Große Kugelkaryatide N.Y.

Die Große Kugelkaryatide N.Y. (WVZ Sk 416, auch bekannt als The Sphere, Koenig Sphere und Sphere for Plaza Fountain) ist eine monumentale Großplastik und Hauptwerk des deutschen Bildhauers Fritz Koenig (1924–2017).

Große Kugelkaryatide N.Y. (Fritz Koenig)
Große Kugelkaryatide N.Y.
Fritz Koenig, 1967–1971
Bronzeskulptur
764 × 520 cm
Liberty Park ⊙
165 Liberty Street, New York City, NY 10281
Vorlage:Infobox Gemälde/Wartung/Museum

Die seinerzeit weltgrößte Bronzeskulptur der Neuzeit stand von 1971 bis zu den Terroranschlägen am 11. September 2001 zwischen den Zwillingstürmen auf dem Vorplatz des World Trade Centers in New York City. Das mehr als 20 Tonnen schwere Artefakt konnte nach den Anschlägen als einziges noch erhaltenes Kunstwerk beschädigt, aber weitestgehend intakt aus den Trümmern der eingestürzten Twin Towers geborgen werden. Seither veränderte sich die Rezeption der in den USA vornehmlich als The Sphere bekannten Bronzekugel zu einem bedeutenden symbolischen Mahnmal des 9/11-Gedenkens. Durch die Transformation vom Kunstwerk zum Mahnmal erhielt die Skulptur eine zeitgeschichtliche Bedeutungserweiterung, die jenseits ihrer Rolle in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts von außergewöhnlichem Wert ist.

Nachdem die Karyatide zwischen 2002 und 2017 einen vorläufigen Standort im New Yorker Battery Park gefunden hatte, wurde sie nach Initiativen von Hinterbliebenen der Anschlagsopfer auf Veranlassung der Port Authority of New York and New Jersey wieder in die unmittelbare Nähe ihres ursprünglichen Standorts versetzt. Am 29. November 2017 wurde die nahezu unrestaurierte Große Kugelkaryatide N.Y. als Teil des 9/11 Memorials im Liberty Park am Rande des neu erbauten World Trade Centers schließlich wiedereingeweiht.

Beschreibung

Die Große Kugelkaryatide N.Y. (Sk 416) fällt in Koenigs Schaffensphase verschiedener Karyatiden mit Werken wie Karyatide II (1965, Sk 358) und Große Säulenkaryatide R (1966/1968, Sk 386). Bei dieser Werkgruppe inszenierte Koenig ein Ringen mit beengenden oder lastenden geometrisierenden Massen, bei der tragende Elemente in die Höhe verlängert und so selbst zu wichtigen Teilen der Skulptur werden.[1]

Fritz Koenigs Große Kugelkaryatide N.Y.
World Trade Center, 1976

Koenigs figurative und dennoch abstrakte Komposition entwickelte sich aus Ideen, mit denen er sich bereits seit den frühen 1960er Jahren in einer Vielzahl von Skulpturen im größeren und kleineren Maßstab auseinandergesetzt hatte. 1965 wurde Koenig durch ein gesundheitliches Problem mit seinen Augen zu Experimenten mit dem Motiv eines einzelnen Auges inspiriert, das er in größere geometrische Kompositionen integrierte. Als Beispielskulpuren dienen hier insbesondere Augenvotiv I (1965, Sk 346) und Augenvotiv II (1967, Sk 408).[2]

Für die Skulptur der Brunnenanlage entschied Koenig, dass er mit seinen nach oben weisenden Säulenkaryatiden nicht mit den Hochhausgiganten konkurrieren will. Stattdessen wählte Koenig eine niedrige, rotierende Kugelkaryatide als bewussten Gegenpol zur wolkenkratzenden, unbeweglichen Masse der beiden Zwillingstürme.[3] Letztlich wollte Koenig mit dem Entwurf seiner Plastik ein formales Gegengewicht zu den beiden Wolkenkratzern markieren, die ihm wie eine „David-Goliath-Situation“ erschien.[4][5]

