Monte Brento

Der Monte Brento ist ein 1545 m s.l.m. hoher Berg in den Gardaseebergen in der Provinz Trient. Er liegt zwischen den Orten Dro (123 m s.l.m.) und Pietramurata (254 m s.l.m.) im Sarcatal sowie dem Ort Favrio (627 m s.l.m.) am Eingang des Val Lomasona. Die bis zu 1300 m hohe, senkrechte Ostflanke des Berges liegt in einem 254 ha großen NATURA 2000-Schutzgebiet.[1] Der Monte Brento ist ein bekannter Kletterberg und einer der berühmtesten Base-Jumping-Orte der Welt.

Monte Brento

Blick auf die Ostwand des Monte Brento mit dem Lago di Cavedine und den Marocche di Dro

Höhe 1545 m s.l.m.
Lage Trentino, Italien
Gebirge Gardaseeberge
Dominanz 4 km → Nördlich liegt der Monte Casale
Koordinaten 45° 59′ 15″ N, 10° 53′ 53″ O
Monte Brento (Gardaseeberge)
Monte Brento (Gardaseeberge)
Gestein Kalkstein
Besonderheiten Schauplatz eines historischen Bergsturzes, in Teilen Naturschutzgebiet

Geographie und Geologie

Der Monte Brento bildet mit dem Monte Casale einen langgezogenen Bergrücken, der das untere Tal der Sarca vom Val Lomasona in den Äußeren Judikarien trennt.

Besonders auffällig ist die senkrechte Ostwand des Monte Brento. Die zwischen 600 m und 1300 m teilweise überhängende hohe Felswand ist Ergebnis eines gewaltigen Bergsturzes, der mit zur Bildung der Schutt- und Blockhalden der Marocche di Dro führte. Der sogenannte Kas-Bergsturz vom Monte Brento ereignete sich etwa 400 bis 200 v. Chr. und ist damit der jüngste Bergsturz der Marocche.[2] Er besitzt ein Volumen von etwa 300 Millionen m³.[3]

Die Ostwand des Monte Brento wird von Süd nach Nord in die vier Bereiche Grande Placconata (1300 m hoch), Pilastro Magro (600 m hoch), Stabiombi Centrali (1200 m hoch) und Ostwand (900 m hoch) unterteilt.[4]

Das Schutzgebiet

Ein 2,45 km² großes Gebiet an der Ostflanke des Monte Brento ist ein Ort großer ökologischer Bedeutung und gehört zu den Naturschutzgebieten des Trentino.[A 1] Es ist als Natura 2000-Gebiet gekennzeichnet (Site code IT3120115).[5] Pioniervegetation existiert in den Rissen und Spalten der steilen Felsabbrüche in einem absolut natürlichem Erhaltungszustand.[5] Das Schutzziel ist die Erhaltung der wärmeliebenden Pflanzenformationen, insbesondere der Pionierpflanzen, in der trockenen und steinigen Umgebung.[6] In dem Gebiet kommen alpentypische gefährdete Tierarten und wichtige Eiszeitrelikte vor.[5]

Unter den geschützten Vögeln finden sich die Raubvögel Steinadler (Aquila chrysaetos), Wanderfalke (Falco peregrinus), Turmfalke (Falco tinnunculus) und Schwarzmilan (Milvus migrans). Weiter leben hier Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus), Berglaubsänger (Phylloscopus bonelli) und Mauerläufer (Tichodroma muraria).[7]

Von geschützten Pflanzen wachsen hier Europäisches Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens), Nizza-Wolfsmilch (Euphorbia nicaeensis) und Stechender Mäusedorn (Ruscus aculeatus).[7]

Hier lebende geschützte Tierarten sind Gartenschläfer (Eliomys quercinus), Siebenschläfer (Glis glis), Eurasisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) und Waldspitzmaus (Sorex araneus) sowie die Mauereidechse (Podarcis muralis).[7]

Abenteuersport am Monte Brento

Klettern

Route Boomerang. Langer Linksquergang ca. 200 m vor dem Ausstieg

Die bis zu 1300 m hohen Ostwände des Monte Brento gehören zu den eindrucksvollsten Felswänden der Alpen. Die niedrige Gipfelhöhe darf über die Ernsthaftigkeit der Kletterrouten nicht hinwegtäuschen. Objektive Gefahren sind neben der reinen Länge der Routen der mögliche Steinschlag sowie die schlechten Rückzugsmöglichkeiten aus dem oberen Wandbereich.[4] Im zentralen, überhängenden Wandteil ist ein Rückzug fast nicht möglich.[8]

