Iwan der Schreckliche I (Film)/Ausführliche Inhaltsangabe

Die ausführliche Inhaltsangabe zum Film Iwan der Schreckliche (Teil I), gedreht unter der Regie von Sergei Eisenstein in den Jahren 1943 bis 1945, verweist auf die historischen Vorbilder der Figuren, auf Ereignisse wie Krönungsfeierlichkeiten und Kriege, auf erwähnte Orte und die heutigen Begriffe für staatliche, gesellschaftliche und sonstige Phänomene (so würde man etwa den „Schrecken“, ohne den nach Iwans Meinung ein Zarenreich wie ein „Pferd ohne Zügel“ sei, heute als ‚Staatsterror‘ bezeichnen; die Artikel Staatsterror, Autokratie (‚Selbstherrschaft‘), Russisch-Polnische Kriege bieten Ausführungen zu einander entsprechenden Phänomenen der Iwan- und der Stalin-Zeit).

Historische Vorbilder für die Figuren

Familie des Zaren

  • Zar Iwan (1530–1584), Großfürst von Moskau, seit dem 16. Januar 1547 Zar von Russland
  • Zarin Anastassija Romanowna (um 1523–1560), mit Iwan verheiratet seit dem 3. Februar 1547
  • Dmitri (1552–1553), erster Sohn Iwans (nach zwei Töchtern), Zarewitsch (Thronfolger), als Iwan lebensgefährlich erkrankt war; jüngere Brüder, die nach ihm Iwans Thronfolger wurden (und im Film keine Rolle spielen): Iwan, 1554–1581 und Fjodor I., 1557–1598
  • Jefrossinija Starizkaja (?–1569), seit 1633 Ehefrau von Andrei Starizki (1490–1537), jüngster Sohn von Iwans Großvater Iwan dem Großen (auf Befehl Iwans ermordet)
  • Wladimir Andrejewitsch Staritski (1533–1569), Sohn von Jefronsinija, stellte ebenfalls Ansprüche an den Thron (von Maljuta Skuratow hingerichtet)

Opritschniki

Jugendfreunde und Geistliche

Sonstige: Diplomaten, historische Rollen

Erwähnte Figuren

Inhaltsangabe

Prolog

Ein Insert in Versalien kündigt das Thema an:

„Dies ist ein Film über den Menschen, der im 16. Jahrhundert erstmalig unser Land vereinigt hat; über den Moskauer Fürsten, der aus den einzelnen selbstständigen und eigennützigen Fürstentümern einen einheitlichen starken Staat schuf; über den Heerführer, der den militärischen Ruhm unserer Heimat im Osten und im Westen mehrte; über den Herrscher, der zur Lösung dieser großen Aufgaben sich erstmalig die Krone des Zaren aller Reußen aufsetzte.“[1]

Krönung und Regierungserklärung: Stärke nach innen und außen

Moskau am 16. Januar 1547 in der Krönungskirche des Kremls: Erzbischof Pimen erklärt den 16-jährigen, bartlosen Großfürsten Iwan zum „Selbstherrscher aller Reußen“[2] und überreicht ihm die Zarenkrone, die dieser sich selbst aufsetzt, sowie das Zepter und den Reichsapfel. Einige halblaute Worte und missgünstige Blicke von Gesandten anderer europäischer Höfe, von Bojaren und insbesondere von Iwans Tante Jefrossinija zeigen, dass der neue Herrscher von Feinden umgeben ist. Es wird deutlich, dass Jefrossinija ihren Sohn Wladimir auf dem Thron sehen will. Die Diplomaten sind sich sicher, man werde Iwan nicht anerkennen. Nur Kaspar von Oldenbock, der livländische Gesandte, setzt dem sowohl zynisch als auch pragmatisch entgegen, man werde Iwan anerkennen, „wenn er sich als stark erweist“. Iwans Braut Anastassija sieht voller Stolz auf Iwan, seine Freunde Fürst Andrei Kurbski und Fjodor Kolytschow vollziehen die Zeremonie des Überschüttens mit Gold- und Silbermünzen.[3]