Basierend auf der Idee einer Kugelform entschied sich Koenig für einen stilisierten Kopf mit einem Zyklopenauge, der aus einem Sockel mit Schaft erwächst. Dabei erinnert die obere Hälfte der Skulptur an einen menschlichen Schädel oder einen Helm. Entfernt deuten sich zudem Gesichtszüge an.[6][7][8]

„Yamasaki meinte immer, ich sollte die Skulptur größer und noch größer machen, damit sie zu seinem Entwurf passte, aber ich wollte lieber einen Kontrast dazu. So entwarf ich die Kugel, von der einige Leute sagen, sie erinnere an einen Kopf mit Helm. Da habe ich gelacht und zu Yamasaki gesagt: Der Helm ist da, weil mein Kopf nicht von den Türmen erschlagen werden soll, wenn sie einstürzen.“

– Fritz Koenig: Aussage von Fritz Koenig gegenüber dem World-Trade-Center-Architekten Minoru Yamasaki.[9]

Die Entwurfsphase wurde von einem sich ständig entwickelnden Schaffungsprozeß begleitet. Koenig begann mit einem ersten, etwa 50 cm großen Modell (Kleine Kugelkaryatide I, 1967). Es folgten eine Reihe von Modellen in kleinem Maßstab (Kleine Kugelkaryatide II bis IV, 1967, Sk 409 bis 412) sowie zahlreiche konzeptionelle Begleitzeichnungen (Kugelkaryatide N.Y., 1967, Hz 938 bis 962). Als definitive Entwurfs- und Präsentationsversion im Maßstab 1:12 diente schließlich die Kleine Kugelkaryatide V, N.Y. (1968, Sk 413), das in New York begutachtet wurde und Koenig schließlich den offiziellen Auftrag der Port Authority für die Version der Skulptur im großen Maßstab einbrachte.[10] Ein Modell der Großen Kugelkaryatide N.Y. befindet sich heute im Eingangsbereich des neu erbauten One World Trade Centers. Weiterhin ist ein von Fritz Koenig an die Stadt New York gespendetes Bronzemodell der Skulptur im Maßstab 1:12 als einziges Ausstellungsstück im unterirdisch gelegenen Eingangsbereich der Lobby im National September 11 Memorial and Museum zu sehen.[11][12]

Die Maße der mehr als 20 Tonnen schweren, bronze- und goldschimmernden Skulptur wurden mit einer ursprünglichen Höhe von 7,64 m und einem Durchmesser von 5,20 m angegeben. Damit galt die Skulptur als die seinerseits weltgrößte Bronzeskulptur der Neuzeit und war laut Koenig „die größte Bronze, die nach dem Krieg in einem Stück in Europa gegossen worden ist“.[13][14][15][16][17][18][19]

Die Große Kugelkaryatide N.Y. stand von 1971 bis zu den Terroranschlägen am 11. September 2001 zwischen den Zwillingstürmen auf dem Vorplatz des World Trade Centers in New York City.[20] Das mehr als 20 Tonnen schwere Artefakt konnte nach den Anschlägen als einziges noch erhaltenes Kunstwerk beschädigt, aber weitestgehend intakt aus den Trümmern der eingestürzten Twin Towers geborgen werden.[21] Nachdem die nahezu unrestaurierte Skulptur zwischen 2002 und 2017 einen vorläufigen Standort im New Yorker Battery Park gefunden hatte, wurde sie 2017 in den Liberty Park am Rande des neu erbauten World Trade Centers als Teil des 9/11 Memorials an ihren vorerst letzten Standort versetzt. Der neue Standort liegt in rund 200 Metern Entfernung zum ursprünglichen Standort auf dem Vorplatz des zerstörten World Trade Centers.[22]

Entstehungshistorie

Auftragsanfrage (1967)

