Chronologie des russischen Überfalls auf die Ukraine

Diese Übersicht ist eine Chronologie des russischen Überfalls auf die Ukraine ab dem 24. Februar 2022. Sie informiert über die wichtigsten Ereignisse seit der russischen Invasion in der Ukraine.

Militärische Lage in der Ukraine. Rot die besetzten Gebiete, Blau die zurückeroberten.

Überfall und russischer Rückzug von Kiew und dem Norden der Ukraine (Februar bis April 2022)

Um die Regierung der Ukraine zu stürzen, versuchten die russischen Streitkräfte am 24. Februar 2022 eine Luftlandeoperation auf dem Flughafen Kiew-Hostomel. Aus den abgehörten Telefonaten russischer Offiziere ging hervor, dass diese zuvor von ihren Kommandeuren aufgefordert wurden, ihre Paradeuniformen für die Siegesparade in Kiew einzupacken.[1] Die Truppen konnten aber zunächst keine Kontrolle über den Platz erringen. Bodentruppen stießen derweil rasch aus mehreren Richtungen von Belarus aus nach, doch trotz einer anfänglichen Überzahl von geschätzt 12:1[2] geriet der Vormarsch schon nach wenigen Tagen ca. 30 km vor Kiew ins Stocken. Nach wochenlanger Umklammerung der Stadt von Norden, Westen und Osten musste Russland den Versuch der Eroberung Ende März aufgeben. Beim Abzug aus allen zuvor eroberten Gebieten nördlich von Kiew und Charkiw offenbarten sich Kriegsverbrechen an Zivilisten wie jene in Butscha.

Im Osten des Landes, wo bei Kriegsbeginn entlang der seit 2015 bestehenden Kontaktlinie etwa die Hälfte der ukrainischen Armee lag,[2] konnten die ukrainischen Truppen ihre Stellungen vor Donezk den ganzen März und April durchgehend halten. Russischen Truppen gelang es in der Schlacht um Charkiw (2022) kurzzeitig, in die grenznahe Großstadt einzudringen; nach heftigen Straßenkämpfen kam Charkiw jedoch rasch wieder komplett unter ukrainische Kontrolle. Allerdings wurden durch Beschuss der Stadt erhebliche Zerstörungen angerichtet. Zwischen Donezk/Luhansk und Charkiw liegende Gebiete wurden vom Angreifer besetzt. Beim Brückenkopf von Isjum wollte Russland eine Großoffensive starten, um die Verteidiger einzukesseln, doch kam der Vormarsch nicht voran.[3]

Noch stärker als Charkiw wurde die am Asowschen Meer liegende Hafenstadt Mariupol zerstört. Bis auf das lange belagerte Mariupol und den Südwesten der Ukraine (Oblast Odessa und Mykolajiw) wurden alle Gebiete im Süden der Ukraine, wo seit 2014 die Einnahme einer Landbrücke von Russland zur Krim (Föderativer Staat Neurussland) befürchtet worden war, besetzt. Dazu gehörte auch die Stadt Cherson, die bereits Anfang März eingenommen worden war. In diesem Gebiet im Süden hatten keine großen ukrainischen Einheiten zum Schutz vor einer Invasion von der Krim bereit gestanden, obwohl sie im nationalen Verteidigungsplan vorgesehen waren. In der Ukraine soll untersucht werden, wie das passieren konnte.[2]

Der weitere russische Vorstoß von Cherson in Richtung Odessa war Anfang März bei Mykolajiw gescheitert. Eine amphibische Landung wurde nach der Versenkung des Flaggschiffs Moskwa Mitte April nochmals unwahrscheinlicher. Gleichwohl wurde noch Mitte April von Landverbindungen nach Transnistrien gesprochen; insbesondere das russische Militär war mit den politischen Beschränkungen der Ziele auf den Donbas unzufrieden und forderte im Gegenteil ehrgeizigere Ziele und eine Generalmobilmachung in Russland.[4][5]

Russische Offensive im Donbas (Mai und Juni 2022)

