Zeitalter Weimars

Die Zeitalter Weimars ist ein spezielle kulturgeschichtliche Periodisierung der Stadtgeschichte Weimars.[1] Dieses hat seine Ursache im Spannungsfeld, einerseits wegen seiner „Kleinheit“ für einige provinziell zu sein und andererseits durch die Bedeutung für die Kultur überhaupt Weltruf zu besitzen. Peter Merseburger sieht das als Zwiespalt zwischen Geist und Macht an, was letztlich den Mythos Weimar begründet.[2] Der Terminus Technicus hierfür entstand wohl bereits im 19. Jahrhundert. Dabei spielt die Ur- und Frühgeschichte in diesem Konzept allenfalls eine untergeordnete Rolle. Auch die Zeit vor 1250 ist hierfür auch kein Schwerpunkt. Auf die Lokalgeschichte Weimars heruntergebrochen: Es liegt die Konzeption der Kulturzeitalter Karl Lamprechts zugrunde, auch wenn es nicht explizit genannt wird.

Es gibt für einige Perioden in der Stadtgeschichte Weimars spezielle Bezeichnungen, die es sonst für keinen historischen Sachverhalt oder Vergleich gibt. Die Zeit von 1250 bis 1756 ist die Zeit des Glaubens. Diese ist zwar an sich nicht auf Weimar beschränkt, prägte jedoch Weimars Entwicklung doch entscheidend. Da sind die Wirkungen der Reformation und der Aufklärung nur zu deutlich abzulesen.[3] Die Fruchtbringende Gesellschaft ist hierbei zu nennen. Für die für die Literaturgeschichte bedeutsame Zeit der Weimarer Klassik mit Goethe und Schiller, Herder und Wieland hat sich die Bezeichnung Goldenes Zeitalter in Anlehnung an den antiken Mythos als Terminus Technicus eingebürgert. Für die Zeit nach Goethes Tod 1832 insbesondere nach 1848 mit Franz Liszt folgte eine neue Blütezeit Weimars, wobei fraglos auch weiterhin die Literatur von hoher Bedeutung war und blieb, wovon u. a. Karl Gutzkow und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben Zeugnis ablegen, jedoch mit Liszt die Musik zum bestimmenden Faktor des Kulturlebens Weimars wurde, ist das Silberne Zeitalter.[4] Die Zeit von 1807 bis 1846 wird für Weimars Zeitalterperiodisierung auch als Probezeit bezeichnet. Wenigstens ist es in der von Annette Seemann verfassten Kulturgeschichte Weimars der Fall.[5] Das vorherige goldene Zeitalter wurde in Weimar musealisiert um so Weimars Führungsanspruch auf dem Gebiet der Kultur zu unterstreichen. Am deutlichsten ist das am 1864 bis 1868 erbauten Großherzoglichen Museum abzulesen, dessen Baugeschichte am Stegmannsches Haus parodiert worden ist. In diesem Weimarer Zeitalter entstanden zugleich auch für Goethe und Schiller, Wieland und Herder die Denkmale. Auch bekam deren einstiger Landesherr und Protektor Carl August 1875 durch Adolf von Donndorf sein Denkmal. Dem Bildhauer Adolf von Donndorf wurde sogar ein eigenes Museum zugestanden, wenngleich etwas später, 1907. Zugleich wurde auf den Rekurs auf die Olympier, die das sog. Goldene Zeitalter ausmachten, dasselbe beschworen zur eigenen kulturgeschichtlichen Legitimation um vorzugeben ihr Werk fortzusetzen bzw. in ihrem Geiste zu handeln. Die Dichter wurden zum Fundus des Bildungsbürgertums. Diese Zeit reicht etwa bis 1901. In dieser Zeit liegen die Gründungen der Goethe-Gesellschaft bzw. die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft. Diesem folgte ein Neues Weimar, was sich durch Förderung der Kunst und damit der Gründung der Kunstgewerbeschule Weimar. Jedoch zeigte sich bereits die Spannung zwischen einer konservativen Kunstauffassung mit den neuen Tendenzen, wie sie Henry van de Velde bzw. Harry Graf Kessler vertraten. Das wurde zum Krieg der Geister, wobei das sog. „Altweimar“ gegen das Neue Weimar geistig zu Felde zog. Das Altweimar bezog sich auf das Erbe der Klassiker, dessen Wahrung sie für sich reklamierten. Weimar war zu einem Nationalsymbol geworden.[6] Nach dem Ende des Kaiserreiches 1918 folgte 1919 die Weimarer Republik und mit ihr das Bauhaus, das von Anbeginn Anfeindungen ausgesetzt war. So wie die Weimarer Republik, die für Weimar selbst natürlich auch ein eigenes Zeitalter bedeutete, war dem Bauhaus insgesamt kein langer Bestand beschieden. In Weimar endete die Bauhauszeit bereits 1925 mit dessen Umzug nach Dessau. Die Blütezeit der sog. Goldenen Zwanziger, die einen wirtschaftlichen Aufschwung, wenngleich nicht alle davon partizipierten, und zugleich eine kulturelle Blüte bedeuteten,[7] endete in gewisser Weise in Weimar bedeutend eher. In kultureller Beziehung endeten diese mit dem Weggang des Bauhauses. Im Jahre 1933 mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten folgte ihr Ende. Es folgten so eine braune Zeit, die von 1925 bis 1945 reichte und nicht nur mit dem KZ Buchenwald und der Judenverfolgung die düsterste Zeit Weimarer Geschichte markierte.[8], eine rote Zeit der SBZ und der DDR von 1945 1990 verbunden mit einer Kulturpolitik unter staatlicher Lenkung, wo das Erbe der Klassiker im sozialistischen Sinne beansprucht und gedeutet wurde, aber sich Kirchen und Christen immer mehr organisierten gegen das Regime, und die Bunten Zeiten nach 1990. Im Jahre 1999 war in Weimar das Kulturstadtjahr und einige Gebäude und Anlagen wurden in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Die Pflege der Weimarer Kulturgüter erfolgt seit der Zeit unter dem Dach der Klassikstiftung Weimar.