Seit August 1966 ließ die Port Authority of New York and New Jersey als Grundstücksbesitzer und Bauherr das World Trade Center an der Südspitze Manhattan errichten. Im Frühjahr 1967 erhielt Fritz Koenig die Anfrage, ob er bereit sei, für die Port Authority einen Auftrag für eine Brunnenanlage anzunehmen. Zu dieser Zeit war Fritz Koenig in Deutschland und den USA bereits als Künstler etabliert. Nachdem der World-Trade-Center-Architekt Minoru Yamasaki die Arbeiten des deutschen Bildhauers in der Staempfli Gallery in New York gesehen hatte, bat er Koenig, eine Skulptur für die von Yamasaki entworfene Brunnenanlage auf dem zentralen Vorplatz zwischen den beiden geplanten Zwillingstürmen des World Trade Centers zu entwerfen.[23][24][25] Es wurde der größte Auftrag, den je ein deutscher Bildhauer für die USA erhalten hat.[26]

Fertigungsprozess (1967–1971)

Die Anfertigung der Skulptur begann im Winter 1968/69 und dauerte bis Ende 1971. Die Arbeiten am Gipsmodell in Originalgröße erforderten einen den Abmessungen gewachsenen Neubau einer scheunenartigen Atelierhalle auf dem Gelände von Koenigs Gehöft in Ganslberg bei Landshut. Die Forderung der Port Authority, den Auftrag in New York abzuwickeln, hatte Fritz Koenig abgelehnt.[27] Koenig wurde bei der Fertigung seines Kunstwerks durch seinen langjährigen Assistenten Hugo Jahn und den Südtiroler Bildhauer Josef Plankensteiner unterstützt.[28] Zunächst wurde ein Modell in Originalgröße aus Gips angefertigt. Ab 1969 wurden die in 67 Einzelteilen zerlegten Gipselemente der Kugel in der traditionsreichen Münchener Kunstgießerei Hans Mayr im Sandgussverfahren in Bronze gegossen. Mit dem fast gleichaltrigen Gießereimeister Hans Mayr III. pflegte Koenig bereits seit 1950 eine enge Beziehung und ließ seither nahezu sämtliche Güsse von ihm fertigen.[29][30]

Anschließend wurden die einzelnen Bronzesegmente mit einem Gesamtgewicht von 17 Tonnen in die Werkhalle nach Ganslberg gebracht und dort auf einem drei Tonnen schweren Stahlgerüst in sechs große Teile zusammengeschweißt. Nach insgesamt 4-jähriger Planung und Herstellung wurde die fertige Skulptur erneut zerlegt und mit Tiefladern und LKW zum Bremer Hafen zu einer Werft transportiert. Vor Ort wurden die Bronzeelemente der Kugel sowie der Sockel in einwöchiger Schweißarbeiten wieder zusammengefügt, so dass Koenigs Skulptur als Ganzes in einer eigens angefertigten, überdimensionalen Holztransportkiste Anfang 1972 den Seeweg über den Atlantik nach New York antreten konnte.[31][32]

Standort World Trade Center (1972–2001)

Nach der Ankunft der Skulptur im New Yorker Hafen zu Beginn des Jahres 1972 wurde die Große Kugelkaryatide N.Y. als zentrales Element der Brunnenanlage Plaza Fountain auf dem Vorplatz des sich noch im Bau befindlichen World Trade Centers installiert. Bei der Einweihungsfeier am 4. April 1973 in Anwesenheit von Nelson Rockefeller in seiner Funktion als Gouverneur des Bundesstaats New York wurde die Große Kugelkaryatide N.Y. als ein „Symbol des Weltfriedens durch Handel“ gefeiert.[33][34]

Die Bronzeskulptur wurde auf einer Porphyrscheibe (Höhe: 1 m, Durchmesser: 25 m) montiert und drehte sich binnen 15 Minuten einmal um ihre Achse. 600 Liter Wasser strömten pro Sekunde aus den unter der Bronzeplastik angebrachten Düsen der zugehörigen Brunnenanlage Plaza Fountain. Das Brunnenwasser wurde dabei in einem um die Kugel verlaufenden Ring auf eine sich an die Kugel anschließende ebene Fläche gespritzt. Dadurch sollte der Eindruck entstehen, dass die Kugelkaryatide aus dem Wasser emporsteigt. Das Wasser wurde über der flachen Gesteinsplatte zum Rand des Brunnens gedrückt, stürzte hier etwa einen Meter tief ab, versank dann durch ein bronzenes Bodengitter, um von da aus wieder zur Mitte in den Wasserkreislauf zurückgeführt zu werden. Konzipiert wurde die hochkomplizierte Technik der Anlage am Institut für Hydrologie und Flussgebietsmanagement der Technischen Universität München, an der Koenig seit 1964 einen Lehrauftrag mit Professorentitel innehatte.[35][36][37]

