Moritz Gathmann
Moritz Gathmann (* 17. April 1980 in Göppingen) ist ein deutscher Journalist mit Schwerpunkt Osteuropa.

Leben
Nach dem Abitur am Hohenstaufen-Gymnasium in Göppingen und dem Zivildienst in Berlin studierte Moritz Gathmann Geschichte und Russistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2003 absolvierte er ein Praktikum am Caucasus Media Institute in Jerewan. Gathmann ist verwandt mit dem Journalisten Florian Gathmann.
Werdegang
Nach Abschluss des Studiums begann er 2007 ein Redaktionsvolontariat beim Tagesspiegel. Von 2008 bis 2013 arbeitete Gathmann als freier Russland-Korrespondent für Spiegel, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Tagesspiegel und andere Medien. Anfang 2014 berichtete er für Zeit online und von 2014 bis 2015 für den Spiegel vom Euromaidan und vom russisch-ukrainischen Krieg im Donbass. 2016 bis 2019 arbeitete Moritz Gathmann als Fernsehmoderator für den russischsprachigen Berliner Fernsehsender OstWest. Ab 2019 leitete er das Innenpolitik-Ressort „Berliner Republik“ der Monatszeitschrift Cicero.[1] Ab Februar 2022 war er Chefreporter und berichtete für Cicero, aber auch Rundfunk[2]- und TV-Sender[3] direkt aus der Ukraine über den russischen Überfall.[4] Seit Juni 2023 arbeitet er wieder als freier Journalist. Seit August 2023 arbeitet er für den stern.[5] Hier äußert er sich vor allem kritisch zur Ukraine.[6]
Tätigkeit für russisches Propagandamedium
Von 2010 bis 2014 schrieb Gathmann für die vom russischen Staat finanzierte Zeitungsbeilage Russland Heute. Als Zeit Online im März 2014 von dieser Tätigkeit erfuhr, trennte sich die Redaktion mit sofortiger Wirkung von Gathmann und kennzeichnete die bereits erschienenen Artikel mit einem Hinweis.[7] Gegenüber Newsroom.de rechtfertigte sich Gathmann mit den Worten: „In gewisser Weise hat die Redakteursarbeit für Russland Heute mir auch erlaubt, mich in der übrigen Zeit mit ‚reinem‘, aber schlecht bezahltem Journalismus zu beschäftigen.“ Der Geschäftsführer von n-ost Hanno Gundert kritisierte die Tätigkeit: „Moritz Gathmanns Tätigkeit für Russland Heute war ein Verstoß gegen die Grundsätze journalistischer Unabhängigkeit.“[8] Gathmann beendete seine Arbeit für Russland Heute zwar umgehend, wurde von Zeit Online allerdings ebenfalls nicht mehr beauftragt. Grund dafür war, dass ein Zeit-Autor erst „nach einer gewissen Übergangszeit“ über ein Thema schreiben könne, für das er zuvor PR gemacht habe, wie der stellvertretende Chefredakteur Markus Horeld gegenüber dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier mitteilte.[9]
Auszeichnungen
- 2015: n-ost-Reportagepreis für den Text „Granaten und Rosen“[10]
- 2019: Grimme-Online-Award für das Projekt „buterbrod und spiele“[11]
Weblinks
- Tiefgräber und Waldläufer Website von Moritz Gathmann
- Moritz Gathmann bei Stern.de
Einzelnachweise
- Moritz Gathmann. Abgerufen am 28. Juni 2021.
- deutschlandfunk.de: Lage in Charkiw - Cicero-Chefreporter Moritz Gathmann: "Die Stadt ist relativ tot". Abgerufen am 8. Juni 2023.
- Schaltgespräch aus Saporischschja mit Moritz Gathmann zur Situation in der Ukraine am 1. Oktober 2022. Abgerufen am 8. Juni 2023 (deutsch).
- Немецкий журналист Мориц Гатман уже восемь месяцев пишет репортажи с войны. Мы поговорили с ним сразу после ее начала, а теперь сделали это еще раз — чтобы понять, как изменилась Украина (и он сам). Abgerufen am 21. Oktober 2022 (russisch).
- Vier Neue beim „Stern“ - Aktuelle Meldungen - News - newsroom.de. 1. August 2023, abgerufen am 26. November 2023 (deutsch).
- Stern.de: Moritz Gathmann: Selenskyj ist längst nicht mehr der Held, der er im ersten Kriegsjahr war vom 23. Februar 2024, Wolodymyr Selenskyj – der Abgekämpfte vom 17. Februar 2024, Ukraine: unterwegs in einem Land, das müde vom Krieg ist vom 31. Dezember 2023, Ukraine: Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner will mehr hin vom 15. November 2023.
- Interessenskonflikt mit Folgen: Warum Zeit Online sich von Autor Moritz Gathmann trennte - HORIZONT. Abgerufen am 26. November 2023.
- Fehler im System: „Zeit Online“ setzt erfahrenen Russland-Korrespondenten vor die Tür - Aktuelle Meldungen - News - newsroom.de. 10. März 2014, abgerufen am 26. November 2023 (deutsch).
- Kurzer Prozess: „Zeit Online“ und der geschasste 150-Euro-Reporter – Stefan Niggemeier. 11. März 2014, abgerufen am 26. November 2023 (deutsch).
- https://cms.n-ost.org/files/uploads/PM_Preistraeger_Reportagepreis_2015.pdf
- Buterbrod und Spiele. Abgerufen am 28. Juni 2021.