Zipserdeutsch
Zipserdeutsch oder Zipserisch (ungarisch: szepességi szász nyelv, rumänisch: Dialectul țipțer) ist ein Sammelbegriff für die – heute nur noch resthaft – in der Zips (heute Slowakei) von den Zipser Sachsen sowie seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert von ausgewanderten Zipsern in einigen Sprachinseln und Ortsteilen (genannt Zipserei) in den Regionen Maramuresch und Bukowina (heute Rumänien) sowie in der Oblast Transkarpatien (heute Ukraine) gesprochenen deutschen Mundarten.

Potokisch-oberländische Ortsdialekte wurden in den mittel-westlichen deutschsprachigen Orten im oberen Poppertal zwischen Poprád (Deutschendorf) im Süden und Szep.béla (Zipser Bela) im Norden gesprochen. Nordöstlich um Podolin (Pudlein) schlossen sich potokisch-niederländische Ortsmundarten an. In der vorletzten vorwiegend deutschsprachigen Stadt Gnézda (Kniesen) wurde eine Übergangsmundart zu potokisch-schlesischen Mundarten gesprochen, welche (bis heute) nur in Komlóskert (Hopgarten) am Nordostrand erhalten war. Südöstlich hinter einem Bergkamm die damals zur Minderheit deutschsprachigen Städte Lőcse (Leutschau, Hauptstadt der Zips) mit niederländischer Ortsmundart und südlicher Igló (Zipser Neuendorf) mit oberländischer Ortsmundart.
Mantakische oder Gründlerische Ortsmundarten wurden in den deutschsprachigen Städten und Dörfern der südöstlichen Unterzips bis über die Südgrenze gesprochen. Metzenseifen außerhalb der Südgrenze mit deutlich verschiedener Mundart ist nicht eingezeichnet, nur der östliche Nachbarort Stósz (Stoß) mit Übergangsmundart zum Metzenseifener Dialekt. Südöstlich der Grenze die Stadt Dobsina (Dobschau) mit ebenfalls abweichendem Dialekt.
Ein Teil der zipserdeutschen Dialekte wies aufgrund der gleichen westmitteldeutschen Herkunft Ähnlichkeiten mit den siebenbürgisch-sächsischen Mundarten auf.[1] Durch Integration Leibeigener und demographische Verschiebungen und Auswanderungen seit Anfang 19. Jahrhundert, aufgrund der staatlich forcierten Magyarisierung ab 1876 durch den ungarischen Staat im 19. und frühen 20. Jahrhundert, schließlich infolge der Evakuierung und Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung in den Jahren 1944 bis 1946 wurde aus der vormals bedeutenden deutschen Bevölkerung eine Minderheit, die in der Folgezeit der Assimilierung an das Slowakische ausgesetzt war. Größere Sprechergruppen des Zipserdeutschen gibt es heute noch in Chmeľnica (Hopgarten, hier wird der Dialekt Outzäpsersch gesprochen) und in Medzev (Metzenseifen).
Dialekte
Die zipserdeutschen Dialekte gehören teils zu den mittelfränkisch basierten Dialekten in der westlichen bis nördlichen Oberzips, teils zu den bairisch basierten Dialekten in der südöstlichen Unterzips. Die Dialekte zeigen auch deutliche ostmitteldeutsche (obersächsisch-schlesische) Einflüsse, im bairisch basierten Dialekt der Unterzips finden sich Einflüsse des Oberzipserischen mit den erwähnten west- und ostmitteldeutschen Merkmalen. Eine einzelne Ortsmundart in der nordöstlichen Oberzips gehört zu den schlesischen Dialekten.[2]
Die Zipser Sachsen verwenden als Selbstbezeichnungen[3] auch die Namen „Potoken“ für die Oberzipser und „Potokisch“ für die Dialekte der Oberzips (im Dialekt: Potokesch/Potoksch[4]) und „Mantaken“ für die Unterzipser, „Mantakisch“ für die Dialekte der Unterzips. Die erste Bezeichnung kommt von slowakisch potok ‚Fluss/Strom‘, weil die Oberzipser entlang des Talkessels des Poprad (deutsch: die Popper) siedelten und siedeln[5], der die Zips von Westen nach Nordosten durchfließt und am Unterlauf in den Dunajec mündet, welcher streckenweise den nördlichen Grenzfluss der Zips bildet. Zur Herkunft des Namens „Mantaken“ gibt es mehrere Theorien, nach Volksetymologien soll er sich von der Unterzipser Dialekt-Nachfrage „Bo:s mant-a?“ ‚Was meint er?‘ (bairischen Entsprechung: „Wo:s mant-a?“) oder von der ungarischen Nachfrage „Mit mondták?“ ‚Was sagen sie?‘ herleiten[6], wahrscheinlich ist aber, dass es eine Kontraktion des selten überlieferten Alternativnamens „Montanaken“ ist, der sich von der häufig gebrauchten Bezeichnung lateinisch montana ‚Bergbewohner, Bergmänner‘ ableitet[7], die Unterzipser lebten bis ins 20. Jahrhundert vorwiegend vom Bergbau und zuarbeitenden Berufen.