Die Skulptur samt Brunnenanlage war ein beliebter Treffpunkt der New Yorker. Der ursprüngliche Name „Große Kugelkaryatide N.Y.“ konnte sich bei den New Yorkern nicht durchsetzen. Sie nannten die kugelförmige Skulptur „Koenig Sphere“ oder einfach nur „The Sphere“.[18][38]

Vom Kunstwerk zum Mahnmal

Beschädigung am 11. September 2001

Durch die Terroranschläge am 11. September 2001 wurde die Skulptur überraschenderweise nicht völlig zerstört, sondern blieb zwischen den eingestürzten Türmen des World Trade Centers im Ganzen erhalten mit einigen signifikanten Beschädigungen an der oberen Hälfte der Kugel. Am 21. September 2001 begann eine von der Port Authority zusammengestellte Arbeitseinheit von Kunstexperten und Architekten in den Überresten der eingestürzten Zwillingstürmen nach Resten des Eigentums und Güter der Port Authority zu suchen. In einem am 29. September 2001 erfolgten Bericht an die Port Authority, empfahl der Leiter der Arbeitsgruppe insgesamt sechs Objekte, die eine sofortige Bergung verdienten. Darunter waren zwei massive Fassadenteile der Twin Towers sowie „the remains of the WTC Bronze Fountain Sculpture by artist Fritz Koenig“ (dt.: „die Reste der WTC Brunnenskulptur aus Bronze des Künstlers Fritz Koenig“).[39]

Am 14. Oktober 2001 flog Fritz Koenig nach New York, um zu sehen, was mit seinem Werk passiert. Mit Unterstützung des in New York residierenden stellvertretenden Generalkonsuls Stefan Schlüter konnte Koenig bis auf wenige Meter an seine am Ground Zero liegende Skulptur gelangen. Hier erkannte Koenig, dass seine Skulptur unter das Straßenniveau gesunken war, da der gesamte WTC Plaza in das darunterliegende Einkaufszentrum eingebrochen war. Für den Abtransport aus dem Trümmerfeld musste das Kunstwerk zunächst von seinem Sockel demontiert werden und wurde anschließend in der Nähe des John-F.-Kennedy-Flughafens in einem Flugzeughangar eingelagert, der als Zwischenlager des World-Trade-Center-Memorial-Archivs umgewandelt wurde.[40]

Regisseur Percy Adlon zeigt in seinem Dokumentarfilm „Fritz Koenigs Kugel – Der Bildhauer und der 11. September.“ (engl. Titel „Koenig’s Sphere“) von 2001/2002 die Wiederbegegnung Koenigs mit seinem stark beschädigten Kunstwerk wenige Tage nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und die Aufstellung als Mahnmal. Der Künstler erinnert sich darin an die Entstehung der Kugelkaryatide und spricht über Vergänglichkeit und die Transformation von Kunst angesichts dieser menschlichen Tragödie:

„Jetzt hat sie eine andere Schönheit, eine die ich mir nie vorstellen konnte.
Sie hat nun ihr eigenes Leben – ein anderes als jenes, das ich ihr gegeben habe.“

– Fritz Koenig: Über sein Kunstwerk in Koenigs Kugel – Der Bildhauer und der 11. September[41]

Standort Battery Park (2002–2017)

Battery Park
2002 – 2017
Rundgang um die Skulptur
Battery Park
2012
Battery Park
2011
Battery Park
2007
Battery Park
2008
Battery Park
2012
Battery Park
2012
Battery Park
2015
Battery Park
2009
Battery Park
2011
Battery Park
2007
Battery Park
2008
Battery Park
2008