Lagebild des britischen Verteidigungsministeriums vom 1. Mai 2022

Nach der endgültigen Eroberung von Mariupol konzentrierte sich das russische Militär im Mai und Juni auf die Einnahme von Territorien in der Oblast Luhansk. Verschossen die Russen pro Tag bis zu 60.000 Artilleriegeschosse, konnten die Ukrainer mit 6000 antworten, oft unter gänzlichem Verzicht auf eine Antwort zwecks Einsparung von Munition.[6] Im Kampf um die Stadt Sjewjerodonezk stützte sich die russische Seite auf eine Taktik der Erschöpfung. Anfang Mai hatte Russland noch versucht, mit einer Überschreitung des Flusses Siwerskyj Donez die Ukrainer einzukesseln, was zum Verlust von rund 100 schweren Fahrzeugen geführt hatte. Der Verlust von Sjewjerodonezk führte auch zum Rückzug der Ukrainer aus Solote, wo ihre Truppen seit März erfolgreich den Erstürmungsversuchen standgehalten hatten.[7] Im Raum Cherson konnte die ukrainische Armee kleinere Gebietsgewinne verzeichnen.

In den besetzten Gebieten versuchte Russland teils auch mit Desinformation die Menschen an eine neue Realität zu gewöhnen. Vereinzelt wurde von Partisanen-Aktionen in diesen Gebieten berichtet. Weiterhin beschoss Russland die Ukraine mit Fernlenkwaffen, doch Analysten stimmten darin überein, dass Russland die moderne Munition ausgehe. Darum setzte Russland wenig präzise Lenkwaffen aus der sowjetischen Zeit ein. Ein Beispiel ist der Raketenangriff vom 27. Juni in Krementschuk, als einer von zwei ungenauen Ch-22-Marschflugkörpern ein Einkaufszentrum anstelle der mutmaßlich angepeilten Baumaschinenfabrik traf.

Ende Juni zogen sich die russischen Kräfte nach verstärktem ukrainischen Beschuss von der im westlichen Schwarzen Meer gelegenen Schlangeninsel zurück; damit endete weitgehend auch der Einsatz der russischen Schwarzmeerflotte, die danach nicht weiter in Erscheinung trat und später auch von der Krim in das östliche Schwarze Meer verlegt wurde.

Stillstand und Stellungskrieg (Juli und August 2022)

Lagebild des britischen Verteidigungsministeriums vom 1. Juli 2022

Anfang Juli erlangten russische Truppen nach wochenlangen Kämpfen volle Kontrolle über die Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk und deren unmittelbare Umgebung. In den folgenden Wochen der Sommermonate Juli und August setzten die russischen Streitkräfte ihre offensiven Aktionen im Osten der Ukraine fort, ohne jedoch weitere größere Geländegewinne zu machen. Währenddessen kam es auf ukrainischer Seite vermehrt zum Einsatz westlicher Waffen, insbesondere der von den USA gelieferten HIMARS-Artilleriesysteme, die zunehmend militärische Ziele im Hinterland der russischen Front, u. a. Kommandostände, Munitionslager und Verpflegungspunkte, unter Beschuss nahmen. Dabei kam es auch erstmals zu Angriffen auf militärische Ziele auf der Krim, die von Russland seit deren völkerrechtswidriger Annexion im Jahr 2014 als Bestandteil des nationalen Territoriums betrachtet wird.

Unter öffentlichen Spekulationen einer möglichen ukrainischen Offensive im Raum Cherson verlegte das russische Kommando beträchtliche Truppen über den Dnepr in westliche Richtung, während die ukrainischen Streitkräfte eine systematische Zerstörung aller Flussquerungen durch Beschuss mit Präzisionsgeschossen betrieben und damit die Logistik der Russen beeinträchtigten. Ende August gingen die ukrainischen Streitkräfte in dem Frontabschnitt Cherson vermehrt in die Offensive.