Iwan erklärt, er wolle das „Übel der Vielherrschaft“ beenden, wodurch die Bojarengeschlechter dem Land „so viel Schaden gebracht“ hätten. Von nun an jedoch solle die „russische Erde ein Ganzes sein“. Um dies zu erreichen, will er ein stehendes Heer aufstellen, „ein Strelzy-Heer“, und dies finanzieren durch Abgaben der Bojaren und der Kirche. Zum Entsetzen der meisten seiner Zuhörer erklärt er: „Von Nöten ist eine starke Hand, um endlich die Nacken derer zu beugen, die sich gegen die Einheit des russischen Reiches auflehnen. Nur wenn im Innern des Reiches wirklich Frieden herrscht, und Einigkeit und wenn für jeden nur ein Wille und ein Gebot gilt, nur dann kann man auch nach außen hin festbleiben.“ Mit Tränen in den Augen klagt er, das Vaterland sei ein „Rumpf, ein geschundener, abgehackt bis zu den Knien und bis zu den Ellbogen“; zwar gehörten die Oberläufe der Wolga, der Dwina und der Wolchow zum Reich, aber „deren Mündungen ins Meer“ seien „in fremder Hand“. Er lasse sich zum Herrscher krönen „auch jener Lande“, die derzeit noch „unter fremder Botmäßigkeit“ schmachteten (also Livland, Litauen, Polen). Nach den zwei römischen Reichen (Rom und Byzanz) werde nun Moskau ein Drittes Rom, ein viertes werde es „nimmermehr geben“. Jefronssinija flüstert drohend, man werde „für den neuen Herrscher ein würdiges Fest ausrichten“ zur Hochzeit.

Hochzeit, Eindringen einer Volksmasse, Besänftigung und Kriegserklärungen

Einige Zeit später intrigiert Kaspar von Oldenbock, indem er Andrei Kurbski fragt, warum denn „Johann“ (Iwan), Fürst von Moskau, und nicht Andrei Kurbski, Fürst von Jaroslawl, zum Zaren gekrönt worden sei; Kurbski schweigt und geht, erst zögernd, dann immer rascher, zu Iwans Hochzeitsfest.

Der Potentat, ihn ziert inzwischen ein Bärtchen, küsst innig seine junge Frau Anastassija. Er wundert sich, dass die Glocken so lange läuten. Jefrossinija zischt ihrem Nachbarn, einem Bojaren, zu, der „Narr“ denke „sicherlich, dass Volk sei vor Freude außer Rand und Band“. Sie verständigt sich mit Pimen durch Blicke.

Iwan fragte seine „besten Freunde“ Andrei Kurbski und Fjodor Kolytschow, warum sie so „missgestimmt“ seien. Kurbski antwortet ausweichend und Kolytschow hält Iwan vor, er missachte die alten Bräuche. Da er es weder vermöge, sich hinter Iwan noch gegen ihn zu stellen, bittet er, ins Kloster gehen zu dürfen. Iwan gewährt ihm dies unter der Bedingung, zurückzukehren, wenn er ihn rufe „in der Stunde der Not“.

Jefrossinija hat sich aus dem Festsaal geschlichen, auf die Glocken gelauscht und erfährt nun von einem Boten, dass das erfolgreich aufgehetzte Volk nach der Plünderung von zwei Schlössern inzwischen zum Zaren ziehe, um ihn herauszufordern.