Im Rahmen eines weiteren Programms der Port Authority und der behördlichen Lower Manhattan Development Corporation (LMDC) gelang es mit Hilfe eines amerikanischen Ingenieurs und seines 20-köpfigen Teams, die einzelnen Teile der Skulptur innerhalb von fünf Tagen im Beisein und mit Unterstützung von Fritz Koenig wieder zusammenzufügen. Im Sinne des Künstlers und im Sinne seines Kunstverständnisses wurde jedoch auf weitere Restaurierungsarbeiten verzichtet. Vielmehr unterstützte Koenig das Anliegen, dass seine Skulptur vom Kunstwerk zum Mahnmal transformiert.[42]

Am 11. März 2002 – exakt sechs Monate nach den Anschlägen – wurde eine Feierstunde anlässlich der Wiederaufstellung der demolierten Großen Kugelkaryatide N.Y. im Battery Park im Beisein von Fritz Koenig, der ehemaligen Präsidentengattin Hillary Clinton New Yorks Gouverneur George Pataki sowie dem New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg abgehalten.[43]

Kurz nach der Aufstellung im Battery Park wurde die Skulptur zum „Interim Memorial“ („vorübergehend eingerichtete Gedenkstätte“) für die Opfer der Anschläge ernannt.[18] Mit einer am 11. September 2002 an der Skulptur aufgestellten „Ewigen Flamme“ wurde Koenigs Kugel zu einer „Ikone der Hoffnung“ und zum „Symbol für den unzerstörbaren Willen einer ganzen Nation“, so die zugehörige Gedenktafel der Skulptur. Koenigs Kugel vertritt seitdem die zusätzlich die Botschaft des Gedenkens und Mahnens an die Terroranschläge.[44][45]

Kontroverse um Aufstellung als Teil der 9/11-Gedenkstätte (2003–2016)

Im Zuge der Planungen für das neue World-Trade-Center-Gelände mit der ebenfalls neu zu gründenden 9/11-Gedenkstätte entwickelte sich seit der Aufstellung der Skulptur im Battery Park eine Kontroverse um einen „würdigeren“ Platz für Koenigs Kugel auf dem Gelände der 9/11-Gedenkstätte. Doch in den Planungen der Architekten war für das zum Mahnmal transformierte Kunstwerk kein Platz. Für verschiedene Interessensgruppen von Hinterbliebenen der Terroranschläge hatte The Sphere hingegen eine enorme Bedeutung. Sie setzten sich ab 2003 mit Nachdruck für eine Versetzung der Skulptur als Teil der 9/11-Gedenkstätte auf dem Gelände des wiederhergestellten World Trade Centers ein.[46]

Spätestens seit 2009 befand sich Koenigs Kugel in einem besorgniserregenden Zustand. Saurer Regen verunstaltete das Metall der Außenseite, während sich stetig Schimmel, Unkraut, Müll, Rost und Schmutz von Vögeln innen ausbreiteten. Die Battery-Parkverwaltung entwickelte unterdessen eine neue Landschaftsgestaltung, bei der The Sphere keinen Platz mehr hatte und sie aus dem Park entfernen wollte.[47] Mit der Einweihung der offiziellen Gedenkstätte National September 11 Memorial zum 10. Jahrestag der Anschläge am 11. September 2011 veränderte sich die Situation noch einmal grundlegend, und die Sphere wurde als Mahnmal zunehmend in den Hintergrund gedrängt. In Sorge um die Zukunft von Koenigs 9/11-Mahn- und Denkmal sammelte ab Mitte 2012 eine Hinterbliebenen-Organisation in der Online-Petition Save the W.T.C. Sphere (dt.: Rettet die WTC-Kugel) mehrere tausend Unterschriften, die sich für die Rettung der Kugel und ihr Einfügen in die 9/11-Gedenkstätte einsetzte. Im Juni 2012 ließ der Direktor der Port Authority verlautbaren, das er, viele New Yorker und vor allem viele Mitarbeiter der Port Authority das Anliegen der Initiative uneingeschränkt teilen.[48]

Währenddessen folgte mit der Eröffnung des 9/11-Museums im Mai 2014, eine weitere Anlaufstelle, die nun noch mehr Menschen von einem Besuch von The Sphere an ihrem Standort am Battery Park abhielt. Doch die Initiative Save the W.T.C. Sphere blieb hartnäckig und fand letztlich in Zusammenarbeit mit der Port Authority of New York and New Jersey eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung. Als neuer Standort für die zum Mahnmal transformierte Große Kugelkaryatide N.Y. wurde im Sommer 2016 der gerade erst eröffnete Liberty Park am Rande des World Trade Centers verkündet.[49][50]