Zipserdeutsch unterscheidet sich in folgende Dialekte:[8]
Oberzipser oder potokische Dialekte
Die in der um 1190 bis 1210 deutsch besiedelten Oberzips um Käsmark (Kežmarok) und Pudlein (Podolínec) gesprochenen Mundarten haben eine mittelfränkische Grundlage, weisen aber auch starke ostmitteldeutsche Anteile auf. Ältere Einstufungen des Oberzipserischen als primär schlesisch-obersächsische Dialekte, die heute noch oft in populärwissenschaftlicher Literatur oder Webseiten wiederholt werden, hat endgültig Ernst Schwarz 1957 in der Wissenschaft allgemein akzeptiert widerlegt.[9]
Die potokischen Dialekte teilen sich in das sprecherstärkere „Oberländische“ um Käsmark zwischen den Städten Deutschendorf (Poprad) im Süden und Zipser Bela (Spišská Belá) im Norden und in das kleinere „Niederländische“ nördlich davon um Pudlein, wobei allgemein stark ausgeprägte Ortsdialekte existieren, von denen sich wiederum die Stadtmundarten abheben. Die Dialekte der östlicher gelegenen Städte Leutschau (Levoča) und besonders von Zipser Neuendorf (Spišská Nová Ves) nehmen eine Zwischenstellung zur Mundart der Unterzips ein, wobei die Neuendorfer Mundart zu den Oberländischen Mundarten, die Leutschauer Mundart zu den Niederländischen Mundarten gehört. Die niederländischen Ortsmundarten sind archaischer (Autoren im 19. Jahrhundert schrieben ‚derber‘), stärker auf der Sprachstufe des Mittelhochdeutschen verharrend, als die oberländischen. Das gilt mehr für die Mundarten der Dörfer, als die Stadtmundarten und war besonders ausgeprägt in einzelnen Bergdörfern an den Hängen der Hohen Tatra, deren Ortsmundarten mit wenigen ebenfalls schwer verständlichen oberländischen Bergdialekten volkstümlich in der Zips als ‚Garstvogeldialekt‘ verspottet wurden.
Am Nordrand der Oberzips wurden früher nicht mittelfränkisch-ostmitteldeutsche, sondern schlesische Mundarten gesprochen, der Übergang begann in Pudlein, trat besonders in Kniesen (Hniezdne) hervor, sie waren nördlicher und entlang des Dunajec am Nordrand der Zips verbreitet. Nach den Bevölkerungsverlusten des 16.–18. Jahrhundert waren sie nur noch in wenigen Orten erhalten. Die Dialektreste wurden teilweise nach einer Besiedlung im Laufe des Schwabenzuges von meist schwäbischen Siedlern aus Württemberg, daneben einigen elsässischen und hessischen in den Jahren 1785–87, sowie später bis 1817[10] zurückgedrängt. Die Anzahl dieser deutschen Neusiedler ging ihrerseits durch Landflucht im Zuge der Industrialisierung und Auswanderung nach Amerika erheblich zurück. Allein im 1315 gegründeten Hopgarten (Chmeľnica) am Nordostrand der Zips erhielt sich bis in die Gegenwart ein Ortsdialekt, der eine sehr archaische schlesische Mundart ist, die deshalb neben „Hopgartnerisch“ auch „Outzäpsersch“ (Altzipserisch) genannt wird.
