Manuel Rocha (Diplomat)

Víctor Manuel Rocha (* 1950) ist ein US-amerikanischer Geschäftsmann und ehemaliger Diplomat, der seit den 1980er Jahren insgeheim für Kuba spionierte. Er war von 1997 und 2000 kommissarischer Botschafter in Argentinien und von 2000 bis 2002 Botschafter der Vereinigten Staaten in Bolivien. Seine 2023 aufgedeckte Geheimdiensttätigkeit gilt als einer der gravierendsten Spionagefälle der Geschichte der USA.[1]

Manuel Rocha (2000)

Leben

Víctor Manuel Rocha begann nach dem Besuch der Taft School 1969 zunächst ein grundständiges Studium an der Yale University, das er 1973 mit einem Bachelor of Arts (B.A.) „cum laude“ beendete. Ein darauf folgendes postgraduales Studium im Fach Öffentliche Verwaltungslehre an der Harvard University schloss er 1976 mit einem Master of Arts (M.A. Public Administration) ab. Daraufhin begann er ein weiteres postgraduales Studium im Fach Internationale Beziehungen an der Georgetown University, welches er 1978 ebenfalls mit einem Master of Arts (M.A. International Relations) beendete. Er trat 1981 als Foreign Service Officer in den diplomatischen Dienst (United States Foreign Service) ein und war zunächst zwischen 1981 und 1983 Referent für Honduras im Außenministerium (US State Department) sowie von 1983 bis 1987 Politischer Attaché an der Botschaft in der Dominikanischen Republik. 1987 wurde er Verteidigungspolitischer Attaché an der Botschaft in Honduras sowie daraufhin bis 1991 stellvertretender Botschaftsrat für politische Angelegenheiten an der Botschaft in Mexiko, ehe zwischen 1991 und 1994 als Deputy Chief of Mission Ständiger Vertreter des Botschafters in der Dominikanischen Republik war. 1994 wurde er als Director for Inter-American Affairs Leiter des Referats Interamerikanische Angelegenheiten des Nationalen Sicherheitsrates NSC (National Security Council) sowie danach bis 1997 als Deputy Principal Officer stellvertretender Leiter der Interessenvertretung in Kuba. Im Juli 1997 wurde er Ständiger Vertreter des Botschafters in Argentinien, wobei das Amt des Botschafters seit der Abberufung von James Richard Cheek am 18. Dezember 1996 nicht mehr besetzt war und die Botschaft von Dezember 1996 bis Oktober 1997 von Ronald D. Godard als Geschäftsträger geleitet wurde. Im Oktober 1997 wurde Rocha schließlich selbst als Geschäftsträger kommissarischer Botschafter in Argentinien. Am 14. Juni 2000 wurde James Donald Walsh schließlich zum Botschafter in Argentinien ernannt.[2]

Am 14. Juni 2000 wurde Rocha zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Bolivien ernannt und überreichte dort am 4. August 2000 als Nachfolger von Donna Hrinak seine Akkreditierung. Diesen Botschafterposten bekleidete er bis zum 27. April 2002, woraufhin David N. Greenlee ihn ablöste.[3] Danach schied er aus dem diplomatischen Dienst aus und war zwischen 2002 und 2005 Leitender Berater der Anwaltskanzlei Steel, Hector & Davis für die Bereiche Internationaler Handel und Regierungsangelegenheiten. Er engagierte sich ferner im Council on Foreign Relations und gründete gemeinsam mit Rodrigo Arboleda die Globis Group, eine lateinamerikanisches Investmentunternehmen. Darüber hinaus war er Berater des United States Southern Command (SOUTHCOM) und Direktor für Regierungsbeziehungen der Arcos Dorados Holdings, ein Unternehmen, das die meisten McDonald’s-Restaurants in Lateinamerika besitzt und verwaltet. Außerdem war er Leitender Berater für internationale Wirtschaft für die Anwaltskanzlei Foley & Lardner LLP mit Büro in Miami und Präsident des zum Bergbauunternehmen Barrick Gold Corp. gehörenden Bergwerkes Pueblo Viejo in der Dominikanischen Republik.

Im Dezember 2023 stellte sich heraus, dass Rocha seit 1981 für Kuba als Spion tätig gewesen sein soll. Ihm wird vorgeworfen seine Positionen missbraucht zu haben, um die Interessen einer ausländischen Macht zu fördern. Auch wird dem ehemaligen Diplomaten Verschwörung zugunsten einer ausländischen Regierung und Erlangung eines US-Passes unter Vortäuschung falscher Tatsachen vorgeworfen. Rocha hat in den Jahren 2022 und 2023 mit verdeckten FBI-Ermittlern gesprochen, die sich ihm gegenüber als kubanische Agenten ausgaben, und dabei Spionage eingeräumt. Er wurde in Miami verhaftet und in Florida vor einem Bundesgericht angeklagt.[4][5]

Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Einzelnachweise

  1. David Signer: Der amerikanische Spitzendiplomat, der sein Land hasste und heimlich für Kuba arbeitete. In: Neue Zürcher Zeitung, 1. Januar 2024, abgerufen am 6. Januar 2024.
  2. Chiefs of Mission for Argentina. In: US State Department: Office of the Historian. Abgerufen am 2. Mai 2022 (englisch).
  3. Chiefs of Mission for Bolivia. In: US State Department: Office of the Historian. Abgerufen am 2. Mai 2022 (englisch).
  4. Ehemaliger US-Botschafter soll jahrzehntelang für Kuba spioniert haben. Ein früherer US-Diplomat soll 40 Jahre lang geheime Informationen an Kuba weitergegeben haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm einen Missbrauch seiner Position vor. In: Zeit Online. Zeit Online GmbH, 4. Dezember 2023, abgerufen am 30. November 2023.
  5. Hannah Rabinowitz, Holmes Lybrand, Evan Perez By Hannah Rabinowitz, Holmes Lybrand und Evan Perez, für CNN: Former US ambassador to Bolivia charged with being a covert agent of Cuba’s government - wurde angeklagt
VorgängerAmtNachfolger
Donna HrinakUS-Botschafter in Bolivien
2000–2002
David N. Greenlee
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