Najat Abed Alsamad

Najat Abed Alsamad (arabisch نجاة عبد الصمد, DMG Naǧāh ʿAbd-aṣ-Ṣamad, * 1967, As-Suwaida, Syrien), alternative Schreibweise Najat Abdul Samad, ist eine in Deutschland lebende syrische Schriftstellerin, ehemalige Gynäkologin und Geburtshelferin. Sie stammt aus der syrischen Volksgruppe der Drusen und hat mehrere Romane und Kurzgeschichten auf Arabisch veröffentlicht. Ihr auf Deutsch unter dem Titel Kein Wasser stillt ihren Durst erschienener Roman wurde 2018 mit dem Katara-Preis für den arabischen Roman ausgezeichnet. Ihre Werke zählen zur syrischen Exilliteratur.

Leben und Werk

Abed Alsamad wurde 1967 in As-Suwaida, Syrien, als Mitglied der lokalen drusischen Volksgruppe geboren. Nach ihrer medizinischen Ausbildung zur Gynäkologin und Geburtshelferin und mehrjähriger Tätigkeit in diesem Beruf erwarb sie zusätzlich einen Bachelor-Abschluss in arabischer Sprache und Literatur an der Universität Damaskus.[1]

In einem Interview aus dem Jahr 2017 sprach sie davon, dass sie in ihrer Klinik Frauen getroffen habe, die alles verloren hätten, die Verständnis, Hilfe, Anleitung und Behandlung brauchten und dass viele von ihnen unter mehreren Formen von Gewalt und Übergriffen gelitten hätten. Darüber hinaus hatte sie zu Beginn der syrischen Revolution seit 2011 viele schwere Verletzungen von Krankenhauspatienten in Darʿā miterlebt, nachdem die syrische Armee diese Stadt angegriffen hatte.[2][3]

2010 erschien ihr erster Roman Bilad al-Manafi (Länder des Exils). Diese Geschichte handelt von den Frustrationen, mit denen junge Geflüchtete konfrontiert sind, wenn sie ihre Arbeit in ihrer Heimat verloren haben und dann jede Art von Beschäftigung im Exil annehmen müssen. In ihrer Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel Ghornikat Suria (Syrische Gernikas), benannt nach der historischen Zerstörung der baskischen Stadt Gernika, erzählte sie von den Folgen des Krieges, die sich auf die Familien auswirkten, wobei die Männer entweder als Kämpfer abwesend waren, verstümmelt oder getötet wurden, und wie die Verantwortung und wirtschaftliche Last für die Familie den Frauen zufiel.[3]

Ihre Romane Bilad Al Manafi (Länder des Exils) und La Ma' Yarweeha (Keiner stillt ihren Durst) sind Geschichten, die vor dem politischen und sozialen Hintergrund der Provinz As-Suwaida spielen. Diese Region wird als karg und zerklüftet dargestellt, das Wasser ist knapp, und die Beziehungen zwischen den Menschen sind zerrüttet. Seit der osmanischen Zeit und während seiner gesamten modernen Geschichte leidet es unter Aufständen, Chaos und Kämpfen, wie die Autorin erklärte.[3]

Ihr im arabischen Original bereits 2016 erschienener Roman La Ma' Yarweeha wurde 2018 mit dem bedeutenden Katara-Preis für arabische Romane ausgezeichnet.[4] Er erschien 2023 in der Übersetzung von Larissa Bender. Erzählt von einer Drusin, die sich gegen gesellschaftliche Traditionen auflehnt und dafür bestraft wird, indem sie im Keller ihres Elternhauses eingesperrt wird, handelt der Roman auch von den Bräuchen, Traditionen und Mythen der drusischen Gemeinschaft. Passagen aus der mündlichen Erzähltradition, die den Kapiteln des Buches vorangestellt sind, geben darüber hinaus Einblick in das Leben von Frauen, die unter ihrem von Männern geprägten Lebensstil leiden. 2022 veröffentlichte Abed Alsamad ihren dritten Roman, Khayṭ al-bandūl (Der Faden des Pendels).[5]

Rezeption

Auszüge aus Abed Alsamad Schriften, ins Englische übersetzt und kommentiert durch die syrische Hochschuldozentin Ghada Alatrash, wurden in den Vereinigten Staaten in öffentlichen Radiosendern ausgestrahlt. In einem Artikel vom Januar 2016 bezeichnete das amerikanische Webmagazin PBS NewsHour Abed Alsamads Werke als „poetisch und reich an Bildern“ und stellte „die Dringlichkeit des Lebens in Syrien und den Kampf der Familien um die Aufrechterhaltung der Stabilität unter der Bedrohung durch den Krieg“ dar.[1][6]