Standort Liberty Park (seit 2017)

Aufgrund eines am 21. Juli 2016 gefassten einstimmigen Beschlusses der Port Authority of New York und New Jersey erhielt die monumentale Große Kugelkaryatide N.Y. im August 2017 ihren endgültigen Aufstellungsort als Teil des 9/11 Memorial Museum im dazugehörigen Liberty Park zwischen der 90 West Street und der Liberty Street. Als der 92-jährige Fritz Koenig informiert wurde, dass sein „Kind“ künftig im Liberty Park stehen wird, war er laut der mit Koenig vertrauten Kunsthistorikerin Stefanje Weinmayr „wie elektrisiert“. Mit der Situation seiner Bronzeskulptur war Koenig über die Jahre mehr und mehr unzufrieden.[18][51] Zum Gedenken an die Opfer der Terroranschläge erhielt der Liberty Park Koenigs Skulptur als Schenkung der AXA Nordstern Art Insurance Corporation, die nach dem 11. September 2001 zum Besitzer der Sphere geworden war.[52]

Am 6. September 2017 wurde The Sphere nach den Aufstellarbeiten enthüllt.[53] Die offizielle Einweihungszeremonie folgte am 29. November 2017.[54] Der neue Standort der Bronzeskulptur liegt etwa 200 Meter vom ursprünglichen Standort auf dem Vorplatz des am 11. September 2001 zerstörten World Trade Centers entfernt. Über dem alten Standort führt seit Juni 2015 das neu gebaute Teilstück der Greenwich Street zwischen Vesey Street und Liberty Street.[55][56][57][58]

An ihrem endgültigen Standort zieht die vom Kunstwerk zum Mahnmal transformierte Große Kugelkaryatide mittlerweile mehr Besucher als je zuvor an.[59]

Rezeption

Die Geschichte der Großen Kugelkaryatide N.Y. hat die Erinnerungskultur in den USA als authentisches Zeugnis für die Ereignisse des 11. September 2001 entscheidend mitgeprägt.[60] Seit der Bergung aus den Trümmern der eingestürzten Twin Towers veränderte sich die Rezeption der in den USA vornehmlich als The Sphere bekannten Bronzekugel zu einem bedeutenden symbolischen Mahnmal des 9/11-Gedenkens und zu einem wichtigen Symbol für „Hoffnung, Widerstandsfähigkeit und Überlebenswillen“ einer ganzen Stadt und Nation. Koenigs Skulptur wurde als „ein leuchtendes Zeichen der Hoffnung inmitten von Schutt und Trümmern und ein wahres Licht in einer Zeit der Dunkelheit.“ betrachtet.[61][62]

Durch die Transformation vom Kunstwerk zum Mahnmal erhielt Fritz Koenigs Skulptur eine zeitgeschichtliche Bedeutungserweiterung, die jenseits ihrer Rolle in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts von außergewöhnlichem Wert ist.[63]

„Durch Zerstörung, Bewegung und Wiederaufstellung als versehrtes, aber ungebrochenes Mahnmal erhält die Kugelkaryatide visionären Symbolcharakter, der über den allen Kunstwerken immanenten Ewigkeitsanspruch hinausgeht.“

– Wolfgang Till, Direktor des Münchner Stadtmuseums[64]

Ausstellungen

  • 2021: The Way We Remember in der Wallach Art Gallery der Columbia University, New York (10.September 2021 bis 13.November 2021)[65]
  • 2021: 9/11 und die Koenig Kugel im Koenigmuseum, Landshut (11.September 2021 bis 11.Februar 2022)[66]

