Katja Hoyer
Katja Hoyer (* 1985 in Guben) ist eine deutsche Historikerin und Autorin, die seit 2010 in Großbritannien arbeitet.
Leben und Werk
Hoyer wurde wenige Jahre vor dem Ende der DDR in Guben geboren. Ihr Vater war Offizier in den Luftstreitkräften der NVA,[1] die Familie lebte in einer Wohnsiedlung für NVA-Berufssoldaten in Jänschwalde-Ost. Kurz nach der Geburt von Katja Hoyer setzte ihre Mutter das Studium zur Lehrerin in Dresden fort. Dann zog die Familie nach Strausberg, wohin Hoyers Vater versetzt worden wurde.[2] Beim Fall der Mauer war Katja Hoyer vier Jahre alt, sie wuchs weiter in Strausberg auf.
Hoyer studierte Geschichte an der Universität Jena, das Studium schloss sie mit einem M.A. ab.
Um 2010 zog sie nach England, wo sie seitdem arbeitet. Hoyer ist Visiting Research Fellow am King’s College London und ist Fellow der Royal Historical Society. Sie arbeitet als Journalistin unter anderem für den Spectator (2021–[3]) und für die Washington Post (2021–[4]).
2021 veröffentlichte sie mit Blood and Iron ihre erste Monographie. Thema des Werks ist das Deutsche Kaiserreich. Das Buch wurde in Großbritannien sehr positiv aufgenommen. 2023 erschien mit Beyond the Wall ihr zweites Buch, eine Geschichte des Lebens in der DDR aus Sicht der „normalen“ Leute. Auch dieses Buch wurde in Großbritannien sehr positiv aufgenommen. Die deutsche Übersetzung erhielt in Deutschland hingegen überwiegend negative Kritiken, verkaufte sich aber sehr gut. Beyond the Wall wurde in elf Sprachen übersetzt.
Diesseits der Mauer
Das Buch Diesseits der Mauer ist in zehn chronologisch angeordnete Kapitel gegliedert, die von 1918 bis 1990 reichen. Die meisten Kapitel und Abschnitte öffnen mit individuellen Ereignissen, die Personen der Zeitgeschichte, aber auch unbekannte Frauen und Männer betreffen. Zu den von Hoyer interviewten Personen gehören Egon Krenz und Frank Schöbel.
Der Journalist Norbert F. Pötzl warf Hoyer in der Süddeutschen eine „SED-Lesart“ vor, nachdem vor allem der Westen für das Scheitern der DDR verantwortlich sei.[5] Der in der DDR geborene Journalist Marko Martin (* 1970) fand in der taz kein gutes Wort für das Buch. Nichts darin sei neu oder originell, vieles falsch und beschönigend, der Einsatz von Zeitzeugen erinnere an Guido Knopp.[6] Der amerikanische Historiker John Connelly bezeichnete das Buch als gescheitert und warf Hoyer „frappierenden Unkenntnis […] über die realen Verhältnisse im real existierenden Sozialismus“ vor.[7]
Der Historiker Hermann Wentker (Leiter der Abteilung Berlin des Instituts für Zeitgeschichte) bezeichnete Katja Hoyers Werk als „reines Ärgernis“.[8] Der DDR-Bürgerrechtler Wolfgang Templin bezeichnete Hoyers Umgang mit biographischen Deutungen der Beteiligten als problematisch. Die „Grenzen von Zustimmung, Anpassung, Einordnung, Unterordnung und Mittäterschaft“ in der DDR würden so verschwimmen. Das Buch sei insgesamt eine „vertane Chance“.[9] Der Historiker Jens Gieseke bezeichnete das Buch als „historiografisch […] ohne Belang“, es stelle „methodisch und in seinen analytischen Befunden einen deutlichen Rückschritt dar“. Letztlich praktiziere Hoyer „Geschichtsrevisionismus“.[1]
Veröffentlichungen
- Blood and Iron: The Rise and Fall of the German Empire 1871–1918. History Press, Cheltenham 2021, ISBN 978-0-7509-9622-8.
- Im Kaiserreich : Eine kurze Geschichte 1871–1918. Hoffmann und Campe, Hamburg 2024, ISBN 978-3-455-01728-1. (Ins Deutsche übersetzt von Norbert Juraschitz.)
- Beyond the Wall: East Germany, 1949–1990. Allen Lane, London 2023, ISBN 978-0-241-55378-7.
- Diesseits der Mauer : Eine neue Geschichte der DDR 1949–1990. Hoffmann und Campe, Hamburg 2023, ISBN 978-3-455-01568-3. (Ins Deutsche übersetzt von Franka Reinhart und Henning Dedekind.)
Weblinks
Einzelnachweise
- Jens Gieseke: Rezensionsessay: K. Hoyer: Diesseits der Mauer. In: H-Soz-Kult, 31. August 2023.
- "Es wird wenig darüber gesprochen, wie die DDR in die deutsche Geschichte passt". Interview mit Katja Hoyer, RBB, Erstausstrahlung am 7. Mai 2023 (Online)
- Beiträge von Katja Hoyer für den Spectator, vom 1. März 2021 an.
- Beiträge von Katja Hoyer für die Washington Post, vom 14. Juli 2021 an.
- Norbert F. Pötzl: Eine ganz kommode Diktatur. In: Süddeutsche Zeitung, 4. Mai 2023.
- Marko Martin: Mit Mutti zum Kaffee bei Egon Krenz. In: taz, 13. Mai 2023.
- John Connelly: „Eindeutig deutsches Experiment“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Juni 2023.
- Hermann Wentker: Rezension von: Katja Hoyer: Diesseits der Mauer. In: sehepunkte 23 (2023), Nr. 7/8 (15. Juli 2023).
- Wolfgang Templin: Die neue ostdeutsche Welle. In: Deutschland-Archiv, ZDB-ID 2594575-0, eine Reihe der Bundeszentrale für Politische Bildung, 7. Juli 2023.