Die slawischen Einflüsse der Oberzipser Mundarten stammen aus dem Slowakischen, dem Polnischen und dem Ukrainischen (genauer aus dem Russinischen).
Unterzipser oder mantakische/gründlerische Dialekte
Die in der zwischen 1260 und 1330 deutsch besiedelten Unterzips (Zipser Gründe) um Göllnitz (Gelnica), Schmöllnitz (Smolník) und Wagendrüssel (Nálepkovo) gesprochenen Dialekte („Gründlerisch“) zeigen eine bairische Grundlage mit starken oberziperischen Anteilen, wobei ebenfalls örtliche Unterschiede bestehen. Nach Untersuchungen des ungarischen Germanisten Sándor Gardonyi und des Leipziger Dialektologen Helmut Protze der Kanzleisprache in Quellen und Chroniken der Unterzipser Bergstädte war Gründlerisch ursprünglich, wie Oberzipserisch eine westmitteldeutsch basierte Mundart mit großen ostmitteldeutschen Einflüssen. Erst seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, als der Bergbau der Region wieder auflebte, kam es zu einem „bairischen Durchbruch“ im Gründlerischen. Zwar betont Protze, dass Kanzleisprachen nicht immer identisch zur gesprochenen Sprache sind (selten verändern sie sich verzögert, oder orientieren sich länger an anderen örtlichen Standards, wie der Zipser Hauptstadt Leutschau), aber es ist trotzdem ein plausibles Indiz, dass Gründlerisch erst Ende 15. Jahrhundert offenbar durch massenhaften Zuzug aus bairischsprachigen Revieren (wie um Schwaz in Tirol) zu einem bairischen Dialekt wurde.[11]
Dabei weicht der Dialekt von Metzenseifen (Medzev), knapp außerhalb der Zipser Südgrenze, deutlich von den untereinander näher stehenden Ortsdialekten in den Zipser Gründen innerhalb der Zips ab, weshalb er als gesonderter Metzenseifener Dialekt eingestuft wird.[12] Manchmal werden auch die zwei anderen teilweise deutschsprachigen Ortschaften im Bodva-Tal südlich der Zips mit einbezogen. Im östlichen Nachbarort Stoß (Štós, seit 18. Jahrhundert ebenfalls südlich der Zips) wird ein Übergangsdialekt zu den Ortsdialekten der Gründe verwendet, auch der Stadtdialekt der Großstadt Kaschau (Košice, wie Metzenseifen nie in der Zips) steht dem Metzenseifnerischen nahe. Die Benennung ist dabei uneinheitlich. Während ältere Literatur oft den Metzenseifner Dialekt neben den im Folgenden genannten Dialekten als Gründner Sonderdialekte neben den eigentlichen gründlerischen Dialekten in der Zips bezeichnen[13], gibt es inzwischen Tendenzen, das Bodva-Tal insgesamt als mantakische Teilregion vom Gründlerischen zu unterscheiden oder die bis heute gut erhaltene Mundart von Metzenseifen als ‚Mantakisch‘ zu bezeichnen.[14]
Der Dialekt von Dobschau (Dobšiná, westlich der Unterzips und südlich der Oberzips, nie Bestandteil der Zips) gilt ebenfalls als eigener Dialekt, wobei die Ortsmundart der westlichsten Unterzipser Bergstadt Wagendrüssel eine Übergangsmundart von den gründlerischen Ortsdialekten zum Dobschauer Dialekt ausgebildet hat. Trotz langer wissenschaftliche Dokumentations- und Erforschungsgeschichte wies erst 1980 der slowakische Germanist Juraj Valiska anerkannt nach, dass der Dobschau-Dialekt keine bairisch basierte, sondern eine mitteldeutsch basierte Mundart mit starken gründlerischen und bairischen Einflüssen ist. Der Dialekt wurde von Valiska auch „Bulejner-Dialekt“ oder „Buleiner-Dialekt“ genannt, weil die Frage „welcher?“, wörtlich „wo einer?“ in ihm „bulejner/buleiner?“ ausgesprochen wird, was die Herkunft zeigt: die Lautverschiebung w > b und o > u hat er mit Gründlerisch/Mantakisch gemein, die Aussprache des Fugen -l- und des Diphthongs -ei- als -ej- mit mitteldeutschen Dialekten.[15]