Eine wütende Menschenmenge, angeführt von Maljuta Skuratow, stürmt in den Festsaal. Draußen brennen Paläste. Iwan befiehlt seinen Wachen, die sich dazwischenstellen wollen: „Das Volk hereinlassen!“ Maljuta Skuratow will Iwan tätlich angreifen, wird aber von Andrei Kurbski und Fjodor Kolytschow überwältigt. Iwan erkennt, dass die Bojaren bei der Inszenierung des Aufstands den Aberglauben des Volks ausgenutzt haben, und erläutert dies so, dass die Menge anfängt zu lachen. Während Iwan zu dem Volk spricht, wird offensichtlich, dass Andrei Kurbski die Braut begehrt. Diese weist seine Annäherungsversuche entschieden zurück. Iwan lässt Nikola reden. Dieser klagt die Bojaren an, den Zaren verhext zu haben und das Volk auszusaugen. Iwan erklärt, er werde allen Schuldigen „in Zukunft erbarmungslos [die] Köpfe abschneiden und die schnöde Bojarenuntreue an der Wurzel kappen“, denn „wie ein Pferd ohne Zügel“ sei „ein Zarenreich ohne Schrecken“. Denjenigen, die ihm treu dienen wollen, verspricht er seine Verzeihung und dem „arbeitssame[n] Volk“ seinen Schutz. Die Volksmassen jubeln Iwan zu.

Eine Gesandtschaft des Herrschers von Kasan erscheint, ihr Anführer erklärt den Krieg, überreicht dem Zaren einen Dolch und fordert ihn zum Selbstmord auf. Iwan entreißt ihm den Dolch und erwidert die Kriegserklärung. Sein Ruf „Gegen Kasan!“ wird von der Volksmasse begeistert wiederholt. Iwan ernennt Andrei Kurbski zum „Führer des vordersten Regiments“.

Der Feldzug gegen Kasan

Zahlreiche schwere Kanonen werden nach Kasan gebracht. Die Festung wird belagert. Von Maljuta Skuratow angeführte Mineure graben einen Stollen und rollen zahlreiche mit Schießpulver gefüllte große Fässer hinein. Iwan rügt Andrei Kurbski wegen seiner unnötig grausamen Behandlung von Kriegsgefangenen. Als ihm treu ergebenen und verlässlichen Bojarenhasser lernt er Aleksej Basmanow kennen; auch dessen Sohn Fjodor verehrt den Zaren.

Maljuta Skuratow löst eine gewaltige Sprengung aus und leitet so den Sturmangriff auf Kasan ein. Die Kavallerie mit Andrei Kurbski an der Spitze prescht los, Belagerungstürme rücken vor, dann Infanteristen, Sturmleitern werden nach vorne gebracht, Iwan gibt der Artillerie den Befehl zum Losfeuern. Andrei Kurbski steht schließlich als siegreicher Feldherr auf dem höchsten Turm Kasans und hält die Standarte. Iwan triumphiert, umgeben von Pulverdampf: „Jetzt werde ich wahrhaftig Zar sein, denn ein jeder wird nun den Moskauer Zaren als den Herrscher der Rus anerkennen!“

Lebensgefährliche Erkrankung und Bitte um Treueschwur für den Thronfolger

Zurück in Moskau: Kaspar von Oldenbock stellt fest, dass nun auch die anfangs skeptischen Gesandten für Iwan den Titel Zar verwenden. Doch Iwan ist lebensgefährlich erkrankt. Jefrossinija sieht darin eine gerechte Strafe Gottes. Sie schürt Fürst Kurbskis Eifersucht und fordert ihn auf, nicht dem Thronfolger, Iwans Sohn Dmitri, die Treue zu geloben, sondern ihrem schwachsinnigen Sohn Wladimir, damit dieser nominell auf den Thron gelange und Kurbski als Regent „der wahre Herrscher“ werde – und der Mann Anastassijas.

Iwan empfängt die letzte Ölung. Der sterbenskranke Zar fleht die Bojaren an, seinen kürzlich geborenen Sohn Dmitri anzuerkennen, denn „nur eine feste, einheitliche Gewalt“ könne die Feinde abwehren, die Tartaren, die Polen und die Livländer. Er bitte weder für sich, noch für seinen Sohn, sondern sie mögen „die Einheit der Rus nicht leichtfertig gefährde[n]“. Er bricht zusammen und Anastassija presst ihren Säugling an sich. Alle wenden sich ab; auch Anastassijas Prophezeiung, ohne einen starken Herrscher würden sie „zu Vasallen, ja zu Sklaven fremder Herren“, vermag keinen umzustimmen. Jefrossinija offenbart ihren Hass auf Iwan und beteuert, niemals würden die Bojaren „sich freiwillig beugen vor […] dem Nachkömmling des Moskauer Fürsten“. Man beginnt, dem „Bojaren-Zar“ Wladimir zu huldigen.