Dokumentarfilme

Literatur

  • Freundeskreis Fritz Koenig e.V. (Hrsg.): The Sphere – Vom Kunstwerk zum Mahnmal. Freundeskreis Fritz Koenig e.V., Landshut 2021, ISBN 978-3-9821346-2-8.[67]
Commons: The Sphere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Peter Anselm Riedl: Fritz Koenig und das Thema der Vergänglichkeit Architekturmuseum der TU München, 2005
  2. Holger A. Klein: Von Ganslberg nach Manhattan. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 103
  3. Holger A. Klein: Von Ganslberg nach Manhattan. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 105/107
  4. The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 45
  5. Fritz Koenig: Brunnenanlage mit Kugelkaryatide N.Y.
  6. The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 7
  7. Kurt Martin: Die Kugelkaryatide N.Y. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 65
  8. Holger A. Klein: Von Ganslberg nach Manhattan. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 107
  9. Holger A. Klein: Von Ganslberg nach Manhattan. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 109
  10. Holger A. Klein: Von Ganslberg nach Manhattan. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 103
  11. The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 7
  12. Jan Seidler Ramirez: Koenigs Sphere nach der Katastrophe des World Trade Centers. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 161
  13. „From 1971 until the September 11, 2001, attacks, the world’s biggest bronze sculpture of modern times hung between the two buildings on the Austin J. Tobin Plaza of the World Trade Center in New York City..“ Statues and Sculptures in New York – 10 Most Famous. artst (online); abgerufen am 10. Ärz 2024
  14. Uli Karg: Endlich offen. Landshuter Zeitung, 11.September 2021, aus dem Archiv der Columbia University New York; abgerufen am 8. März 2024
  15. Fritz Koenig: Brunnenanlage mit Kugelkaryatide N.Y.
  16. Kurt Martin: Die Kugelkaryatide N.Y. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 69
  17. Kurt Martin: Die Kugelkaryatide N.Y. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 69
  18. David W. Dunlap: Koenig Sphere Moving to WTC Liberty Park, Port Authority Says. In: The New York Times. 21. Juli 2016, abgerufen am 23. Februar 2017 (englisch).
  19. Fritz Koenig ist tot. Landshut trauert um weltberühmten Bildhauer. In: BR24. 23. Februar 2017, archiviert vom Original am 19. Februar 2018; abgerufen am 23. Februar 2017.
  20. Informationen und Beschreibung der Großen Kugelkaryatide N.Y.
  21. Damaged, Destroyed, and Recovered Art. Information des National September 11 Memorial and Museums; abgerufen am 10.März 2024
  22. Informationen und Beschreibung der Großen Kugelkaryatide N.Y.
  23. Kurt Martin: Die Kugelkaryatide N.Y. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut, 2021, S. 59
  24. Kathrin Ebermeier: Die Große Kugelkaryatide N.Y. von Fritz Koenig Skulpturenmuseum im Hofberg, Stadt Landshut, 26. November 2018
  25. Holger A. Klein: Von Ganslberg nach Manhattan. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 101
  26. Olga Kronsteiner: 9/11: vernichtete Kunstschätze. artmagazine, 11.September 2002; abgerufen am 8. März 2024
  27. Eberhardt Mestwendt: Die Kugel und der Ganslberg. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 19
  28. Holger A. Klein: Von Ganslberg nach Manhattan. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 111
  29. Kathrin Ebermeier: Die Große Kugelkaryatide N.Y. von Fritz Koenig Skulpturenmuseum im Hofberg, Stadt Landshut, 26. November 2018
  30. Stefanje Weinmayr: Der Guss - Interview mit Hans Mayr III. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 27
  31. Kathrin Ebermeier: Die Große Kugelkaryatide N.Y. von Fritz Koenig Skulpturenmuseum im Hofberg, Stadt Landshut, 26. November 2018
  32. Stefanje Weinmayr: Der Guss - Interview mit Hans Mayr III. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 39
  33. Holger A. Klein: Von Ganslberg nach Manhattan. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 113
  34. Kathrin Ebermeier: Die Große Kugelkaryatide N.Y. von Fritz Koenig Skulpturenmuseum im Hofberg, Stadt Landshut, 26. November 2018
