Gerade SN an SM gespiegelt und mit der Geraden NM zum Schnitt gebracht wird.
Bei der Konstruktion der Kreisspiegelung von Kreisen, die das Inversionszentrum umschließen (Bild 9) wird der Mittelpunkt N des zu spiegelnden Kreises mit seinem Schnittpunkt C mit der Senkrechten h zu MN in M verbunden. Der Bildpunkt C' von C wird wie in #Kreisspiegelung eines Punktes beschrieben konstruiert. Wegen der Konformität der Kreisspiegelung schließt die Tangente des Kreises in C und die seines Spiegelbilds in C' mit h denselben Winkel ein. Somit kann der Mittelpunkt P des gespiegelten Kreises durch Spiegelung von CN an CM, Verschiebung nach C' und Verlängerung bis zur Geraden NM konstruiert werden.
Die Konstruktion der Kreisspiegelung von Kreisen, die das Inversionszentrum nicht umschließen (Bild 10), ist einfacher, denn dann gibt es selbstinverse Tangenten durch das Inversionszentrum. Beide, Kreis und Spiegelbild, haben diese Tangente und es bedarf nur der Konstruktion des Berührpunktes mittels des Thaleskreises und der Kreisspiegelung des Berührpunktes, wie in #Kreisspiegelung eines Punktes beschrieben. Die Parallele im Bildpunkt zur Geraden durch den Mittelpunkt und Berührpunkt im Original liefert den Mittelpunkt des Spiegelbildes (AN ist parallel zu A'P.)
Konstruktion mit Zirkel allein

Die gestrichelten Tangenten (dunkelblau) und die gepunkteten Linien haben keine konstruktive Funktion, sie dienen lediglich der Veranschaulichung.

Spiegelung eines Kreises in 16 Bildern
- Aufgabe
(Siehe hierzu Bild 11)
Der Inversionskreis ist am Inversionskreis zu spiegeln, um den Kreis zu erhalten.[8]
- Konstruktion des Mittelpunktes des Inversionskreises und dessen (imaginären)[9] Tangenten und :
- Nach dem Einzeichnen des Inversionskreises um den Mittelpunkt mit beliebigem Radius positioniert man den Punkt beliebig auf der Kreislinie, dies ermöglicht eine (imaginäre)[7] Gerade durch und . Der Radius ist auf der Kreislinie viermal abzutragen, Schnittpunkte sind und . Es folgt der Kreisbogen mit Radius um Punkt . Der Punkt ergibt sich mittels Radius um ; durch nochmaliges Abtragen des Radius um Punkt erhält man den Mittelpunkt des Inversionskreises .
- Der Mittelpunkt des Inversionskreises an dem Inversionskreises gespiegelt ergibt einen Punkt (Kreisspiegelung eines Punktes):
- Der eingezeichnete Inversionskreis erzeugt die Punkte und . Dies ermöglicht jetzt die beiden Tangenten (blau gestrichelte Linien) und des Kreises mit dem Scheitel und den Berührpunkten und sowie die Gerade durch und , sie steht senkrecht auf die Gerade durch und . Die Punkte und werden bestimmt mittels Radius um und ; Punkt wird bestimmt mittels Radius um und Radius um ; die Punkte und entstehen mittels Radius um und Radius um ; die beiden Kreisbögen mit Radius um und liefern den gesuchten Punkt (Mitte der Strecke ).
- Dieser Punkt am Inversionskreis gespiegelt ergibt den Mittelpunkt des Kreises als Spiegelbild des Inversionskreises :
- Die Punkte und werden bestimmt mittels Radius um ; die beiden Kreisbögen mit Radius um und liefern den Punkt . Die beiden Punkte und erzeugt der Radius um . Nun bedarf es nur noch zweier Kreisbögen mit Radius um Punkt und Punkt . Somit ist der gesuchte Mittelpunkt gefunden und der Kreis kann abschließend mit dem Radius gezogen werden.