Wundersame Genesung und Kurbski als vermeintlicher Getreuer

Andrei Kurbski bekennt Anastassija nochmals seine Liebe, er will gemeinsam mit ihr „auf den Thron oder den Richtblock“. Sie weist ihn zurück. Weil er dann erkennt, dass Iwan überleben wird, schwört er scheinheilig in Anwesenheit der erstaunten Bojaren dem rechtmäßigen Thronfolger Dmitri die Treue; plant insgeheim aber schon seinen Verrat, denn er sieht unter einem „lebenden Iwan“ keine Entfaltungsmöglichkeiten für sich. Iwan wähnt nun, Kurbski habe sich als Einziger der Großen seines Reiches bewährt, und überträgt ihm die wichtigste Aufgabe des Reiches: Den Krieg gegen die Livländer, um dem Zarenreich einen Weg zum Meer (zur Ostsee) zu schaffen. Als Verteidiger der südlichen Grenze gegen den Khan der Krim wählt Iwan Aleksej Basmanow. Anastassija sieht Kurbski verächtlich an, behält aber ihr Wissen für sich. Maljuta Skuratow, inzwischen „das Auge des Zaren“, ahnt Kurbskis Falschheit.

Die Bojaren und Jefrossinija schmieden Ränke

Einige Zeit später klagen die Bojaren Jefrossinija ihr Leid: Der Zar vertraue niemanden mehr, besetze wichtige Posten mit Unbekannten, habe viele von ihnen verhaftet oder verbannt. Mehrere wollen nach Livland fliehen. Jefrossinija rügt sie für ihre Feigheit und meint, der Metropolit Pimen, der gerade mit dem Zaren spreche, werde diesen umstimmen. Pimen erscheint, am Boden zerstört, denn der Zar hat ihn nach Nowgorod versetzt. Pimen erklärt, es gelte den Zaren „an die Kandare zu nehmen“ und dafür die Zeit zu nutzen, in der Iwans Freund Kurbski in der Ferne, in Livland, weile. Die Zarenherrschaft dürfe sich nicht weiter ausbreiten. Den livländischen Feldzug dürfe man nicht finanziell unterstützen. Jefrossinija will den Zaren da treffen, wo er am verwundbarsten ist, und ihn von Anastassija ‚trennen‘.

Schmähung der Bojaren und Handelsbeziehungen zu England

Iwan tobt vor den Bojaren. Wieder haben die Livländer englische Handelsschiffe aufgehalten. Dadurch fehlt es an Munition und Fachleuten für seine Feldkanonen. Aber dem „Erblühen“ des Reiches widersetzten sich nicht nur äußere Feinde (der „schlaue Nachbar“ und der „ränkesüchtige Deutsche“), sondern auch innere, nämlich die Bojaren. Iwan schickt einen Botschafter an seine „Schwester“ Elisabeth von England, der ihr zeigen soll, wie ihre Schiffe das Baltische Meer vermeiden und den Weg über das Weiße Meer nehmen können. Der Botschafter soll nachdrücklich daran erinnern, was Iwan als Kaufherr zu bieten habe: Privilegien und Handelsrouten nach Osten.

Anastassija erkrankt und wird vergiftet

Der kranken Zarin Anastassija klagt Iwan sein Leid: Er sei einsam, weil seine Freunde fern seien, Andrei Kurbski in Livland und Fjodor Kolytschow in seinem Kloster; nur sie allein sei ihm geblieben. Die Szene wird von Jefrossinija belauscht. Eine Nachricht von Aleksej Basmanow trifft ein: Die Bojaren unterstützen seine militärischen Aktionen nicht. Anastassija beschwört ihren Mann, fest zu bleiben. Iwan erklärt wütend, er werde die Erbbesitzungen abschaffen. Jefrossinija flüstert eine Drohung gegen Iwan und tropft Gift in einen Pokal. Maljuta Skuratow berichtet, Kurbski sei geflohen. Die weiter hinter einer Mauer verborgene Jefrossinija stellt den Pokal so hin, dass er Iwan ins Auge fallen muss. Anastassija ist durch Kurbskis Verrat erschüttert und erleidet einen Anfall. Iwan eilt ihr zu Hilfe mit Jefrossinijas Pokal.