Ältere Autoren zählten außerdem zwei weit westliche Ortsdialekte im mittelslowakischen Hauerland, deren Siedler schon im Spätmittelalter (im Gegensatz zu den anderen Orten des Hauerlandes) nach sächsischem Recht oft aus den Zipser Gründen angesiedelt wurden, ebenfalls als gründlerische Sonderdialekte: die Dialekte von Krickerhau (Handlová) und von Deutschpilsen (südlichster Ort des Hauerlandes, heute Nagybörzsöny in Ungarn, an der slowakischen Grenze).[16] Die auf historischen Zusammenhängen basierende Zuordnung wird heute dialektologisch nicht mehr vertreten, nach Ansiedlung Ende 14. bzw. Ende 15. Jahrhundert folgten 650–750 Jahre getrennter Entwicklung dieser Ortsdialekte und der Zipser Dialekte, möglicherweise auch durch Zuzüge prinzipiell verändert (s. o.). Die Ortsdialekte des Hauerlandes werden heute alle als vorwiegend schlesisch und bairisch beeinflusst klassifiziert, aber untereinander sehr unterschiedlich und mit Basis in verschiedenen Sprachstufen.[17]
Die auffälligste mantakische Lautverschiebung ist w > b am Wortanfang (bassa statt ‚Wasser‘) in allen Ortsdialekten, daneben in den meisten Dialekten (auch Metzenseifnerisch, aber nicht Dobschauerisch) in gedeckten Silben, die mit einem Konsonanten beginnen, also die Ersetzung fast aller w durch b. Sie stammt aus dem spätmittelalterlichen Bairischen, wurde aber im Hauptgebiet Bayern und Österreich bis 16. Jahrhundert wieder zurückgedrängt, setzte sich aber in bairischen Sprachinseln (neben Mantakisch das Hauerland, Gottscheerisch, Zarz, Zimbrisch, bairische Dialekte in Brünn, Budweis, Deutsch-Brod/Nord-Iglauerisch und Nebotein-Olmütz, Wischauerisch) durch. Potokisch fehlt diese Eigenart, nur benachbarte Dialekte, darunter Hopgartnerisch, haben sie sporadisch übernommen, fast alle Dialekte allein das Einzelwort bir/ba statt ‚wir‘. Die Oberzipser spotteten gern über die mantakische Eigenart.[18]
Die slawischen Einflüsse der Unterzipser Dialekte stammen allein aus dem Slowakischen.
Zipser Dialekte in der Karpatenukraine, Maramuresch, Bukowina und im Banat
Schon ab dem 14. Jahrhundert hatten sich Zipser Tochtersiedlungen als Streusiedlingen in der Karpatenukraine (Transkarpatien) und im heutigen Rumänien gebildet[19], die aber nicht bis ins 18. Jahrhundert bestehen blieben. Mit der Expansion des Habsburgerreiches in den erfolgreichen Türkenkriegen folgte unter den Kaisern Karl VI. (1711–40), besonders Maria Theresia (1740–80) und Joseph II. (1765–90) Anstrengungen, die teilweise entvölkerten Regionen neu zu besiedeln (Karolinische, Theresianische und Josephinische Kolonisation). Die Ansiedlungen, von denen manche im ersten Versuch scheiterten, wurden in der Regierungszeit von Kaiser Franz II./I. (1792–1835) beendet. Als Siedler wurden neben Tschechen, Slowaken, Polen, Ungarn, Russinen, Serben, Rumänen, Kroaten und anderen auch Deutschsprachige angeworben oder angesiedelt. Die größten Herkunftsgruppen waren Schwaben, auch Badener, Hessen, Rheinländer (vgl. Schwabenzug), daneben Tiroler, Deutschböhmen, Österreicher und Steirer, aber auch Zipser Sachsen.