Ukrainische Offensiven im Süden und Osten (September und Oktober 2022)

Lagebild des britischen Verteidigungsministeriums vom 1. September 2022

Die ukrainische Armee hielt den Druck ihrer Gegenoffensive im Raum Cherson aufrecht. Anfang September starteten die ukrainischen Streitkräfte eine von kaum jemand erwartete Gegenoffensive im Raum Charkiw und konnten in wenigen Tagen erhebliche Gewinne erzielen, nachdem die russische Front bei Balaklija zusammengebrochen war. Innerhalb weniger Tage wurden die Ortschaften Kupjansk, Isjum in der Oblast Charkiw befreit; wenig später folgte die Rückeroberung von Lyman in der Oblast Donezk. Im Oktober 2022 gelang den ukrainischen Truppen ein Vordringen in die Oblast Luhansk. Auch im Süden wurden Geländegewinne erzielt. Die strategisch wichtige Krim-Brücke über die Meerenge von Kertsch wurde am 8. Oktober 2022 durch eine oder mehrere Explosionen und einen daraus entstehenden Brand beschädigt. Dadurch wurde die Versorgung der südlichen Front um Cherson erschwert. Am 29. Oktober führte die Ukraine einen koordinierten Angriff mit Drohnen auf im Hafen von Sewastopol liegende Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte. Ab Ende Oktober versuchte Russland, den Konflikt einzufrieren, um Zeit zu gewinnen und den europäischen Unterstützern das Gefühl einer Aussichtslosigkeit zu vermitteln.[8] Russland griff mit Raketen und vom Iran gelieferten Einweg-Drohnen die zivile Infrastruktur des ganzen ukrainischen Hinterlandes an, wodurch nach Angaben des ukrainischen Staates mindestens ein Drittel der ukrainischen Stromanlagen zu Schaden kam. Seitdem waren zeitweise mehrere Millionen Menschen in der Ukraine vom Stromnetz getrennt, um den noch vorhandenen Teil des Stromnetzes nicht zu überlasten.[9][10][11][12]

Befreiung von Cherson und russische Luftkampagne gegen Infrastruktur (November und Dezember 2022)

Lagebild des britischen Verteidigungsministeriums vom 1. November 2022

Anfang November setzten ukrainische Truppen ihren Vormarsch auf die Stadt Cherson fort; die russischen Truppen zogen sich vom westlich des Dnepr liegenden Gebiet der Oblast Cherson zurück, so dass dieser Teil der Oblast am 11. November befreit wurde. Gleichzeitig setzten die russischen Kräfte über den gesamten Zeitraum ihre Luftschläge gegen ukrainische Infrastruktur fort, indem sie in insgesamt über zehn großen koordinierten Wellen von jeweils ca. 100 Raketen und Flugkörpern gleichzeitig starteten, u. a. um die Flugabwehr zu überwältigen; die ukrainische Verteidigung, die durch westliche Waffenlieferungen verstärkt worden war, konnte jedoch eine immer größere Anzahl der Geschosse abfangen. Auf dem Terrain war das weitere Geschehen durch die herbstliche Schlammsaison gekennzeichnet, so dass Bodentruppen nur geringe Geländegewinne machen konnten. Die russischen Truppen, gestützt auf die Söldner der Gruppe Wagner, setzten ihre seit Monaten laufende Offensive gegen die Stadt Bachmut im Donbas erfolglos fort und erlitten, wie auch ukrainisches Militär, bei der Schlacht um jene Stadt hohe Verluste. Ukrainische Truppen konzentrierten ihre Bemühungen außerdem auf die Eroberung der strategischen Achse Swatowe–Kreminna in der Oblast Luhansk; sie konnten die russischen Truppen nur um wenige Kilometer zurückdrängen, standen aber Ende Dezember kurz vor Kreminna.

Russische Angriffe an der Frontlinie (Januar bis März 2023)

Lagebild des britischen Verteidigungsministeriums vom 3. Januar 2023

In den ersten Monaten des Jahres 2023 wurde insbesondere im Raum bei Bachmut erbittert gekämpft, mit hohen Verlusten bei beiden Kriegsparteien und ohne dass aus der Schlacht um Bachmut bis Ende März 2023 ein eindeutiger Sieger hervorging. Zwar konnten russische Truppen gegenüber ukrainischen Einheiten die Kleinstadt Soledar unter Einsatz der Söldner der Gruppe Wagner einnehmen, erfüllten damit jedoch nicht annähernd die militärischen Ziele Russlands, bis Ende März 2023 die ukrainischen Oblaste Donezk und Luhansk (den Donbas) vollständig erobert zu haben.[13] Stattdessen erlitten russische Truppen hohe Verluste ohne nennenswerte Geländegewinne, wie bei der Schlacht um Wuhledar. Im selben Zeitraum sagten westliche Staaten der Ukraine weitere Waffenlieferungen zu, insbesondere schwere Kampf- und Schützenpanzer westlicher Bauart, die ab Ende März 2023 geliefert wurden.