Vor der aufgebahrten toten Frau: Kampf mit Pimen (Psalm 69)

Kurz darauf liegt die tote Anastassija aufgebahrt in der Kirche. Jefrossinija beobachtet die Szene. Tief gebeugt hockt Iwan apathisch zu Füßen des Katafalks. Pimen liest den Psalm 69 vor. Dies wechselt ab mit den Namen der geflohenen Bojaren, die Maljuta aus einer langen Liste vorträgt. Iwan fragt die Tote, ob er im Recht oder ob ihr Tod Gottes Strafe sei. Pimen spricht die Worte: „Ein Fremder bin ich geworden meinen Brüdern, und werd’ wie ein solcher angeblickt von den Söhnen meiner Mutter“. Aleksei und Fjodor Basmanow kommen dazu und flüstern Maljuta weitere Hiobsbotschaften ins Ohr. Maljuta wirft sich schließlich Iwan zu Füßen und berichtet, Andrei Kurbski sei zu Sigismund geflohen. Iwan fragt sich flüsternd, warum sein Freund das nur getan habe, und vermutet, Kurbski strebe nach der „Zarenkappe“. Maljuta berichtet weiter, die Bojaren hetzten das Volk auf und machten sich dabei den verlorenen Krieg gegen Livland zunutze. Als Pimen immer lauter werdend liest: „Ich bin entkräftet, lechze nach Mitgefühl, ich suchte Trost und fand nichts!“, brüllt Iwan: „Du lügst! Noch ist er nicht am Ende, der Moskauer Zar!“ Jefrossinija und Pimen entschwinden.

Gründung der Opritschnina und Gang nach Alexandrowa Sloboda

Seinen drei zurückgebliebenen Getreuen sagt Iwan, sie seien zu wenige, sie sollten seinen letzten treuen Freund Fjodor Kolytschow aus dem Kloster von Solowki herbeiholen. Maljuta rät Iwan, dem Bojaren Kolytschow nicht zu trauen, und Aleksej Basmanow drängt ihn, sich mit Menschen aus den unteren Schichten zu umgeben, die Iwan alles zu verdanken hätten und ihm treu dienen würden. Aus ihnen solle er sich einen unzerstörbaren „eisernen Ring“ schaffen. Diese Getreuen sollten ohne Familien sein, sie sollten, „wenn es sein muss, den Vater und sogar die Mutter verleugnen“; er ist sich sicher, „mit ihren Händen“ könne Iwan „das Bojarentum ausmerzen und mit ihren scharfen Schwertern“ werde er sein „großes Werk vollenden“. Als Ersten schickt Aleksej seinen einzigen Sohn Fjodor in den ‚eisernen Ring‘. Iwan nimmt die Idee begeistert auf. Er will sich nach Alexandrowa Sloboda begeben und auf den „Ruf des gesamten Volkes“ hin zurückkehren, so erwerbe er „füglich uneingeschränkte Gewalt“; er will sich „erneut salben und krönen lassen für unsere große Sache, für die gnadenlose Sache“. Er wirft einen Blick auf die Tote, fragt Fjodor: „Was sagst du?“ Dieser erwidert, er verstehe ihn. Dann verkündet Iwan laut: „Ja, im Ruf des gesamten Volkes werde ich den Willen des Allmächtigen sehen. Und ich werde von unserem Herrn das strafende Schwert empfangen und es so zu Stande bringen, das große Werk!“ Und wie nach seiner Krönung spricht er von den zwei römischen Reichen und davon, dass nun das „Dritte Rom, Moskau ersteht! Ein viertes aber wird es nimmermehr geben!“ Zahlreiche junge Männer mit brennenden Fackeln füllen die Kirche, Aleksej und Fjodor sehen bewundernd zu ihm auf, Iwan schmiegt noch einmal sein Gesicht an das seiner toten Frau.