Siedlungsschwerpunkte der Zipser, die in den 1780er–1830er Jahren angesiedelt wurden, waren die Karpatenukraine in der heutigen Ukraine und benachbarten Regionen der Maramuresch und der südwestlichen Bukowina im Norden des heutigen Rumänien. In der Bukowina bildeten sie die größte Gruppe der ländlichen deutschsprachigen, nicht-jüdischen Siedler, vor Deutschböhmen und schwäbisch-fränkischen Bauern[20], auch in den anderen Regionen gehörten sie neben Österreichern und Schwaben zu den zahlreichsten deutschsprachigen Siedlergruppen, die sich meistens in neu errichteten Ortsteilen, genannt Zipserei, selten in neu gegründeten Orten ansiedelten. Um 1850 folgten Zipser Ansiedlungen in vom Steinkohle-Bergbau lebenden Orten im Banater Gebirge in Südwest-Rumänien.
Dadurch etablierten sich mehrere zipserdeutsche Dialekte in diesen Regionen, die teilweise bis heute erhalten sind.[21][22] Die meisten Zipser in der Bukowina und im Banater Bergland waren Bergleute und Schmiede mit Familien, deren Herkunft aus allen Bergbauorten der Zipser Gründe und der südlichen Nachbarschaft bekannt ist und die deshalb Unterzipser mantakische Dialekte verwendeten. Es sind auch Ausnahmen nachgewiesen, einige wenige mit angesiedelte Holzarbeiter, Bauern und andere waren auch Oberzipser, die als Hausdialekt potokische Dialekte sprachen.[23] In der Karpatenukraine waren die Dialekte heterogener. In den Eisenbergwerken und -schmieden von Friedrichsdorf (heute Teil von Koltschyno), Dolha (heute Dowhe) und Dombau (Dubowe) arbeiteten angesiedelte Unterzipser, deren mantakischer Dialekt bis zum Zweiten Weltkrieg dokumentiert ist. Die meistens als „Holzknechte“ (Holzfäller, Forstarbeiter, Flößer, Zimmerleute) für den staatlichen österreichischen Salzbergbau in die südliche Karpatenukraine und die nördliche Maramuresch geholten Zipser stammten dagegen aus der Oberzips. Weil die Mehrheit aus Hopgarten kam, standen die Zipser Dialekte von Männerwies (Jassinja) und Rauhau (Rachiw), die noch bis zum Zweiten Weltkrieg dokumentiert sind, dem Outzäpserschen nahe. Ursprünglich sprachen auch die in denselben Berufen arbeitenden Zipser im nicht weit entfernten Oberwischau (Vișeu de Sus) und sieben benachbarten Dörfern in der Maramuresch/Rumänien eine Variante von Outzäpsersch, wurden hier aber gemeinsam mit Oberösterreichern aus dem Salzkammergut (‚Teitsche‘) angesiedelt, mit denen sie nach anfänglicher Abgrenzung zu einer Gemeinschaft verschmolzen, die die gemeinsame Zipser Identität (nicht die deutsche) annahmen. Die Verschmelzung der Dialekte verlief entgegengesetzt: der Salzkammerguter Dialekt ‚Teitsch‘ verdrängte den schlesischen Dialekt der Zipser, ‚Zäpserisch‘ schrittweise, der zuletzt nur zurückgezogener Haus- und Familiendialekt war und ab den 1970er Jahren in Oberwischau nicht mehr gesprochen und verstanden wurde, womit das bairisch basierte ‚Teitsch‘ zum übergreifenden oberwischaudeutschen Dialekt mit nur einzelnen erhaltenen zipserischen Elementen, Lexemen und Redewendungen wurde.[24]
Literatur
- Julius Gréb: Zipser Volkskunde. Reichenberg 1932.
- Julius Lux: Wörterbuch der Mundart von Dobschau (Zips) (= Deutsche Dialektgeographie. Band 52). Marburg 1961.
- Gabriela Schleusener, Heinz Schleusener: Wörterbuch der deutschen Mundart in Metzenseifen. Shaker, Aachen 2013, ISBN 978-3-8440-1680-2.
- Helmut Protze: Die Zipser Sachsen im sprachgeographischen und sprachhistorischen Vergleich zu den Siebenbürger Sachsen. In: Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde XXIX (2006), S. 142–151.
- Ernst Schwarz: Die Herkunft der Siebenbürger und Zipser Sachsen (= Veröffentlichungen des Südostdeutschen Kulturwerkes. Band B 8). München 1957.