Dem Scheitern der militärischen Ziele Russlands lagen mehrere Faktoren zugrunde; es mangelte russischen Truppen an genug erfahrenen russischen Soldaten, von denen nicht wenige im vorherigen Kriegsjahr gefallen waren. Gleichzeitig war der Winter in den ersten Monaten des Jahres 2023 sehr milde, was dazu beitrug, dass die Böden weich und somit für Panzerfahrzeuge schlecht befahrbar waren. So wurden laut Berichten der New York Times allein bei Wuhledar mindestens 130 gepanzerte Fahrzeuge zerstört. Vor allem jedoch hatten die ukrainischen Truppen die Logistik der russischen Streitkräfte mittels Artillerie gleich zu Beginn der russischen Winteroffensive geschwächt.[14][15]

Russische Einnahme der Stadt Bachmut und ukrainische Gegenoffensive (April bis September 2023)

Die Kriegsmonate April bis September 2023 waren neben permanenten russischen Angriffen auf die Ukraine unter anderem geprägt von der russischen Einnahme der Stadt Bachmut im Mai und der Zerstörung des Kachowka-Staudamms im Juni. Anfang Juni begann zudem eine lang erwartete ukrainische Gegenoffensive, mit drei Stoßrichtungen, erstens in der Oblast Saporischschja in Richtung Tokmak, zweitens an der Grenze der Oblast Saporischschja mit der Oblast Donezk in Richtung Süden, drittens an den Flanken von Bachmut, welche insgesamt bis zu ihrem Ende im Herbst die selbst gesteckten Ziele nicht erreichen konnte. Gleichzeitig kam es zum Auslaufen des Getreideabkommens im Juli, den darauffolgenden russischen Angriffen auf ukrainische Getreidesilos, dem Aufstand der Gruppe Wagner in Russland im Juni und dem Tod von Jewgeni Prigoschin, Chef der Gruppe Wagner, im August. Im September 2023 wurde in Russland an allen staatlichen Schulen praktischer Militärunterricht eingeführt, den es bereits in der Sowjetunion gegeben hatte.[16][17] Nach Angaben eines ukrainischen Majors nahm die Bedeutung des Drohnenkriegs spätestens im Spätsommer erheblich zu; es sei „ein völlig neuer Krieg“.[18]

Ukrainischer Munitionsmangel und russische Einnahme der Stadt Awdijiwka (Oktober 2023 bis Februar 2024)

Im Oktober 2023 begannen die russischen Streitkräfte einen Angriff auf die in der Oblast Donezk liegende Stadt Awdijiwka und erzielten dort in den Folgemonaten unter hohen Verlusten Geländegewinne. Im Februar 2024, wenige Tage nachdem der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj den militärischen Befehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, General Walerij Saluschnyj, gegen Generaloberst Oleksandr Syrskyj austauschte, zogen sich die letzten verbliebenen ukrainischen Truppen, die kurz vor einer Umzingelung standen, aus Awdijiwka zurück. Die Kämpfe um die Stadt waren im Februar 2024 mit der Einnahme durch die russischen Streitkräfte beendet, gingen jedoch im Umland der Stadt weiter.

Zum Jahresende 2023 stellten die USA ihre Munitions- und Waffen- und Rüstungslieferungen an die Ukraine bis auf Weiteres ein. Aufgrund des hohen Munitionsverbrauchs in dem Krieg und weil die USA von allen Unterstützerstaaten am meisten lieferten, stellte sich bei den ukrainischen Streitkräften schnell ein Mangel ein, was diese in die Defensive brachte und auch die Niederlage in der Schlacht um Awdijiwka bedingte. Versuche des US-amerikanischen Präsidenten Joe Biden und der regierenden Demokratischen Partei, den Kongress der Vereinigten Staaten von einer Weiterführung der US-amerikanischen Unterstützung der Ukraine zu überzeugen, scheiterten an der fehlenden Zustimmung des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten, wo sich die Republikanischen Partei, die dort die Mehrheit stellte, gegen die Fortführung der Unterstützung aussprach.