In der Widmung ihres Buches Imagining Justice for Syria zitierte die US-amerikanische Diplomatin Beth Van Schaack Abed Alsamads Gedicht When I Am Overcome by Weakness (Wenn ich von Schwäche überwältigt werde).[7][8]

Die deutsche Literaturorganisation LitProm wählte den Roman Kein Wasser stillt ihren Durst für die Frühjahrsliste 2024 der sieben besten kürzlich übersetzten Werke aus.[9] Über diesen Roman urteilte der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler und Publizist Hamed Abdel-Samad:[4]

„Die Geschichte erzählt nicht so sehr von Individuen, sondern vielmehr von einem Ort und dessen Auswirkungen auf die Menschen, die dort leben. Die wahre Protagonistin des Romans ist Sweida und die umliegenden Dörfer, der Ort, der von Durst regiert wird, dessen Schicksal vom Warten bestimmt wird und um den das Gespenst der Abwesenheit und des Verlusts schwebt. [...] Durst als Metapher für Entbehrung, Mangel und Hoffnungslosigkeit. Ressourcenknappheit, emotionale Dürre und das Fehlen von Kommunikationskanälen zwischen Individuen sind die eigentlichen Krisen, unter denen alle leiden.“

Werke

  • Bilad Al Manafi (Länder des Exils), Roman, Dar al-Rayyis 2010
  • Ghornikat Suria (Syrische Gernikas), Kurzgeschichten, 2013
  • Fi Hananya Al Harb (In der Zärtlichkeit des Kriegs), Kurzgeschichten, 2015
  • La Ma' Yarweeha
    • dt. Kein Wasser stillt ihren Durst, Roman. Aus dem Arabischen von Larissa Bender. Edition Faust, Frankfurt am Main 2023, ISBN 978-3-949774-27-0
  • Manazel al-Awtan (Heimat der Vaterländer), Bayt al-Muwaten al-Souri, Beirut 2018
  • Khayṭ al-bandūl (Der Faden des Pendels), Roman, Dar Nofal, 2022

Literatur

  • Najat Abed Alsamad, Ghada Alatrash: On Understanding Syrian Diasporic Identities through a Selection of Syrian Literary Works. In: Journal of Contemporary Issues in Education. 2020 (englisch, academia.edu).
  • Ghada Alatrash: Stripped to the Bone: Portraits of Syrian Women (Women of Syria). Petra Books, 2016, ISBN 978-1-927032-46-6, S. 28–29 (englisch, google.com).

Einzelnachweise

  1. 'Imagine our helpless feeling' -- a Syrian writer's plea to the world. 21. Januar 2016, abgerufen am 2. März 2024 (amerikanisches Englisch).
  2. Syria protests: Rights group warns of 'Deraa massacre'. In: BBC News. 5. Mai 2011 (bbc.com [abgerufen am 2. März 2024]).
  3. مجلّة صُوَر تحاور الطبيبة والروائيّة نجاة عبدالصمد. [Suwar Magazin interviewt Ärztin und Romanautorin Najat Abdel Samad]. In: www.suwar-magazine.org. 28. August 2017, abgerufen am 2. März 2024 (arabisch).
  4. Ausgezeichnet mit dem Katara-Preis für arabische Romane: "Kein Wasser stillt ihren Durst" der Syrerin Najat Abed Alsamad nun in deutscher Übersetzung. 13. Oktober 2023, abgerufen am 2. März 2024 (deutsch).
  5. Amani Al-Saifi: رواية "خيط البندول" للسورية نجاة عبد الصمد: "خيط البندول" رواية سورية تعبر عن حياة مجتمعية وإنسانية معاصرة | Qantara.de. [Der Roman "Der Pendelfaden" von Najat Abdel Samad - Weit entfernt vom westlichen Individualismus - die Ethik der Fürsorge für andere in der heutigen Gesellschaft]. In: qantara.de. 5. Februar 2024, abgerufen am 2. März 2024 (arabisch).
  6. Take a peek into Syria through the poetry spurred by its war. theworld.org, 12. Oktober 2013, abgerufen am 2. März 2024 (englisch).
  7. Beth Van Schaak: Imagining Justice for Syria, Dedication. In: academic.oup.com. Lieber Studies Series and Oxford University Press, 2020, abgerufen am 1. März 2024 (englisch).
  8. Die vollständige Übersetzung dieses Gedichts wurde veröffentlicht in Ghada Alatrash: Stripped to the Bone: Portraits of Syrian Women (Women of Syria). Petra Books, 2016, ISBN 978-1-927032-46-6, S. 28–29 (englisch, google.com).
  9. AKTUELL: Weltempfänger 62 / Litprom. Abgerufen am 2. März 2024.
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