Im linken Wandteil verläuft in moderaten Schwierigkeiten (maximal VI) der Klassiker Via del Boomerang von 1979. Die Route ist ca. 1000 m lang und eine der bekanntesten langen Routen im Sarcatal. Das Gestein ist meist fest, außer in den schwer zu findenden, brüchigen Ausstiegslängen.[4] Die Route verlangt einen sicheren Vorsteiger angesichts der teilweise schwierigen Wegfindung sowie den häufig weiten Abständen zwischen den Sicherungspunkten. Bei anhaltenden Schwierigkeiten, langem Zu- und Abstieg muss sich auch eine flotte Seilschaft sputen, um am Abend zurück im Tal zu sein.[4]

Im zentralen Wandteil verläuft die Bigwall-Route Il Grande Incubo (ital. Der Große Albtraum). Für die 1200 m lange Route mit schweren technischen Passagen und schweren Freikletterstellen (VII, A3, 35 Seillängen) sind zwei Biwaks einzuplanen, eines davon in der überhängenden Gipfelwand.[4][8] Obwohl die Route im Arco-Kletterführer als sehr schön und lohnend eingestuft ist, charakterisiert sie Fitz Miller folgendermaßen: „die Wand hängt im oberen Teil gewaltig über, der Fels ist über weite Strecken mies, die Haken sind schlecht“.[4][8]

Die spektakulärste Route gelang David Lama und Jorg Verhoeven mit der freien Begehung von Brento Centro im Jahre 2010, die sich durch die Riesendächer des bis zu 200 m überhängenden zentralen Wandteils schlängelt.[9] Die Route ist 1100 m lang, hat 28 Seillängen, davon sechs im 10. Grad und zehn im 9. Grad.[9] Die Route führt über riesige Überhänge, ist extrem ausgesetzt und hat viele Passagen in brüchigem Fels.[4] Nach der Erstbegehung der Route im Bigwall-Stil im Jahr 2009 in drei Tagen folgte Anfang Mai 2010 eine Woche Vorbereitung mit „ausbouldern“ der schwierigsten Stellen. Die freie Begehung gelang dann am 25. Mai 2010 an einem Tag.[9]

Base-jumping

Der Monte Brento ist mit seinen 1200 m Höhenunterschied ein beliebtes Ziel für Basejumper und Sprungschulen aus aller Welt. Jährlich werden hier ca. 15.000 Sprünge absolviert, das macht dem Monte Brento zum beliebtesten Absprungplatz der Welt.[10] Der bekannteste Absprungort heist Becco dell Aquila (ital. Adlerschnabel). Die Felsplattform am Absprungort ist 15 × 5 Meter groß und leicht zum Sarcatal hin geneigt. Vom vielen Betreten durch Basejumper ist sie inzwischen poliert und rutschig.[10] Die 400 m freier Fall dauern ca. 10 Sekunden. Der Landepunkt befindet sich bei dem Parkplatz Parcheggio an der SS 45bis. Wetterstationen und Windsäcke an Absprungort und Landeplatz sind vorhanden.[10]

Anmerkungen

  1. Karte des Natura 2000 Gebiets „Monte Brento“
Commons: Monte Brento – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Monte Brento. In: natura2000.eea.europa.eu. Abgerufen am 2. März 2024 (englisch).
  2. M. Bassetti: Studio geomorfologico sulle “Marocche” di Dro (Trentino occidentale). In: Studi Trent. Sci. Nat., Acta Geol. Band 72, 1995, S. 5–30. Zitiert in: Michele Bassetti, Andrea Borsato: Evoluzione geomorfologia della Bassa Valle dell Adige dall ultimo massimo glaciale: sintesi delle conoscenze e riferimenti ad aree limitrofe. (PDF; 4,9 MB). In: Studi Trent. Sci. Nat., Acta Geol. Band 82, 2005, S. 36 f.
  3. Susan Ivy-Ochs, Silvana Martin, Paolo Campedel et al.: Geomorphology and age of the Marocche di Dro rock avalanches (Trentino, Italy). In: Quaternary Science Reviews N. 169, August 2017, ISSN 0277-3791, S. 195–199.
  4. Diego Filippi: Hohe Wände bei Arco. Edizione Versante Sud, Milano 2013, ISBN 978-88-96634-74-5, S. 246 ff.
  5. Monte Brento - ZSC e ZPS in Trentino - Aree protette. Abgerufen am 27. Februar 2024 (italienisch).
  6. IT3120115 MONTE BRENTO. Abgerufen am 27. Februar 2024 (italienisch).
  7. NATURA 2000 - STANDARD DATA FORM. Abgerufen am 27. Februar 2024 (italienisch).
  8. Fritz Miller: Bigwall-Abenteuer am Monte Brento. In: Bergfreunde.de. 15. Mai 2015, abgerufen am 28. Februar 2024.
  9. David Lama: Brento Centro. In: bergsteigen.com. 30. Mai 2010, abgerufen am 28. Februar 2024.
  10. Monte Brento. In: Italian B.A.S.E. Association. Abgerufen am 28. Februar 2024 (englisch).
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