In der russischen Bevölkerung blieb die Unterstützung für den russischen Militäreinsatz laut repräsentativen Umfragen des Lewada-Zentrums hoch, wobei sich in allen Altersgruppen eine Mehrheit für Verhandlungen aussprach. Die Europäische Union verhängte in jenen fünf Monaten weitere Sanktionen gegen Russland, zuletzt nach dem Tod des russischen Oppositionspolitikers und Kriegsgegners Alexej Nawalny. Verbliebene russische Oppositionelle und gleichzeitig Kriegsgegner, wie Jekaterina Dunzowa und Boris Nadeschdin, die sich zu den Präsidentschaftswahlen 2024 als Kandidaten registrieren wollten, wurden nicht zur Wahl zugelassen.

Verlauf (seit März 2024)

Hinweis: Aussagen zum Kriegsverlauf während einer kriegerischen Auseinandersetzung sind aufgrund der kriegsbedingt nicht herstellbaren Objektivität und der sowohl politisch beschränkten als auch oft gelenkten Informationsfreigabe beider Seiten in der Regel unüberprüfbar. Auch seriös klingende Vermutungen sind aufgrund der Nachrichtenlage in der Regel weder von inneren Überzeugungen der Beitragenden noch von vorsätzlich betriebener Meinungs- und Medienbeeinflussung unterscheidbar.

1. März

Der russische Auslandssender RT veröffentlichte über seine deutschsprachige Sparte RT DE eine Aufzeichnung eines im Februar 2024 stattgefundenen und abgehörten vertraulichen Gesprächs zwischen dem Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, dem Brigadegeneral Frank Gräfe und zwei weiteren Offizieren zum Thema Marschflugkörper Taurus und dessen möglichem Einsatz im Russisch-Ukrainischen Krieg.

2. März

Wohngebäude in Odessa nach dem Angriff (Bildquelle: Ukrainischer Katastrophenschutz)

Laut ukrainischen Angaben wurden bei einem russischen Drohnenangriff auf die Großstadt Odessa 12 Zivilisten getötet und 18 Wohnungen zerstört.[19][20]

Der britische Militärnachrichtendienst berichtete, dass die russischen Streitkräfte aufgrund des Abschusses eines A-50-Aufklärungsflugzeuges entschieden haben, vorerst keine A-50 mehr einzusetzen, bis geklärt sei, wie die ukrainische Flugabwehr überwunden werden kann. Laut dem britischen Nachrichtendienst gibt es mit dem Verzicht auf den Einsatz von A-50-Aufklärungsflugzeugen Defizite in der Aufklärung bzw. bei der Lagebeurteilung.[20]

3. März

Der britische Militärnachrichtendienst schätzte, dass im Februar 2024 pro Tag 983 russische Soldaten getötet oder verletzt wurden, und erklärte, dass die russischen Streitkräfte in keinem Monat seit Beginn des Krieges so hohe Verluste zu beklagen hatten (28.507 bei 29 Tagen). Die hohe Durchschnittszahl spiegele wider, dass Russland sich einem Massen- und Abnutzungskrieg verschrieben habe, sagte der Dienst. Das koste zwar viele Menschenleben, habe aber den Druck auf die ukrainischen Stellungen entlang der Front erhöht. Der Nachrichtendienst bezifferte die russischen Personalverluste in der Ukraine seit Februar 2022 auf 355.000 (einschließlich Verwundete).[21]

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe sind Einsätze der russischen Luftwaffe über der Ostukraine merklich zurückgegangen: „Die von westlichen Partnern zur Verfügung gestellten Abwehrmittel zeigen Wirkung.“[21]

