Lista Civetta

Als Lista Civetta (Eulen-Liste[1] bzw. Käuzchenliste) werden in Italien Scheinlisten zur Parlamentswahl bezeichnet, die dazu dienen, spezielle Eigenheiten des Wahlverfahrens auszunutzen.

Symbole der Listen

1994, 1996 und 2001 wurden 75 % der Sitze in der Abgeordnetenkammer per Mehrheitswahl und nur noch 25 % per Verhältniswahl vergeben. Dabei wurden allerdings bei der Verhältniswahl Stimmen der erfolgreichen Liste aus der Mehrheitswahl abgezogen. Um dies zu umgehen, wurden für die Mehrheitswahl spezielle Listen, die Liste Civette aufgestellt, die andere Namen trugen als die für die Verhältniswahl. Dadurch wurde der Stimmenabzug vermieden.

Zur Parlamentswahl 2001 traten die Kandidaten des Mitte-links-Bündnisses Ulivo auf der Liste Paese Nuovo, die des Mitte-rechts-Bündnisses Casa delle Libertà auf der Liste Abolizione Scorporo an. 360 der 475 Wahlkreismandate wurden von solchen Kandidaten dieser Listen gewonnen, obwohl die beiden Listen bei der Verhältniswahl nur 0,2 Prozent der Stimmen kamen.[2]

Durch die Wahlrechtsreform 2006 wurde die Mehrheitswahl wieder abgeschafft und die Liste Civetta wurden so obsolet. Während der Europawahl 2004 wurden beide „Parteien“ wiederverwendet. Eine kleine christdemokratische Partei verwendete den Namen Paese Nuovo aber mit einem weißen Fahne mit einem roten Ritterschild geschmückt, welches der Democrazia Cristiana entlehnt wurde und Verdi Verdi trat in einer „Listenvereinigung“ mit der Abolizione Scorporo und Verdi Federalisti an.[3]

Ähnliche Scheinlisten kamen zur Parlamentswahl in Südkorea 2020 mit der Zukunftspartei Koreas (Schwesterpartei der Vereinigten Zukunftspartei) und der Deobureo-shimin-Partei (Schwesterpartei der Deobureo-minju-Partei) zum Einsatz. Bei der Parlamentswahlen in Lesotho 2007 rief die Lesotho Congress for Democracy dazu auf die Zweitstimme der National Independent Party zu geben, während die All Basotho Convention die Lesotho Workers’ Party unterstützte. Bei der Parlamentswahl in Albanien 2005 verbündete sich die Partia Demokratike e Shqipërisë (PD) mit den PRSh, PDR, PDK, BLD, PBKD, PBDSH, LDLNJ und der Balli Kombëtar. Zum Lager der Partia Socialiste e Shqipërisë (PS) wurden die PSD, LSI, PAA, PDSSh, PBDNJ und PAD gezählt, wenn auch ohne Wahlbündnis.[4][5] PD und PS bekamen jeweils weniger als 9 % bei den Zweitstimmen.[6]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Stefan Köppl: Das politische System Italiens: Eine Einführung, Seite 104
  2. The Governance of Britain: Review of Voting Systems: the experience of new voting systems in the United Kingdom since 1997 Seite 151
  3. Europee 12/06/2004 Area ITALIA + ESTERO. Italienisches Ministerium für Inneres, abgerufen am 27. Februar 2024.
  4. Parlamentswahlen 2005 in Albanien: Gespaltene Linke überlässt geeinter Rechte die Macht. In: Albanische Hefte. Nr. 2, 2005, S. 6 und 13 (yumpu.com [PDF]).
  5. Parlamentswahlen 2005 in Albanien: Gespaltene Linke überlässt geeinter Rechte die Macht. In: Albanische Hefte. Nr. 3, 2005, S. 17, 19 (chwev.de [PDF]).
  6. Rezultatet e zgjedhjeve për partitë politike dhe koalicionet në rang vendi. (org.al [PDF]).
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