- Juraj Valiska: Die zipserdeutsche Mundart von Chmeľnica (Hopgarten) (= Acta Facultatis Philosophicae Universitatis Safarikanae Presovensis, Philologica. Band 2). Slovenské Pedagogické Naklad, Bratislava 1967.
- Juraj Valiska: K slovensko-nemeckým jazykovým interferenciám v nemeckých nárečiach na Spiši [Zu slowakisch-deutschen sprachlichen Interferenzen in den deutschen Dialekten der Zips]. In: Acta Facultatis Philosophicae Universitatis Šafarikanae, Jazykovedný zborník. Band 4, 1975, S. 187–194.
- Juraj Valiska: Nemecké nárečie dobšinej [Die deutsche Mundart von Dobschau]. Rimavská Sobota 1980.
- Juraj Valiska: Nemecké nárečia horného Spiša [Die deutschen Mundarten der Oberzips]. Stará Lubovna 1982.
- Peter Wiesinger: Deutsche Dialektgebiete außerhalb des deutschen Sprachgebiets: Mittel-, Südost- und Osteuropa. In: Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft. Band 1.2). Hrsg. von Werner Besch, Ulrich Knoop, Wolfgang Putschke, Herbert Ernst Wiegand. 2. Halbband. Walter de Gruyter, Berlin / New York 1983, S. 900–929, zur Zips S. 909 f.
Weblinks
- Slovakia #23 Karpatendeutsche, or Germans in Spiš auf YouTube, Fundierter Überblick eines polnischen Reise-Youtubers (englisch) über die Zipser Sachsen (Schwerpunkte: Käsmark und Hopgarten); am Ende (min. 29:00–31:00) Sprachprobe des Outzäpserschen von zwei Sprechern aus Hopgarten
- WIKITONGUES: Jakob speaking Zipser German auf YouTube auf YouTube, Sprachprobe Zipserseutsch (der Oberösterreichisch-basierte oberwischaudeutsche Dialekt) eines Sprechers aus Cluj-Napoca/Klausenburg (Rumänien)
- Die Zips. In: Deutsches Kulturforum östliches Europa
- Deutsche Ansiedlung in Oberungarn: die Zipser Sachsen. In: zentrum.hu
- Zips. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
- Reinhard Scholtz: Geschichte der Zips und des Ortes Rissdorf. In: Karpatenblatt vom 19. Februar 2021.
Einzelnachweise
- Helmut Protze: Die Zipser Sachsen im sprachgeographischen und sprachhistorischen Vergleich zu den Siebenbürger Sachsen. In: Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde XXIX (2006), S. 142–151.
- Wiesinger 1983, 909 f.
- Vgl. z. B. dieses Interview mit einer älteren Zipser Sächsin (2. Antwort unter dem zweiten Bild) oder dieser Begriffsgebrauch bei Vorstellung einer Oral-History-Trilogie von 2020.
- siehe Eintrag „potokesch“ im Karpatendeutschen Wörterbuch
- Jens Kušnír: Einfluss der slowakischen Sprache auf die deutschen Dialekte der Ostslowakei unter Berücksichtigung der Industrialisierung und der wirtschaftlichen Entwicklung. in: Zeitschrift für interdisziplinäre ökonomische Forschung. (ZIFP 1/2015), S. 35–42. Hier S. 37 (Zitat von Karl-Markus Gauß: Die versprengten Deutschen. München 2008, S. 111; die Herkunft des Namens hat schon der 1944 verstorbene Zipser Forscher Julius Greb (auch: Gyula oder Julius Gréb) im Artikel „Der Name Potokisch.“ beschrieben)
- „Der mantakische Dialekt“ (Webseite von Germanisten, regionalen Historikern und Unterzipsern zur Erhaltung und Erforschung des Dialekts), auch die folgende etymologische Hypothese wird dort erwähnt, aber ohne Erwähnung des Alternativbegriffs „Montanaken“.