In einer korrekten Konstruktion ergibt sich die Beziehung[8]
Allgemeine Abbildungen
Ist eine Kurve in Parameterdarstellung
gegeben, kann diese, wie in #Analytische Beschreibung erläutert, an einem Kreis gespiegelt werden:
Das Resultat ist die zur gegebenen Kurve inverse Kurve. Die Tabelle enthält eine Auswahl an bekannten Kurven und ihrer inversen.[10]
| Kurve | Inverse Kurve |
|---|---|
| Logarithmische Spirale (grün), Archimedische Spirale (schwarz), Lituus-Spirale (blau), |
Logarithmische Spirale, |
| Fermatsche Spirale (grün) | Lituus-Spirale (blau)
|
| Parabel
|
Kardioide (grün), Zissoide des Diokles (blau)
|
| Weitere Abbildungen | |
| Kurve | Inverse Kurve |
|---|---|
| Hyperbel
|
Lemniskate (rot), Trisektrix von Maclaurin (grün)
|
| Lemniskate
| |
| Trisektrix von Maclaurin (rot)
| |
| Sinusoidale Spirale in Polarkoordinaten |
Kreis (schwarz), Parabel (grün), Hyperbel (blau), allgemein: Sinusoidale Spirale ![]() |
Hilfsmittel für die Inversion am Kreis
Der Inversor von Peaucellier ist ein mechanisches Gerät, das speziell für die Inversion am Kreis konstruiert wurde.
Weblinks
- Vladimir S. Matveev: Inversion am Kreis (Kreisspiegelung). Teil eines Skripts zur Linearen Algebra der Uni Jena (PDF; 828 kB).
- Inversion auf cut-the-knot (engl.)
Einzelnachweise
- H. S. M. Coxeter, S. L. Greitzer: Geometry Revisited. In: Math. Assoc. Amer. Washington, DC 1967, S. 108 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche – Englische Originalausgabe von Zeitlose Geometrie: Auszug (Google).).
- Eric Weisstein: Inversion. Wolfram MathWorld, 8. Februar 2024, abgerufen am 11. Februar 2024 (englisch).
- David A. Brannan, Matthew F. Esplen, Jeremy J. Gray: Geometry. 2. Auflage 2011. Cambridge University Press, 1999, ISBN 978-1-107-64783-1, S. 281–283 (Auszug (Google)).
- August Adler: Theorie der geometrischen Konstruktionen. G. J. Göschensche Verlagshandlung, Leipzig 1906, III. Abschnitt, Konstruktionen, ausgeführt durch bloßes Schlagen von Kreisbogen (Mascheronische Konstruktionen), § 14. Hilfssatz. S. 92 bzw. 106, S. 92 (archive.org [abgerufen am 26. Dezember 2023]).
- August Adler: Theorie der geometrischen Konstruktionen. G. J. Göschensche Verlagshandlung, Leipzig 1906, III. Abschnitt, Mascheronische Konstruktionen, § 20.1. Konstruktion inverser Punkte mit Hilfe des Zirkels allein. S. 111–113, S. 124–125 (archive.org [abgerufen am 25. Februar 2024]).
- August Adler: Theorie der geometrischen Konstruktionen. G. J. Göschensche Verlagshandlung, Leipzig 1906, III. Abschnitt, Mascheronische Konstruktionen, § 20. 4. Bemerkungen b) ...wie man zu einem Punkte P den inversen findet, wenn P innerhalb des Kreises K liegt. S. 115, S. 128 (archive.org [abgerufen am 27. Februar 2024]).
- imaginär genannt wegen der Ausführung als Konstruktion nach Mascheroni (siehe Mit Zirkel allein, im Folgenden nur „Gerade“ genannt)
- August Adler: Theorie der geometrischen Konstruktionen. G. J. Göschensche Verlagshandlung, Leipzig 1906, III. Abschnitt, Mascheronische Konstruktionen, § 20.2. Konstruktion des Mittelpunktes jenes Kreises, welcher einer gegebenen Geraden oder einem gegebenen Kreise in Bezug auf Kreis K invers entspricht. S. 112–114, S. 126–128 (archive.org [abgerufen am 14. Dezember 2023]).
- imaginär genannt wegen der Ausführung als Konstruktion nach Mascheroni (siehe Mit Zirkel allein, im Folgenden nur „Tangente“ genannt)
- Eric Weisstein: Inverse Curve. Wolfram MathWorld, 24. Februar 2024, abgerufen am 24. Februar 2024 (englisch).
Literatur
- Coxeter, H. S. M., und S. L. Greitzer: Zeitlose Geometrie. Klett, Stuttgart 1983.
- Roger A. Johnson: Advanced Euclidean Geometry. Dover 2007, ISBN 978-0-486-46237-0, S. 121–127 (Erstveröffentlichung 1929 bei der Houghton Mifflin Company (Boston) unter dem Titel Modern Geometry, S. 43–57).
- August Adler: Theorie der geometrischen Konstruktionen. G. J. Göschensche Verlagshandlung, Leipzig 1906, III. Abschnitt, Konstruktionen, ausgeführt durch bloßes Schlagen von Kreisbogen (Mascheronische Konstruktionen) – (archive.org [abgerufen am 26. Dezember 2023]).