  35. Fritz Koenig: Brunnenanlage mit Kugelkaryatide N.Y.
  36. Fritz Königs „Große Kugelkaryatide N. Y.“ in Manhattens Battery Park endgültig platziert Rundschau Landshut
  37. Kurt Martin: Die Kugelkaryatide N.Y. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 65
  38. Wolfgang Till: Fritz Koenigs Kugel. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 77
  39. Jan Seidler Ramirez: Koenigs Sphere nach der Katastrophe des World Trade Centers. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 139/141
  40. Percy Adlon: Fritz Koenigs Kugel – Der Bildhauer und der 11. September. BR, 2002
  41. Fritz Koenig im Dokumentarfilm Fritz Koenigs Kugel – Der Bildhauer und der 11. September.
  42. Jan Seidler Ramirez: Koenigs Sphere nach der Katastrophe des World Trade Centers. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 145/147
  43. Jan Seidler Ramirez: Koenigs Sphere nach der Katastrophe des World Trade Centers. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 147
  44. „The Sphere“ von Fritz Koenig bei Ruef am Dreifaltigkeitsplatz Rundschau Landshut, 30. September 2019
  45. Percy Adlon: Fritz Koenigs Kugel – Der deutsche Bildhauer Fritz Koenig im Trümmerfeld von Ground Zero. BR, 2002
  46. Jan Seidler Ramirez: Koenigs Sphere nach der Katastrophe des World Trade Centers. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 147
  47. Jan Seidler Ramirez: Koenigs Sphere nach der Katastrophe des World Trade Centers. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 165
  48. Jan Seidler Ramirez: Koenigs Sphere nach der Katastrophe des World Trade Centers. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 167/169
  49. Jan Seidler Ramirez: Koenigs Sphere nach der Katastrophe des World Trade Centers. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 167/169
  50. Holger A. Klein: Eine späte Würdigung Fritz Koenigs. Landshuter Zeitung, 11.September 2021, aus dem Archiv der Columbia University New York; abgerufen am 8. März 2024
  51. Holger A. Klein: Von Ganslberg nach Manhattan. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 115
  52. Jan Seidler Ramirez: Koenigs Sphere nach der Katastrophe des World Trade Centers. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 173/175
  53. Susan Xu: First Glimpse at Koenig Sphere After Its Return to World Trade Center, Now at Liberty Park. New Yorker Architektur- und Kulturmagazin untapped.com; 6. September 2017; abgerufen am 8. März 2024
  54. Joseph Iorio/Ashley Germinario: WTC’S Koenig Sphere, Back Where It Belongs. Mitteilung der Hafenbehörde von New York und New Jersey, 29. November 2017; abgerufen am 8. März 2024
  55. „WTC Sphere“ – Skulptur von Fritz Koenig in New York an 9/11-Gedenkort aufgestellt monopol, 31. August 2018
  56. Holger A. Klein: Von Ganslberg nach Manhattan. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 115
  57. Sharon Otterman: Battered and Scarred, ‘Sphere’ Returns to 9/11 Site New York Times, 29. November 2017
  58. David W. Dunlap: Enduring ‘Sphere’ Sculpture to Return to World Trade Center Site. New York Times, 21. Juli 2016; abgerufen am 10.März 2024
  59. Zach Janisch: Bergung und Rückkehr. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 207
  60. Holger A. Klein: Eine späte Würdigung Fritz Koenigs. Landshuter Zeitung, 11.September 2021, aus dem Archiv der Columbia University New York; abgerufen am 8. März 2024
  61. Gabby Hammond: How the World Trade Center Sphere Traveled NYC After 9/11. 911groundzero.com; 18. September 2020; abgerufen am 7. März 2024
  62. The Sphere, a Symbol of Resilience After 9/11, Is Unveiled at Liberty Park Offizielle Homepage des 9/11-Memorials
  63. 9/11 und die Koenig Kugel. Koenigmuseum, Landshut, 2022; abgerufen am 6. März 2024
  64. Wolfgang Till: Fritz Koenigs Kugel. In: The Sphere – Kunstwerk und Mahnmal. Hrsg. Freundeskreis Fritz Koenig, Landshut 2021, S. 81
  65. Ausstellung The Way We Remember. Wallach Art Gallery der Columbia University, New York
  66. Ausstellung 9/11 und die Koenig Kugel. Koenigmuseum, Landshut
  67. The Sphere – Vom Kunstwerk zum Mahnmal

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