- Jens Kušnír: Einfluss der slowakischen Sprache auf die deutschen Dialekte der Ostslowakei unter Berücksichtigung der Industrialisierung und der wirtschaftlichen Entwicklung. in: Zeitschrift für interdisziplinäre ökonomische Forschung. (ZIFP 1/2015), S. 35–42. Hier S. 37 (Wortherkunft als Zitat von Karl-Markus Gauß: Die versprengten Deutschen. München 2008, S. 111)
- Das Folgende, sofern nicht anders angegeben, nach Wiesinger 1983, 909 f.
- Vgl. auch Wiesinger: Ernst Schwarz: Die Herkunft der Siebenbürger und Zipser Sachsen, Ostmitteldeutsche, Rheinländer im Spiegel der Mundarten. München 1957.
- Jens Kušnír: Einfluss der slowakischen Sprache auf die deutschen Dialekte der Ostslowakei unter Berücksichtigung der Industrialisierung und der wirtschaftlichen Entwicklung. In: Zeitschrift für interdisziplinäre ökonomische Forschung. (ZIFP 1/2015), S. 35–42. Hier S. 36–37; Valéria Harnišová: Lehnwörter deutscher Herkunft im slowakischen Dialekt der Region Zips. (Bachelorarbeit) Brünn 2019, S. 20.
- Helmut Protze: Die Zipser Sachsen im sprachgeographischen und sprachhistorischen Vergleich zu den Siebenbürger Sachsen. In: Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde XXIX (2006), S. 142–151.
- Einige Hörproben zu den Unterschieden: germanistische Webseite zum mantakischen Dialekt.
- so Karl Julius Schröer: Versuch einer Darstellung der Deutschen Mundarten des Ungrischen Berglandes mit Sprachproben und Erläuterungen. Wien 1864, S. 21
- Germanistische Webseite zum mantakischen Dialekt mit Karte der zu unterschiedlichen karpatendeutschen Dialektregionen.
- Rezension von Juraj Valiska: Nemecké nárečie dobšinej [Die deutsche Mundart von Dobschau]. Rimavská Sobota 1980 durch Rostislav Landsman (Universität Brünn) in: Sborník prací Filozofické fakulty brněnské univerzity. A, Řada jazykovědná. 1987, vol. 36, iss. A35, S. 140–141 (tschechisch).
- so K.J. Schröer: Versuch einer Darstellung der Deutschen Mundarten des Ungrischen Berglandes mit Sprachproben und Erläuterungen. Wien 1864, S. 21–22.
- Vgl. beispielsweise Franz Latzko: Deutsche Mundarten der Hauerländer Sprachinsel in der Mittelslowakei und die Sprache der Habaner. (Diss.) Klagenfurt 2014.
- Protze S. 142–143
- Mária Papsononvá: Geschichte und Gegenwart der deutsch-slowakischen Sprachkontakte. In: brücken. Germanistisches Jahrbuch Tschechien – Slowakei. 4 (1994), S. 73–94, hier S. 74.
- Claus Stephani: Im Tal der Goldenen Bistritz. aus: Neuer Weg (Bukarest), Jg. 33, Nr. 9934, 30. April 1981, S. 6, veröffentlicht in: Bukovina Society of the Americas. 3. April 2004, abgerufen am 6. März 2024
- Ondrej Pöss: 800 Jahre deutscher Ansiedlung. Zipser Tochtersiedlungen – Zipserei. In: Karpatenblatt. 8. Juni 2010, S. 10 (PDF), abgerufen am 6. März 2024.
- Ondrej Pöss: 800 Jahre deutscher Ansiedlung. Zipser in aller Welt. (Fortsetzung) In: Karpatenblatt. 7. Juli 2010, S. 8 (PDF), abgerufen am 6. März 2024.
- Der in diesem Video von Claus Stephani aus den 1970er Jahren: Zipseri/Ţipţeri din Viseu auf YouTube (Laufzeit: 27:26 min)., in Minute 1:50–3:36 interviewte Bukowina-Zipser spricht Standarddeutsch mit deutlichen schlesisch-basierten phonetischen und syntaktischen Einflüssen. Die Veränderung ü > i und ö > e sind typisch für Schlesisch und Outzäpsersch, kommen im Gründlerischen/Mantakischen nicht vor.
- Anton-Joseph Ilk: Die Oberwischauer Zipser in: Nürnberger Kulturbeirat zugewanderter Deutscher.