Die Zeitalter Weimars sind auch Teil eines Marketing, wie in der Schillerstraße am Weimarhaus[9] zu erleben ist. Für diese Art von Geschichtsvermittlung gibt es den Terminus Technicus Historytainment.

Siehe auch: Klassisches Weimar

Literatur

  • Annette Seemann: Weimar. Eine Kulturgeschichte, Beck Verlag, München 2012, ISBN 978-3-406-63030-9
  • Georg Schmidt: Durch Schönheit zur Freiheit. Die Welt von Weimar-Jena um 1800. Beck, München 2022, ISBN 978-3-406-78556-6.
  • Peter Merseburger: Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht. München 2013, ISBN 978-3-423-30787-1 (ursprünglich 1998 erschienen).

Einzelnachweise

  1. Die einzelnen Zeitalter Weimars sind im Artikel Weimar umfassend beschrieben, sodass diese hier nicht ausführlich beschrieben werden müssen.
  2. Peter Merseburger: Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht,. München 2013, ISBN 978-3-423-30787-1 (ursprünglich 1998 erschienen), S. 9 ff.
  3. Annette Seemann: Weimar. Eine Kulturgeschichte, Beck Verlag, München 2012, S. 25–58. ISBN 978-3-406-63030-9
  4. Art. Silbernes Zeitalter, in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 401.
  5. Seemann (2013), S. 149–191.
  6. Dazu gab es 2014 im Neuen Museum eine Sonderausstellung, wozu auch ein Katalogband erschien. Wolfgang Holler, Gerda Wendermann, Gudrun Püschel: Krieg der Geister – Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914. Sandstein, Dresden 2014. ISBN 978-3-95498-072-7
  7. https://www.planet-wissen.de/geschichte/deutsche_geschichte/weimarer_republik/weimarer-republik-goldene-zwanziger-100.html
  8. Die Kulturgeschichte Weimars von Peter Merseburger verwendet zum Teil diese Terminologie der Periodisierung. So ist ein Kapitel wie Franz Liszt, Maria Pawlowna und die "Silberne Zeit". Peter Merseburger: Mythos Weimar. Zwischen Geist und Macht. München 2013, ISBN 978-3-423-30787-1 (ursprünglich 1998 erschienen). Auch der Begriff "Goldene Zeit" kommt darin vor. U.a. S. 10.
  9. https://weimar-erkunden.de/weimar-haus/
This article is issued from Wikipedia. The text is licensed under Creative Commons - Attribution - Sharealike. Additional terms may apply for the media files.