Die Proklamation

Einer großen Menschenmenge liest ein Ausrufer eine Proklamation des Zaren vor. Darin wird den Bojaren vorgeworfen, sie bereicherten sich, verteidigten das Land nicht vor den heidnischen Krimtartaren und den anderen Feinden. Darum habe er sich gezwungen gesehen, „sein geliebtes Reich zu verlassen“ und damit auch Moskau. Er grolle allerdings den Gästen, den Kaufherren und rechtschaffenen Bürgern nicht. Ein Jüngling in einem schwarzen Mantel springt herbei und fordert alle „ehrliche[n] und gutgesinnte[n]“ und gegen die Bojaren eingestellten Christen dazu auf, den Opritschniki beizutreten, auch wenn man von niedriger Herkunft sei.

Die Bittprozession legitimiert den Alleinherrscher durch das ganze Volk, Iwan kehrt nach Moskau zurück

In Alexandrowa Sloboda wartet der Zar auf einen Boten aus Moskau. Eine unabsehbar lang sich hinziehende Menschenmenge, wie bei einer Bittprozession Kreuze und Ikonen tragend, erscheint. Ein Bote überbringt die Nachricht, dass die ersten englischen Schiffe, beladen mit Kriegsausrüstung, über das Weiße Meer gekommen sind. Iwan frohlockt, man habe die Livländer und die Deutschen „übertölpelt“, und prophezeit, es werde die Stunde kommen, da sie sich dem Moskauer Reich unterwerfen werden. Iwan lässt sich einen schwarzen Pelzmantel umlegen, einen Stab geben und präsentiert sich dem Volk. Er verbeugt sich vor ihm und die Menschenmasse kniet nieder. Iwan setzt sich eine hohe Pelzkappe auf,[4][5] bedeutet dem Volk, sich zu erheben, und gibt Fjodor den Befehl zum Aufbruch nach Moskau. Zu sich selbst sagt er: „So kehren Wir denn zurück um Unseres großen russischen Reiches willen“. Ein Insert markiert das Ende des ersten Teils.

Quelle

  • Iwan der Schreckliche 1. In: Sergej M. Eisenstein: Meisterwerke. Icestorm Entertainment, [Berlin 2012], DVD 4 [Synchronisation der DEFA von 1973; ohne russische Tonspur, was mehrfach bemängelt wurde.[6][7]]

Einzelnachweise

  1. Übersetzung der deutschen Synchronisation von 1973, in der die russischen Worte von einem Sprecher vorgetragen werden; vgl. Iwan der Schreckliche 1. In: Sergej M. Eisenstein: Meisterwerke. Icestorm Entertainment, [Berlin 2012], DVD 4.
  2. Deutsche Synchronisation von 1973; vgl. Iwan der Schreckliche 1. In: Sergej M. Eisenstein: Meisterwerke. Icestorm Entertainment, [Berlin 2012], DVD 4. – Alle weiteren wörtlichen Anführungen im Folgenden nach dieser Edition des Films.
  3. Vgl. das Standfoto in: Eckhard Weise: Sergej M. Eisenstein in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1975, ISBN 3-499-50233-X, S. 123.
  4. Vgl. das Standfoto in: Evgenij Margolit: Der Film unter Parteikontrolle. In: Christine Engel (Hrsg.): Geschichte des sowjetischen und russischen Films. Metzler, Stuttgart/Weimar 1999, ISBN 3-476-01546-7, S 68–108, hier 105.
  5. Filmplakat (BRD 1958) auf filmposter-archiv.de
  6. Siegfried König: Iwan der Schreckliche. [Rezension, etwa 2005.] In: filmzentrale.com, abgerufen am 11. Januar 2021.
  7. Ulrich Behrens: Iwan, der Schreckliche. [Rezension, Mai 2008.] In: filmzentrale.com, abgerufen am 11. Januar 2021.
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