St. Johannes der Täufer (Leonberg)
Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer steht in Leonberg, einer Stadt im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Dekanat Böblingen der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Geschichte
Eine kleine Kirche aus Holz wurde Anfang des 20. Jahrhunderts an der Bahnhofstraße errichtet und am ersten Advent 1901 Johannes dem Täufer geweiht. Die katholische Gemeinde in Leonberg bestand damals aus weniger als 100 Personen. Sie gehörte zur Pfarrei Weil der Stadt. Als die Zahl der Gläubigen wuchs, kaufte die Kirchenpflege das Grundstück, auf dem heute die Kirche St. Johannes d.T. steht.
Durch Geflüchtete und Vertriebene stieg die Zahl der Katholiken in Leonberg nach dem Zweiten Weltkrieg innerhalb weniger Jahre von 600 auf 6.000. Daraufhin gründete die Diözese Rottenburg eine Stadtpfarrgemeinde in Leonberg. Ihr erster Pfarrer war Anton Kner.
Die neue Kirche an der Stohrerstraße wurde 1948 bis 1951 nach einem Entwurf des Architekten Alfred Schmidt erbaut. Die Bauzeit war unter anderem deshalb so lang, weil die Arbeiten im August 1949 für ein Jahr eingestellt werden mussten. Bereits im Juni 1948 hatte die Währungsreform die Finanzierung gefährdet. Bischof Carl Joseph Leiprecht weihte den Neubau am 24. Juni 1951, dem Johannistag. Der Kirchturm war zu diesem Zeitpunkt zwar schon angelegt, aber noch nicht in voller Höhe errichtet. Auch Glocken, Orgel und Heizung fehlten noch. Erst zehn Jahre später, 1961, wurden der 44 Meter hohe Turm vollendet und die Glocken geweiht.
Beschreibung
Die Basilika aus Quadermauerwerk besteht aus dem Langhaus mit einem breiten Mittelschiff und zwei schmalen Seitenschiffen, dem eingezogenen, halbrund geschlossenen Chor im Westen und dem mit einem Kegeldach abgeschlossenen Kirchturm an der Südwand des Langhauses. In seinen oberen Geschossen befinden sich die Turmuhr und der Glockenstuhl mit sechs Kirchenglocken.[1]
Umbau

Eine erste Veränderung des Innenraums in den 1970er-Jahren war eine Konsequenz aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil: Der Chorraum wurde verändert, Kommunionbank und Kanzel wurden entfernt. Gerhard Tagwerker gestaltete Altar, Ambo, Tabernakel und die Sedilien. Der neue Altar befindet sich näher bei den Gläubigen als der alte. Er wurde am 18. Mai 1975 geweiht.

Ein grundlegender Umbau erfolgte 2004. Das künstlerische Konzept hatte der in Leonberg lebende Bildhauer Matthias Eder gemeinsam mit dem Esslinger Architekturbüro von Odilo Reutter und Dietmar Schneck entwickelt. Ein „Lebensweg“ aus zehn künstlerisch gestalteten Bronzeplatten führt vom Kirchenvorplatz in die Kirche hinein. Er beginnt an einem ebenerdigen Brunnen und mündet in drei geistliche Elemente: den Altar, das in den Boden eingelassene Taufbecken und eine 7,50 Meter hohe Stele als Symbol der Auferstehung. Dieses Konzept erforderte umfangreiche bauliche Änderungen: Der Vorplatz wurde auf das Niveau des Innenraums angehoben, der Chorraum wurde abgesenkt und der Altar wurde in das Mittelschiff vorgezogen.
In Zusammenhang mit diesem Umbau erhielt die Kirche auch eine Marienkapelle als Ort des stillen Gebets. Sie enthält eine Madonna im Barockstil und ist in Kobaltblau ausgemalt, das als Symbolfarbe für Jesus‘ Mutter Maria steht.
Auf dem Kirchenvorplatz wurde 2005 ein Funktionsgebäude in Form eines Pavillons errichtet. Dort werden unter anderem die Kindergottesdienste gefeiert.
Ausstattung
Altar und Ambo
Der Volksaltar als „Tisch des Brotes“ steht auf einem Podest, das gegenüber dem Kirchenraum um eine Stufe erhöht ist. Die Altarplatte ruht auf zwölf Bronzeplatten, die für die zwölf Apostel stehen. Die Reliquien der Katakombenheiligen Casti und Grati sind nicht in die Mensa des Altars eingemauert, sondern nach urchristlicher Tradition in den Boden eingelassen.
Der Ambo ist ähnlich konstruiert wie der Zelebrationsaltar. Der „Tisch des Wortes“ besteht ebenfalls aus Bronze, steht aber nur auf vier Platten. Sie symbolisieren die vier Evangelisten.
Taufbecken
Das Taufbecken ist als flache, quadratische Bronzeplatte in den Boden eingelassen. Es soll an den Fluss erinnern, in dem der Kirchenpatron taufte.
Orgel
Die Orgel auf der Empore im Westen des Mittelschiffs wurde 2007 von Orgelbau Mühleisen errichtet.[2] Sie ersetzte ein Instrument, das wiederholt während der Gottesdienste ausgefallen war. Ein Orgelsachverständiger hatte der Gemeinde bereits 1994 zu einer neuen Orgel geraten.
Kunstwerke und weitere Ausstattung
Den Kreuzweg malte Siegfried Haas aus Rottweil 1953 als Fresko. Später gestaltete er auch die farbigen Kirchenfenster.
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 461.
- Katholische Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer (Hrsg.): Kirchenführer. 1. Auflage. Leonberg 2007 (drs.de [PDF; 1,2 MB]).