4. März

Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR gab bekannt, für die am selben Tag erfolgte Sprengung einer Eisenbahnbrücke über den Wolga-Nebenfluss Tschapajewka in der russischen Oblast Samara verantwortlich zu sein. Der HUR erklärte, Russland habe die Bahnstrecke genutzt, „um militärisches Material zu transportieren, insbesondere Sprengstoff, der in der Polymer-Fabrik in der Stadt Tschapajewsk hergestellt wurde“.[22]

5. März

Nach ukrainischen Angaben wurde die russische Korvette Sergei Kotow nahe der Krim durch Drohnenboote versenkt.[23][24]

Die ukrainische Luftabwehr zerstörte nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe 18 von 22 angreifenden russischen Drohnen in der Oblast Odessa.[24]

Ab 2025 wird die Ukraine den Transit von russischem Gas nach Europa nicht mehr gestatten.[25]

6. März

Russland hat zum ersten Mal ein ukrainisches HIMARS-System durch eine Iskander-Rakete zerstört. Die Vereinigten Staaten haben der Ukraine bislang 39 Systeme zur Verfügung gestellt.[26]

Während eines Treffens des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis in Odessa ist die südukrainische Hafenstadt ukrainischen Angaben zufolge von Russland mit Raketen beschossen worden.[27]

7. März

Infolge des Ukrainekrieges wurde nach Finnland im Jahre 2023 am 7. März 2024 auch Schweden als 32. Staat Mitglied der NATO.[28]

Bei einem russischen Raketenangriff auf die nordukrainische Stadt Sumy sind nach ukrainischen Angaben mehrere Menschen verletzt und getötet worden.[29]

Laut dem tschechischen Präsidenten Petr Pavel hat Tschechien ausreichend Zusagen erhalten, um den Kauf von 800.000 Artilleriegranaten für die Ukraine aus sogenannten Drittstaaten außerhalb der EU finanzieren zu können. 18 Staaten, darunter Deutschland mit einem dreistelligen Millionenbetrag, wollen sich an der Initiative beteiligen. Bereits in den nächsten Wochen solle die Munition in der Ukraine eintreffen. Laut Financial Times hatte Tschechien 1,5 Milliarden US-Dollar (1,37 Milliarden Euro) für den Kauf zusammenbringen wollen.[29]

8. März

Der ukrainische Staatspräsident unterschrieb ein Dekret, das an der Front dienenden Wehrpflichtigen, die bereits vor dem Überschreiten der Grenze durch russische Truppen im Februar 2022 zum Militärdienst eingezogen wurden, für eine längere Pause eine Versetzung in die Reserve ermöglicht.[30][31]

Russland und die Ukraine meldeten jeweils die Abwehr dutzender Drohnen bei gegenseitigen Angriffen.[31]

Commons: Russischer Überfall auf die Ukraine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Verfügung vom 16. März 2022 – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise

  1. Zehn Erkenntnisse aus neun Monaten Krieg tagesanzeiger.ch, 12. November 2022.
  2. Mykhaylo Zabrodskyi, Dr Jack Watling, Oleksandr V Danylyuk and Nick Reynolds: Preliminary Lessons in Conventional Warfighting from Russia’s Invasion of Ukraine: February–July 2022, RUSI, 30. November 2022 – relevantere Stellen bestimmt aufgrund Британский институт RUSI вместе с ВСУ выпустил доклад о первых месяцах войны, Meduza, 1. Dezember 2022
  3. Die Ukraine erleidet ihre erste schmerzhafte Niederlage im Kampf um den Donbass. Aber es wird schwierig sein, auf dem Erfolg Russlands aufzubauen., Meduza, 24. Juni 2022
  4. Vicious Blame Game Erupts Among Putin’s Security Forces. The Moscow Times, 27. April 2022 (englisch).
  5. «Войска скорее имитируют, чем наступают». Nowaja gaseta. Europa, 27. April 2022.
  6. Ukraine’s ammunition becomes defining issue in battle for Donbas, The Guardian, 27. Juni 2022
  7. Die Ukraine erleidet ihre erste schmerzhafte Niederlage im Kampf um den Donbass. Aber es wird schwierig sein, auf dem Erfolg Russlands aufzubauen., Meduza, 24. Juni 2022
  8. Die russischen Bodentruppen versuchen, den Krieg in der Ukraine vorerst einzufrieren, NZZ, 29. Oktober 2022.
  9. Ukraine-News am Samstag: Experten rechnen mit heimlicher Fortführung der Mobilmachung in Russland. In: Der Spiegel. 5. November 2022, abgerufen am 6. November 2022.
  10. Wolodymyr Selenskyj: »Wir geben keinen einzigen Zentimeter unseres Landes auf«. In: Der Spiegel. 8. November 2022, abgerufen am 9. November 2022.
  11. Liveblog: USA und UN fordern Verlängerung von Getreidedeal. In: tagesschau.de. Abgerufen am 3. November 2022.
  12. Ukraine-News am Donnerstag: IAEA sieht keine Hinweise auf »schmutzige Bombe« in der Ukraine. In: Der Spiegel. 3. November 2022, abgerufen am 3. November 2022.
  13. Russian Offensive Campaign Assessment, April 1, 2023. In: Institute for the Study of War. 1. April 2023, archiviert vom Original am 25. März 2022; abgerufen am 11. April 2023 (englisch).
  14. Oliver Imhof: (S+) Ukraine-Krieg: Warum Russlands Winteroffensive gescheitert ist. In: Der Spiegel. 5. April 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 11. April 2023]).
  15. Andrew E. Kramer: In an Epic Battle of Tanks, Russia Was Routed, Repeating Earlier Mistakes. In: The New York Times. 1. März 2023, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 11. April 2023]).
  16. Inna Hartwich: Militarismus an russischen Schulen: Neues Schulfach Handgranatenwurf. In: Die Tageszeitung: taz. 30. August 2023, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 25. September 2023]).
  17. Lehrplan: Russische Schüler lernen Umgang mit Drohnen. In: zdf.de. 21. August 2023, abgerufen am 2. Oktober 2023.
  18. Alexander Sarovic: (S+) Nach der ukrainischen Gegenoffensive: Der Krieg geht in eine neue Phase. In: Der Spiegel. 29. November 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 1. Dezember 2023]).
  19. tagesschau.de: Ukraine-Liveblog: Selenskyj bittet Westen eindringlich um Hilfe. Abgerufen am 4. März 2024.
  20. tagesschau.de: Ukraine-Liveblog: Selenskyj sendet neuen Hilferuf an Westen. Abgerufen am 3. März 2024.
  21. tagesschau.de: Ukraine-Liveblog: Kiew: Moskau schränkt Luftwaffen-Aktivität ein. Abgerufen am 3. März 2024.
  22. Ukraine-Liveblog: Experte: Abhöraktion „nicht noch erfolgreicher machen“. In: tagesschau.de. 5. März 2024, abgerufen am 5. März 2024.
  23. dpa: Ukraine-Krieg: Kiew: Russisches Kriegsschiff bei Drohnenattacke versenkt. In: Die Zeit. 5. März 2024, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 5. März 2024]).
  24. tagesschau.de: Ukraine-Liveblog: Drohnenangriff auf russisches Schiff. Abgerufen am 5. März 2024.
  25. Claudio Kummerfeld: Ukraine wird ab 2025 kein russisches Gas mehr nach Europa lassen. In: finanzmarktwelt.de. 6. März 2024, abgerufen am 6. März 2024 (deutsch).
  26. sh: Iskander-Rakete zerstört erstmals Himars-System – Ukraine wendet neue Waffe an. In: focus.de. 6. März 2024, abgerufen am 6. März 2024.
  27. Ukraine: Russland beschießt Odessa während Besuch von Selenskyj und Mitsotakis. In: Der Spiegel. 7. März 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 7. März 2024]).
  28. Zeit.de: Schweden ist jetzt offiziell Mitglied der NATO, 7. März 2024
  29. ++ Tschechien will 800.000 Schuss Munition liefern ++ www.tagesschau.de, 7. März 2024
  30. Ukraine: Wolodymyr Selenskyj entlässt langjährige Wehrpflichtige per Dekret in Reserve. In: Der Spiegel. 8. März 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 8. März 2024]).
  31. tagesschau.de: Ukraine-Liveblog: ++ Selenskyj zu Gesprächen in der Türkei eingetroffen ++. Abgerufen am 8. März 2024.
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